Auch die Alten können es nicht richten | Fußball | DW | 01.10.2017
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Bundesliga-Story

Auch die Alten können es nicht richten

Der FC Bayern verpasst in Berlin die Trendwende. Im ersten Spiel nach Ancelotti erwischen ausgerechnet die Routiniers einen schlechten Tag. So bleibt der Rekordmeister weiter in der Krise.

Willy Sagnol wollte nichts falsch machen. Also holte der Interimstrainer des FC Bayern für das Gastspiel bei Hertha BSC seine "Altmeister" zurück ins Team. Mats Hummels, Jerome Boateng, Franck Ribery und Arjen Robben durften sich das Trikot in Berlin von Anfang an überstreifen, nicht so wie unter Carlo Ancelotti, der am Donnerstag nach dem 0:3 in Paris gefeuert wurde. Hätte Philipp Lahm nicht seine Karriere beendet, wäre Manuel Neuer nicht verletzt, dann hätte Sagnol wahrscheinlich die Mannschaft vom Champions-League-Gewinn 2013 aufgestellt. "Wir brauchten frische Spieler, weil das Spiel in Paris schwer war und einige Spieler müde waren", begründete der Interimscoach seine personellen Maßnahmen. Tatsächlich dürfte auch er die internen Machtkämpfe unter Ancelotti satt gehabt haben, die gekränkten Eitelkeiten der Platzhirsche.

Bundesliga 7. Spieltag - Hertha Berlin vs Bayern München - Tor 0:1 (Imago/Camera 4/E. Thonfeld)

Da war noch alles gut: Mats Hummels (M.) köpft das 1:0 für die Bayern

Allein - die Routine reichte nicht zu drei Punkten. Zwar legten die Bayern ganz passabel los, wirkten ambitioniert, auch wenn die Weltmeister-Abwehr erstaunliche Schwächen offenbarte. Trotzdem war es die beiden Innenverteidiger, die die Gäste in der 10. Minute jubeln ließen: Boateng flankte auf Hummels, den den Ball aus elf Metern ins lange Eck köpfte. Der Trubel der letzten Tage und Wochen war mit einem Schlag verflogen.

Innenverteidigung nicht weltmeisterlich

Und kurze Zeit später kam auch noch das Bayern-Dusel zurück. Schiedsrichter Harm Osmers hatte zunächst auf Strafstoß entschieden, als Vladimir Darida im Bayern-Strafraum zu Fall gekommen war, nahm seine Entscheidung aber nach Rücksprache mit dem Video-Assistenten und Kontrolle der Bilder am Spielfeldrand zurück - ein Fehler, wie die TV-Zuschauer sehen konnten, denn Javi Martinez hatte Darida tatsächlich elfmeterreif berührt. Aber egal, die guten alten Zeiten schienen wieder da.

Einzig Robert Lewandowski vergab zunächst noch einige Tormöglichkeiten, ehe er dann in der 49. Minute zuschlug. Nach einem Lupfer seines Kollegen Corentin Tolisso an die Strafraumkante gewann der Pole ein Kopfballduell, nahm reaktionsschnell den heruntertropfenden Ball auf und schob ihn an Torwart Rune Jarstein vorbei zum 2:0 für die Bayern ins kurze Eck. Jetzt kam also auch die Effektivität zurück. Aber Sagnol waren schon hier die Mängel aufgefallen: "Auch in der ersten Halbzeit waren wir zu verspielt, haben zu viele technische Fehler gemacht", sagte er nach der Partie. "Wir hätten souveräner bleiben müssen. Das erste Tor der Berliner ist zu früh gekommen und damit auch der Stress."

Bundesliga 7. Spieltag - Hertha Berlin vs Bayern München - 2:2 Tor - Willy Sagnol (picture alliance/dpa/M. Kappeler)

Ratlosigkeit bei Interimstrainer Willy Sagnol (l.) und Sportdirektor Hasan Salihamidzic

Statt den Sack zuzumachen, statt die Entscheidung herbeizuführen, wurden die Abwehrschwächen immer eklatanter. David Alaba, nach wochenlanger Verletzung erst seit einer Woche wieder im Team, leistete sich einen Stellungsfehler nach dem anderen, Robben, Boateng  und Hummels standen bei Genki Haraguchis Solo in der 51. Minute nur artig Spalier, anstatt einzugreifen. Und so konnte der Japaner ungestört von rechts in die Mitte passen, wo Ondrej Duda nur noch den Fuß hinhalten musste - der Anschlusstreffer für die Hertha.

Schlechtester Saisonstart seit Jahren

Danach waren die Münchener völlig von der Rolle, das 2:2 die logische Konsequenz. Salomon Kalou nutzte den nächsten Aussetzer in der Abwehr in der 56. Minute zum Ausgleich. Und es kam noch schlimmer: Ribery trat nach gut einer Stunde mit langem Bein auf den Ball und streckte dabei das Knie durch. Der Franzose signalisierte sofort eine schwere Verletzung, auf Krücken machte er sich auf die Rückreise nach München. Spätestens jetzt war es ein gebrauchter Tag für Sagnol und seine Bayern. "Ohne Konzentration sind wir nicht mehr die stärkste Mannschaft Deutschlands", signalisiert Sagnol seine Ohnmacht.

Die Bayern warten nun schon seit drei Spielen auf einen Sieg, haben schon fünf Punkte Rückstand auf Tabellenführer Dortmund. So schlecht wie in diese Saison ist der Rekordmeister seit sieben Jahren nicht mehr gestartet. Ein neuer Trainer, egal, wer es denn sei, wird viel zu tun bekommen. Sagnol jedenfalls konnte in Berlin keine Pluspunkte sammeln.

 

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