Auch Facebook ließ Audio-Chats abtippen | Aktuell Welt | DW | 14.08.2019
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Datenschutz im Internet

Auch Facebook ließ Audio-Chats abtippen

Nach den Mitbewerbern Apple, Google und Amazon hat jetzt auch Facebook zugegeben, dass Mitarbeiter aufgezeichnete Gespräche von Nutzern verschriftlicht haben. Doch für Facebook ist das Thema besonders heikel.

Facebook ließ Sprachnachrichten abtippen (picture-alliance/AP Photo/A. Alfiky)

Was Nutzer des Facebook-Messengers erzählten, wurde von Mitarbeitern abgetippt

Seit Jahren geht das Gerücht um, Apps des Online-Netzwerks hörten den Nutzern zu, um die Werbung zu personalisieren. Als angeblicher Beleg werden Fälle genannt, in denen Anzeigen zu einer vorherigen Unterhaltung passen.

Facebook, dem die US-Verbraucherschutzbehörde Ende Juli wegen Datenschutzverstößen eine Rekordstrafe von fünf Milliarden Dollar (4,5 Milliarden Euro) aufgebrummt hatte, wies den Vorwurf stets zurück, auch Gründer und Chef Mark Zuckerberg verneinte dies im Frühjahr ausdrücklich bei einer Anhörung im US-Kongress und sprach von einer "Verschwörungstheorie". "Wir machen das nicht", versicherte er damals. Facebook hatte auch erklärt, das Online-Netzwerk verarbeite Audio-Daten nur wenn ein Nutzer die Erlaubnis dazu erteilt habe.

Menschen hören Menschen ab

Jetzt kam allerdings heraus, dass Facebook Mitarbeiter damit beauftragt hat, Aufnahmen von Nutzern aus seinem Chatdienst Messenger anzuhören und abzutippen. Betroffen gewesen seien Nutzer, die die Transkriptions-Funktion für Sprachunterhaltungen eingeschaltet hätten, erklärte das Online-Netzwerk am Dienstag dem Finanzdienst Bloomberg.

Aufgabe der Mitarbeiter sei gewesen, zu prüfen, ob die Software die gesprochenen Sätze korrekt verstanden habe. Die Nachrichten seien anonymisiert worden. Die Praxis sei vor mehr als einer Woche gestoppt worden.

Facebook ließ Sprachnachrichten abtippen (Reuters)

Die großen Internetkonzerne haben alle ein Interesse an den Gesprächen ihrer Nutzer

Offenbar gängige Praxis

In den vergangenen Wochen waren auch Amazon, Apple und Google in die Kritik geraten, weil sie Mitschnitte von Sprachassistenz-Software von Mitarbeitern auswerten ließen, ohne dass es den Nutzern bewusst war.

Nutzern dürfte - ähnlich wie bei den anderen Tech-Konzernen - nicht klar sein, dass in einigen Fällen auch Menschen die Chats zu hören bekamen.

Die Unternehmen holten sich bei den Nutzern pauschal die Erlaubnis, Daten zur Verbesserung des Dienstes zu nutzen. Dass dafür möglicherweise auch Sprachaufnahmen nicht nur von Software analysiert, sondern auch von Menschen gehört werden könnten, wurde dabei nicht ausdrücklich erwähnt.

Bei Apple gab es zumindest einen Hinweis auf die Möglichkeit solcher Transkriptionen bei seiner Sprachassistentin Siri in einem Sicherheitsdokument für Entwickler. Der Text war für gewöhnliche Nutzer jedoch schwer zu finden. Apple setzte die Auswertung der Mitschnitte aus und versprach, sich künftig die ausdrückliche Erlaubnis dafür zu holen.

Auch Google stoppte die Praxis Anfang Juli. Amazon bietet Nutzern seit kurzem die Möglichkeit, der Auswertung von Mitschnitten durch Menschen zu verhindern.

"Vulgäres Vokabular"

Bei Facebook hätten sich "Hunderte" Beschäftigte bei externen Dienstleistern die Audioclips angehört, schrieb Bloomberg unter Berufung auf informierte Personen. Sie seien im Unklaren darüber gelassen worden, unter welchen Umständen die Aufnahmen gemacht wurden und für welchen Zweck sie sie abtippen, hieß es.

Einige berichteten laut Bloomberg, dass sie das Abhören privater Gespräche mit mitunter vulgärem Vokabular irritiert habe. Sie erfuhren dem Bericht zufolge weder den Ursprung der aufgezeichneten Gespräche noch, wofür Facebook die Transkriptionen nutzte.

Später stellte Facebook klar, dass das Unternehmen nur auf das Mikrofon eines Nutzers zugreife, wenn dieser zugestimmt habe. Laut Bloomberg legte der Konzern aber nicht offen, was er mit solchen Aufnahmen machte.

mak/nob (dpa, afp)

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