Association pour le Développement l′Enseignement de l′Allemand en France (ADEAF) | Porträts der IDV-Lehrerverbände | DW | 12.07.2019
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Porträts Lehrerverbände

Association pour le Développement l'Enseignement de l'Allemand en France (ADEAF)

In Frankreich lernen sehr viele Schülerinnen und Schüler Deutsch. Trotzdem stehen Deutschlehrende immer wieder vor Problemen. Der ADEAF kämpft dafür, dass der Deutschunterricht in Frankreich seine Bedeutung behält.

Katrin Goldmann ist die Vize-Präsidentin des französischen Deutschlehrerverbands. Sie ist seit 14 Jahren im Verband aktiv, seit 24 Jahren Deutschlehrerin und seit 34 Jahren lebt die gebürtige Deutsche in Frankreich.

Deutsche Welle: Frau Goldmann, Sie sind jetzt schon seit vielen Jahren Deutschlehrerin und besonders am Herzen liegen Ihnen die Austauschprogramme, wieso?

Katrin Goldmann: Das ist zum einen die Liebe zu Deutschland oder zur deutschen Sprache, aber auch ganz stark der europäische Gedanke und die Überzeugung, dass es wichtig für unsere Jugend ist, die deutsch-französischen Beziehungen zu fördern und somit Vorurteile abzubauen. 

Audio anhören 00:30

Hören Sie rein: Katrin Goldmann erzählt von ihrem schönsten Deutschlehrermoment

Viele unserer Schüler würden niemals einen Fuß nach Deutschland setzen, wenn wir sie nicht dorthin bringen würden. Die meisten wollen lieber nach Spanien oder nach Italien, also dahin, wo die Sonne scheint und wo es schöne Strände gibt. Zudem gibt es noch viele Vorurteile gegenüber Deutschland unter den Schülern. 

Was für Vorurteile sind das?

Zum einen meinen viele, dass in Deutschland immer schlechtes Wetter ist und das Essen nicht schmeckt. Und zum anderen gibt es nach wie vor das Vorurteil vom disziplinierten und unflexiblen Deutschen. Das ist dann für viele meiner Schüler eine Überraschung, wenn sie im Austausch sehen, dass es im Vergleich in Frankreich sogar viel strenger zugeht. 

Deswegen bereiten mir die Austauschprogramme so viel Freude. Aber auch, weil mir nach einem Ausflug nach Deutschland immer einige Schüler erzählen, dass sie mit ihren Eltern noch einmal hingefahren sind. Das ist dann richtig schön. In den meisten Fällen haben die Reisen also wirklich tolle Auswirkungen. 

Arbeitssitzung Vorstand mit den regionalen Vorständen, französischer Deutschlehrerverband (privat)

Eindrücke einer Arbeitssitzung mit den regionalen Vorständen

Das ist die schöne Seite des Deutschlehrerdaseins in Frankreich. Derzeit beschäftigen Sie im Verband aber auch wieder neue Bildungsreformen, die nicht so erfreulich sind, richtig? 

Ja, die Situation ist leider nach der letzten Reform erneut sehr beunruhigend. Konkret geht es darum, dass ein neues Kurswahlsystem eingeführt werden soll, durch das es für Schulen schwieriger wird, Deutsch anzubieten. In manchen Schulen wird die Zahl der Deutschstunden schlicht gekürzt. Wir haben deswegen gerade eine Umfrage gestartet, um zu sehen, wie sich das an den Schulen auswirken wird. 

Eine ähnliche Situation hatten Sie als Verband schon vor vier Jahren, heute kämpfen Sie wieder und setzen sich politisch für die deutsche Sprache und den Deutschunterricht ein. Würden Sie sagen, dass das ein anhaltender Negativtrend ist?

Ja, das ist schon länger so. Wenn ich das mit anderen Ländern vergleiche, die wir beispielsweise im IDV treffen, weiß ich natürlich, dass es uns im Vergleich gut geht. Wir sind ein relativ großer Verband, und Deutsch ist in Frankreich noch gut verbreitet. 

In unserer Umfrage haben wir die Lehrer aber auch darum gebeten, ihre Situation mit einem Adjektiv zu beschreiben. Bei vielen lautet die Antwort: frustrierend, isoliert oder total am Ende. 

Aufgrund der letzten Bildungsreform gibt es Deutsch als erste Fremdsprache kaum noch. Und da ab der siebten oder neunten Klasse nur noch zweieinhalb Stunden Deutsch vorgesehen sind, gibt es an den wenigsten Schulen noch volle Stellen. Viele Kollegen arbeiten also an zwei, manche müssen sogar an drei Schulen sein. Das ist natürlich ganz schön anstrengend und kompliziert. Sich für Projekte oder Reisen zu engagieren, wird natürlich auch extrem schwierig. 

Protestierende Menschen mit Deutschlandfahne

Der französische Deutschlehrerverband bei einem Protest gegen die letzte Bildungsreform

Das Paradoxe an der Situation ist, dass man in Frankreich eigentlich mehr Germanisten braucht. In meiner Region beispielsweise hat die Handelskammer bereits selbst die Initiative ergriffen und an Grundschulen Werbung gemacht, damit mehr Schüler Deutsch wählen. Man hat festgestellt, dass die Wirtschaft mehr Germanisten braucht, als es gibt. 

Das ist wirklich sehr paradox! Was machen Sie als Verband, um die Lehrer zu unterstützen, die sich so alleine fühlen? 

Erstmal einmal informieren wir natürlich. Wir treffen Personen vom Bildungsministerium, machen sehr viel Werbung und zahlreiche Aktionen. Das heißt, wir entwerfen Plakate, um für die deutsche Sprache zu werben.

Dann haben wir natürlich unser Jahrestreffen, das mit einem Kongress verbunden ist, der jedes Jahr einem anderen Thema gewidmet ist. Auf regionaler Ebene gibt es pro Jahr ebenfalls ein Treffen im Verband. 

Zusätzlich bieten wir eine große Verteilerliste an, über die sich die Kollegen austauschen können. Dazu dient auch ein Teil unserer Webseite, der nur für Mitglieder einsehbar ist. Dort kann man beispielsweise pädagogisches Material herunterladen und teilen. 


Die wichtigsten Infos in Kürze:
Der französische Deutschlehrerverband (Association pour le Développement l'Enseignement de l'Allemand en France, ADEAF) wurde 1974 gegründet und hat rund 1800 Mitglieder. Zu den wichtigsten Aktivitäten gehören regelmäßige Lehrertreffen, Filmvorführungen, Bücherlesungen, Stammtische sowie die Veröffentlichung der Vereinszeitschrift.

Vorstandsgremium:
• Thérèse Clerc (Präsidentin)
• Katrin Goldmann (Vize-Präsidentin)
• Marion Gaudy (Sekretärin)
• Christelle Olichon (Sekretärin)
• Frédéric Auria
• Christiane Bey
• Gaël Franck
• Barbara Hombach-Bouchet

IDV-Kontaktperson:
Katrin Goldmann; katrin.goldmann [at] ac-versailles.fr 

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