Aufatmen für Esel: Keine Tierquälerei mehr auf Santorin | Wissen & Umwelt | DW | 12.10.2018
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Aufatmen für Esel: Keine Tierquälerei mehr auf Santorin

Esel müssen ganz schön etwas aushalten, wenn wir sie beladen oder auf ihnen reiten. In Griechenland ist damit nun Schluss. Personen über 100 Kilogramm dürfen nicht mehr aufsteigen. Gut so! Denn Esel sind tolle Tiere.

Esel gelten gemeinhin als Lastentiere. Daher auch der Begriff Packesel. Wir beladen sie seit jeher mit Kartoffelsäcken oder anderen Ernten, mit Wanderausrüstung – die uns selber zu mühsam zum Tragen ist – oder wir wuchten direkt unseren ganzen Körper auf die leidensfähigen Tiere. Vor einigen Jahrhunderten mag dies in Ordnung gewesen sein, heute aber könnten wir es zumindest vielerorts besser machen. 

Griechenland tut das nun! Das griechische Landwirtschaftsministerium reagiert damit auf Vorwürfe von Tierschutzorganisationen. Denn insbesondere auf der griechischen Insel Santorin kommen Esel und Maultiere zum Einsatz, um Touristen über steile Wege vom Hafen in den Hauptort zu bringen. Bequem für sie, eine echte Tortur für die Tiere. "The Donkey Sanctuary" und "Help the Santorini Donkeys" machten deshalb auf das Leid der Esel aufmerksam, die aufgrund der hohen Belastungen Verletzungen hatten. 

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Dicke Touristen müssen selber laufen

Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berichtet, steht in der neuen Richtlinie der Behörde für den Gebrauch "pferdeähnlicher Tiere", dass diese in einem guten gesundheitlichen Zustand sein müssen und ihnen Wasser und Futter gegeben werden muss. Dazu kommt das Maximalgewicht: Die Last, die die Tiere tragen, darf ein Fünftel ihres eigenen Körpergewichts, maximal aber 100 Kilogramm, nicht übersteigen.

Esel mit Tourist auf der Insel Santorin (picture-alliance/imageBroker/C. Handl)

Den Eseln und der eigenen Gesundheit zu Liebe: Besser selber laufen als tragen lassen

Die Tierschutzorganisation Donkey Sanctuary ruft Touristen deshalb dazu auf, sich vor dem Besteigen eines sogenannten "Tourist Taxi" ein paar Fragen zu stellen, kurz: STEPS.

  • Safety: Will you be escorted by a conductor at all times during the ride?
  • Thirst: Does this animal have access to fresh, clean water?
  • Equipment: Is the saddle and bridle of good quality or is it causing sores or discomfort?
  • Pounds: Are you an acceptable weight for this animal to carry? 
  • Shelter: Does this animal have access to shelter during rest breaks?

Ein Fünftel des Körpergewichts ist übrigens ohnehin das gängige zulässige Tragegewicht eines Esels. Das heißt? Wiegt der Esel 200 Kilogramm, so darf er etwa 40 Kilogramm an Gewicht tragen, ohne, dass es ihm schadet. Wiegt der Esel nur 130 Kilogramm, darf er maximal 26 Kilogramm tragen. Vielleicht denken Sie daran, bevor sie das nächste Mal die Chance haben, sich von einem Esel durch die Gegend tragen zu lassen. Bewegung tut Menschen im Übrigen gut – auch im Urlaub.

Von Eseln, Mulis und Zeseln

Esel (Equus asinus asinus) ist nicht gleich Esel. Neben den Hauseseln gibt es auch wildlebende Esel: Die Asiatischen und die Afrikanischen Esel. Die Hausesel stammen vom Afrikanischen Esel ab. Hätten Sie's gewusst?

Damit nicht genug, es gibt auch Hybride: Der Maulesel ist eine Kreuzung eines Pferdehengstes und einer Eselstute. Das Maultier ist die Kreuzung eines Eselhengstes und einer Pferdestute. Beide Arten sind jedoch nicht fortpflanzungsfähig.

Aber wozu der ganze Mischmasch? Mulis (Sammelbegriff für alle Kreuzungen aus Pferd und Esel) verbinden die besten Eigenschaften von Pferd und Esel: Sie sind sie trittsicher, robust und ausdauernd wie ein Esel, und kräftig wie ein Pferd. Mulis waren deshalb (und sind es mitunter noch heute) beim Militär sehr beliebt.

In der Regel nicht beabsichtigt und sehr selten ist der Zesel – eine Kreuzung zwischen Esel und Zebra.

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Der Zesel Ippo im Florentiner Zoo (Getty Images/Afp/Tiziana Fabi)

Wir wissen, was Sie sehen wollen: Ein Baby-Zesel. Awwww.

I-Aah?!

Eselsrufe sind laut. Sehr laut sogar. Im Schnitt liegen sie bei 80 Dezibel, was in etwa einem vorbeifahrenden LKW entspricht. Wenn es darauf ankommt, sind aber auch 120 Dezibel drin, was schon an die Schmerzgrenze geht - denken Sie an den Geräuschpegel eines startenden Flugzeugs.

Das I-Aah ist nur eines von vielen Geräuschen, die Esel im Repertoire haben. Sie können knurren, grunzen, quieken und schnauben. Aber nur der Eselsruf ist unvergleichlich und über weite Strecken vernehmbar. 

Infografik Dezibel Lärm DEU


Dummer Esel? I-Wo!

Eine Beleidigung à la "Du Esel" kann uns erstens teuer zustehen kommen (siehe Schmerzensgeldtabelle) und ist zweitens auch noch völliger Unfug. Denn Esel sind durchaus clever. Sie können selbst Orte und andere Esel erkennen, die sie vor 25 Jahren besucht beziehungsweise getroffen haben. Damit haben sie den meisten Menschen etwas voraus.

Und Esel würden sich niemals bewusst in Gefahr bringen. Das unterscheidet sie übrigens auch von Pferden. Die sind sin ihrem Tun weniger bedacht. 

Kommen wir zur nächsten dazugehörigen Eigenart: Esel sind angeblich stur. Das haben aber nur wir Menschen ihnen angehängt. Denn Esel zeigen sich störrisch, wenn sie ein ungutes Gefühl haben. Die Sturheit ist also eigentlich Intelligenz.

Esel auf einer Brücke (picture alliance/Arco Images GmbH)

Der Begriff der Eselsbrücke kommt nicht von ungefähr

Gute alte Eselsbrücke

Stur zeigen sich Esel zum Beispiel, wenn es darum geht, einen Bach zu durchqueren. Das tun sie höchst ungern, denn Wasser ist ihnen nicht geheuer, auch wenn es noch so flach ist. Esel können die Wassertiefe aufgrund der spiegelnden Oberfläche nicht erkennen.

Hier helfen Eselsbrücken – und hier liegt auch der Ursprung des Begriffs. So ist die sprichwörtliche Eselsbrücke zwar ein Umweg, führt aber zum Ziel. Gut zu wissen: Ein vorsichtiger Esel würde keinen Huf auf eine wackelige Brücke setzen. Eine Eselsbrücke ist also eine sichere Bank.

Lauf, Esel, lauf!

In freier Wildbahn gehen Esel 20 bis 30 Kilometer am Tag. Die Betonung liegt hier auf dem "Gehen", denn galoppieren vermeiden sie meist. Sie haben zwar den gleichen Gang wie Pferde, aber Esel sind in der Regel gemütlicher unterwegs. Das liegt einerseits daran, dass ihr Fluchtverhalten weniger ausgeprägt ist, andererseits kann hier aber auch der Instinkt eine Rolle spielen – ein Überbleibsel ihrer Wüstenherkunft. Wer rennt schon gern bei brütender Hitze, und das vielleicht noch mit schwerem Gepäck? Richtig. Niemand. 

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