Atempause für die Bewohner Aleppos | Aktuell Nahost | DW | 06.10.2016
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Syrien

Atempause für die Bewohner Aleppos

Die syrische und die russische Luftwaffe haben ihre Angriffe auf Ost-Aleppo offenbar eingestellt. Die syrische Armee fordert Rebellen und Bewohner auf, die Stadt zu verlassen.

Die syrische Armee reduziert nach eigenen Angaben die Zahl ihrer Luftangriffe auf die umkämpfte Stadt Aleppo. Die Angriffe aus der Luft und durch die Artillerie würden abgeschwächt, teilte das Militär mit. Die Regierungstruppen waren zuvor in ein Rebellenviertel im Norden der Stadt vorgedrungen. Die genauen Hintergründe der überraschenden Ankündigung blieben unklar. Die Armeeführung in Damaskus verwies auf die "Erfolge unserer Streitkräfte in Aleppo". Alle Versorgungsrouten in die Rebellenviertel im Osten der Stadt seien gekappt worden.

Ruhigste Nacht seit Scheitern der Waffenruhe

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte mit, in den Morgenstunden sei in der Stadt Ruhe eingekehrt. Aleppo habe die ruhigste Nacht seit dem Scheitern der Waffenruhe im vergangenen Monat erlebt.

Die syrische Armee rief Rebellen und Bewohner von Ost-Aleppo zum Verlassen der Metropole auf. Alle, die bleiben, würden sich ihrem "unausweichlichen Schicksal" ergeben, hieß es in einer Mitteilung. Die Versorgungswege der Rebellen im Norden der Stadt seien abgeschnitten worden. Zudem habe das Militär Kenntnis über sämtliche Rebellenstellungen und Waffenlager in der Stadt. Nach Angaben der UN hält jedoch die militärische Präsenz der Regierung an den Ein- und Ausgängen Ost-Aleppos die Menschen vom Verlassen der Stadt ab.

Kerry und Lawrow telefonieren

Nach Angaben der Beobachtungsstelle wurden seit Beginn der Offensive der Regierungstruppen vor zwei Wochen 270 Menschen in den Rebellenvierteln getötet. Die USA hatten am Montag ihre Gespräche mit Russland über eine Feuerpause in Syrien für beendet erklärt. Das US-Außenministerium warf den russischen Verbänden und syrischen Regierungstruppen vor, zuletzt verstärkt auch zivile Ziele angegriffen zu haben, darunter auch das größte Krankenhaus in Aleppo.

Trotz des Abbruchs der Syrien-Gespräche rief US-Außenminister John Kerry seinen russischen Kollegen Sergej Lawrow an. Das Telefonat bedeute jedoch kein schnelles Einlenken der US-Regierung, die bilateralen Gespräche über den Konflikt in Syrien blieben weiterhin ausgesetzt, betonte Kerrys Sprecher Mark Toner in Washington. Seinen Angaben zufolge führte Kerry auch Gespräche mit seinen Kollegen in Großbritannien, Frankreich, Deutschland, der Türkei und in Katar sowie mit Vertretern der EU.

29 Tote bei Bombenanschlag im Norden

Bei einem Bombenanschlag in Syrien an der türkischen Grenze sind einer oppositionsnahen Gruppe zufolge derweil mindestens 29 Rebellen getötet worden. Bei den Opfern handele es sich um Aufständische, die von der Türkei im Kampf gegen die Islamisten-Miliz IS unterstützt würden, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Dutzende Rebellen-Kämpfer seien zudem verletzt worden. Der Anschlag habe sich im Norden des Bürgerkriegslands in der Nähe des Grenzübergangs Atmeh ereignet. Zu dem Anschlag bekannte sich der IS.

cr/gri (dpa, afp, rtr)