Auch abgesetzte Bischöfe sind mächtig | Deutschland | DW | 23.10.2013
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Deutschland

Auch abgesetzte Bischöfe sind mächtig

Limburgs Bischof bleibt im Amt. Laut Vatikan nimmt Tebartz-van Elst aber eine Auszeit. Ein Rücktritt ist damit vorerst vom Tisch. Der Rauswurf eines Bischofs ist ohnehin schwierig - kommt aber immer wieder vor.

"Es ist gar nicht so selten, wie man denkt, dass ein Bischof aus seinem Amt entfernt wird", sagt Horst Hermann, Priester, emeritierter Theologe und Soziologe. Manche seien wegen Alkoholismus abgesetzt worden, andere wegen einer Vaterschaftsklage, wieder andere wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten. In den vergangenen zehn Jahren verloren von den weltweit mehr als 5000 Bischöfen mehr als ein Dutzend ihr Bischofsamt.

Horst Herrmann, deutscher Kirchenkritiker, Soziologe und Schriftsteller - Foto: privat

Horst Hermann: "Bischof ist man auf Lebenszeit"

Sogar Papst Franziskus habe in seiner kurzen Amtszeit bereits drei kirchliche Würdenträger aus ihrer Position entfernt: Den peruanischen Bischof Guillermo Abanto Guzman, der bis Juli dieses Jahres auch Militärbischof seines Landes war. Zwei Bischöfe aus Slowenien, Anton Stres aus Ljubljana und Marjan Turnsek aus Maribor. Grundsätzlich, so Hermann im Gespräch mit der Deutschen Welle, sei es nicht einfach, einen Bischof dazu zu bringen, sein Amt aufzugeben, wenn er sich etwas zuschulden kommen lasse. "Die meisten werden gebeten, von sich aus um Rücktritt oder Amtsverzicht zu ersuchen. Das ist die einfachste Geschichte", konstatiert Hermann. Wenn er nicht will, werde die Sache schwierig. Ein Bischof sei nicht einfach der Filialleiter einer römischen Firma. "Er wird als ein Nachfolger der Apostel betrachtet", erklärt der emeritierte Theologieprofessor.

Spektakuläre Fälle

Unter den zahlreichen Bischöfen, die in den vergangene Jahren ihr Amt verlassen mussten, gibt es nach Hermann einige, die herausragen. "Dazu gehört zum Beispiel der Warschauer Bischof Pjotr Jarecki, der wegen einer Volltrunkenheitsfahrt ins Gefängnis kam." Im Oktober 2012 hatte Jarecki sein Amt zur Verfügung gestellt. Für großes Aufsehen habe auch der Fall des Augsburger Bischofs Walter Mixa gesorgt. Ihm wurde Misshandlung von Heimkindern und die Veruntreuung kirchlicher Gelder vorgeworfen. Ein rein kirchliches Vergehen hatte William Martin Morris begangen, früher Bischof im australischen Toowoomba. Er hatte sich öffentlich für die Ordination von Frauen zu Priesterinnen ausgesprochen. Im Mai 2011 gab der Vatikan bekannt, dass Morris von seinem Dienst entbunden sei.

Bischof ist man auf Lebenszeit

Der Piusbruder-Bischof Richard Williamson - Foto: David Dyson (dpa)

Holocaust-Leugner Williamson: Vom bereits suspendierten Bischof Levebvre zum Bischof geweiht

Wenn ein Bischof zurücktritt, bedeutet das nicht, dass er gleichzeitig all seine Privilegien verliert. "Das ist auch eine Spezialität des Kirchenrechts und der katholischen Dogmatik, er bleibt Bischof auf Lebenszeit", erklärt Horst Hermann. Ein Bischof sei geweiht, und dieses Sakrament sei wie die Priesterweihe unumkehrbar. Das führe auch dazu, dass zum Beispiel die ihres Amtes enthobenen Bischöfe der ultrakonservativen Pius-Bruderschaft weiterhin Weihen spenden und ihre Bischofskleidung, das Ornat, tragen könnten. Im Extremfall könnten sie sogar dafür sorgen, dass Geistliche, die ihrer Auffassung entsprechen, das hohe Kirchenamt erhalten, sagt Horst Hermann. "Wenn die Pius-Bruderschafts-Bischöfe eines Tages sagen, wir sterben aus, wenn wir keine neuen Bischöfe haben, dann können die ohne Schwierigkeiten weitere Bischöfe durch Handauflegung weihen." Ähnliches sei sogar schon vorgekommen. So habe der Pius-Bruderschaftsgründer Bischof Marcel Lefebvre unter anderem den Holocaust-Leugner Richard Williamson 1988 gegen den ausdrücklichen Willen des Papstes zum Bischof geweiht. 1976 war Lefebvre von Papst Paul VI. suspendiert worden. Auch ihre bischöflichen Bezüge erhalten die abgesetzten Geistlichen ihr Leben lang. Nach ihrer Enthebung ist das die bischöfliche Pension, die in Deutschland sogar vom Staat bezahlt wird.

Ein Bischof ohne Vertrauen, muss zurücktreten

Ingo Brüggenjürgen, Domradio Köln - Foto: Domradio

Ingo Brüggenjürgen: "Der Papst kann alles in der Kirche durchsetzen"

In Limburg, dem Bistum von Franz-Peter Tebartz-van Elst, soll jetzt Generalvikar Wolfang Rösch vorübergehend die Leitung der Amtsgeschäfte übernehmen. Der wegen seiner Bauprojekte und einer möglichen Falschaussage umstrittene Bischof Tebartz-van Elst werde "eine Zeit außerhalb der Diözese" verbringen, teilte der Vatikan in Rom mit - und zwar bis zum Abschluss der Überprüfung der Vorwürfe gegen ihn. Solange bleibt er im Amt. Wie es danach weitergeht, ist offen.

Der Theologe Horst Hermann zweifelt daran, dass das Kirchenrecht erlaubt, den Limburger Bischof Tebartz-van Elst seines Amtes zu entheben. Für Ingo Brüggenjungen, Chefredakteur vom Kölner Domradio gibt es dagegen keinen Zweifel, dass der Papst diese Entscheidung treffen kann. "Der Papst ist oberster Chef des kirchlichen Ladens. Und er kann letztlich alles in der Kirche, was er will." Für Brüggenjungen ist klar: "Das Wesentliche, was ein Bischof braucht, ist Vertrauen. Wenn ein Bischof das nicht mehr hat, muss er zurücktreten."

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