Auf dem heiligen Athos suchen Männer Gottes Nähe | Kultur | DW | 27.11.2006
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Auf dem heiligen Athos suchen Männer Gottes Nähe

Kloster des Heiligen Panteleimon

Kloster des Heiligen Panteleimon

Unsere Fähre passiert ein Großkloster nach dem anderen. Die Namen klingen für deutsche Ohren fremd: Dochiariu, Xenophontos, Panteleimonos, Xeropotamu. Die Architektur der meisten Klöster gleicht mittelalterlichen Burgen mit hohen, mächtigen Mauern, Wehrtürmen, Schießscharten. Im Mittelalter griffen Piraten viele der Mönchsgemeinschaften an, um sie auszurauben. Die Freibeuter waren auf der Suche nach goldenen Kelchen oder wertvollen Ikonen. Zaren, Könige oder Fürsten waren stets großzügig gegenüber den für sie betenden Geistlichen. Vor dem Ersten Weltkrieg lebten fast 8000 Mönche auf dem Athos. Dann, nach dem Zweiten Weltkrieg, begann der Niedergang. Die Klöster verfielen. Der Schatten der atheistischen Gewaltherrschaft in Osteuropa reichte bis zum Athos. Stalin, Breschnew, Tito oder Ceausescu ermordeten Tausende von orthodoxen Mönchen, warfen diese ins Gefängnis. Der Nachwuchs für die Mönchsrepublik blieb aus. Die Lage besserte sich erst, als der eiserne Vorhang verschwand. Erneut traten Hunderte von jungen, oft gut ausgebildeten Russen, Ukrainern, Rumänen oder Serben in die Klöster ein, renovierten diese, erweckten den Athos zu neuem Leben.

Auf der Fähre treffen wir Vater Stefan vom Kloster Chilandar. Der mittelgroße, freundlich dreinblickende Mann mit der schwarzen Gebetschnur in der Hand mag vielleicht 60 Jahre alt sein. Früher, sagt er leise, habe er einen Klosterbruder kritisiert, weil dieser ständig den Athos verlassen musste. Inzwischen gehöre es zu seinen Pflichten, selbst viel zu reisen. "Der liebe Gott erteilt mir so eine Lektion“, lächelt er. Die meisten Mönche bleiben am liebsten in ihrer Klostergemeinschaft. Dort ist alles so geordnet, dass es das geistige Leben fördert. Der Sinn ihres Lebens ist für die orthodoxen Mönche, wie sie sagen, die Erlangung des Heiligen Geistes oder einfacher formuliert: die lebendige Gemeinschaft mit Gott. Der Athos ist ein Ort, in dem Generationen von Mönchen dieses eine Ziel verfolgen. Erfahrene stehen dabei weniger Erfahrenen bei.

Der Hafen von Daphne

Der Hafen von Daphne

Misstrauische Zöllner

Nach zwei Stunden Fahrt erreicht unser Schiff den Hafen Daphne. Letzterer besteht aus einem Dutzend zweistöckiger Häuser. Darunter befindet sich ein spartanisch ausgestattetes Kaffeehaus. Gereicht wird türkischer Mokka, auch wenn er hier nicht so genannt werden darf. Im benachbarten Gebäude werden Ikonen, Kettchen oder Gebetsschnüre verkauft. Auf der Straße erfüllt ein babylonisches Sprachgewirr die Luft: gesprochen, geschrieen, gerufen wird in Griechisch, Russisch, Englisch, Serbisch, Albanisch oder in Deutsch. Unmittelbar am Hafenkai ist unlängst ein neues Zollhaus errichtet worden. Dort durchwühlen griechische Polizisten die Rucksäcke oder Taschen jener Athos-Besucher, die bereits wieder auf der Rückreise sind. Das Misstrauen der Zöllner ist berechtigt: Immer wieder versuchen Schmuggler, wertvolle Ikonen außer Landes zu bringen.

Nicht verkaufen lassen sich freilich die wertvollsten, die wundertätigen Ikonen des Athos. Dafür sind sie in der Ostkirche zu bekannt. Die Meisterwerke zeigen die Gottesmutter Maria und das Jesuskind auf dem Arm. Die Ikonen stehen oft auf einem Ehrenplatz in den Klosterkirchen. Viele stammen der Überlieferung nach aus den ersten nachchristlichen Jahrhunderten, kamen aus Jerusalem oder aus Byzanz zum Athos. Mönche und Pilger nähern sich ihnen in gebückter Haltung und mit großer Ehrfurcht. Auch in jüngster Zeit werden den Ikonen zahlreiche Wunder zugeschrieben, wie etwa die Genesung von schwerer Krankheit.

Lesen Sie weiter: Beschwerlicher Weg nach Karyes und die älteste Kirche der Mönchsrepublik

Seiten 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | vollständiger Artikel