Associação Portuguesa de Professores de Alemão (APPA) | Porträts der IDV-Lehrerverbände | DW | 06.02.2019
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Porträts Lehrerverbände

Associação Portuguesa de Professores de Alemão (APPA)

Viel Nachfrage, wenig Angebot: Obwohl viele Portugiesen Deutsch lernen wollen, gibt es immer weniger Deutschunterricht an Schulen. Das will der portugiesische Deutschlehrerverband ändern – und arbeitet hart dafür.

Simone Tomé ist ziemlich fleißig: Obwohl in Portugal gerade Ferien sind, schreibt sie an ihrer Dissertation über Didaktik im Sprachunterricht weiter. Tomé bildet an der Universität von Porto Deutschlehrer aus. Die Schweizerin lebt schon seit 22 Jahren in Portugal und ist Vizepräsidentin des portugiesischen Deutschlehrerverbands.

Deutsche Welle: Frau Tomé, was verschlägt eine Schweizerin in den Norden Portugals?

Simone Tomé: 1992 habe ich ein Erasmusjahr an der Uni Porto gemacht, weil ich wusste, dass es dort einen portugiesischen Professor gibt, der sich auf schweizerische Literatur spezialisiert hat. Das fand ich sehr spannend. Dann habe ich während des Jahres meinen Mann kennengelernt, und er ist Portugiese. Jetzt lebe ich hier.

Sie sind eine Schweizerin, die nach Portugal ausgewandert ist. Aufgrund der Finanz- und Eurokrise findet schon lange auch genau das Gegenteil statt: Viele Portugiesen wandern ins deutschsprachige Ausland aus. Haben Sie das gestiegene Interesse auch in Ihrem Deutschunterricht an der Uni gemerkt?

Der Vorstand des Portugiesischen Lehrerverbands

Der APPA-Vorstand bei einem Ausflug in der Stadt Guimaraes

Ja, das kann man auf jeden Fall sagen. Die freien Kurse an den Universitäten sind rappelvoll, genauso sieht es beim Goethe-Institut aus. Viele Jungakademiker bewerben sich nach dem Studium um eine Stelle in Deutschland oder in der Schweiz. Wir können ebenso feststellen, dass immer mehr Schüler private Sprachschulen und Institute besuchen, um Deutsch zu lernen. Die Nachfrage ist absolut da.

Das klingt ja fast so, als seien die Bedingungen für Deutsch und für Deutschlehrerinnen aktuell paradiesisch in Portugal. Kann man das so sagen?

Leider nein. Die Bildungspolitik und viele Schulreformen haben dazu beitragen, dass kaum mehr Deutsch an portugiesischen öffentlichen Schulen unterrichtet wird. Das liegt daran, dass der ersten Fremdsprache, also Englisch, ein sehr, sehr großes Gewicht verliehen wird.

Außerdem kann man in der Sekundarstufe nur Deutsch lernen, wenn man sich für die sozial- und geisteswissenschaftliche Richtung entschieden hat. Hinzu kommt, dass eine Klasse erst dann stattfindet, wenn sich mindestens 20 Schüler gefunden haben. Wollen jetzt nur 19 Schüler Deutsch lernen, dann kommt die Klasse nicht zustande.

Was machen Sie im Verband gegen diese Entwicklungen?

Audio anhören 00:30

Hören Sie rein: Simone Tomé erzählt, warum sie Deutschlehrerin geworden ist

Wir versuchen, das portugiesische Erziehungsministerium zu sensibilisieren. Und zwar dafür, dass Deutschkenntnisse sehr wichtig sind und viele Türen öffnen können – gerade was die junge Generation betrifft. Vor Kurzem hat der Verband beispielsweise dem portugiesischen Erziehungsminister einen Brief geschickt, um über die aktuelle Lage des Deutschlernens an portugiesischen Schulen zu berichten.

Neben dieser politischen Arbeit, welchen wichtigen Aktivitäten gehen Sie sonst noch nach im Verband?

Wir legen großen Wert auf die Zusammenarbeit und den Informationsaustausch mit den Mitgliedern. Wir haben eine Zeitschrift, die wir an alle Mitglieder schicken. Dort gibt es dann Informationen über Tagungen und Workshops oder Anregungen für den Unterricht und Materialien. Jedes Jahr im Wechsel organisieren wir Workshops, entweder in Porto oder in Lissabon.

Außerdem betreuen wir ein wichtiges Pilotschulprojekt, bei dem das Interesse am Lehren und Lernen der deutschen Sprache gefördert werden soll. Es werden Best-Practice-Beispiele aus dem Deutschunterricht vorgestellt und interessante Veranstaltungen durchgeführt. Dieses Projekt ist für uns ein Zeichen der Hoffnung zwischen all den negativen Nachrichten.

Zuletzt will ich noch von Ihnen wissen: Gibt es ein deutsches Wort, an dem sich die Portugiesen immer wieder die Zähne ausbeißen?

Ja, die Kombination „ein bisschen“ ist für viele sehr schwer auszusprechen. Viele Portugiesen sagen dann „ein bischen“. Das ist eigentlich immer ein Thema im Unterricht und muss viel geübt werden.


Die wichigsten Infos in Kürze:
Den portugiesischen Deutschlehrerverband (Associação Portuguesa de Professores de Alemão, APPA) gibt es bereits seit 1980. Der Verband hat rund 120 Mitglieder – oder auch „PowerlehrerInnen“, wie sie sich nennen. Die APPA sieht sich als große Familie, die auch in schlechten Zeiten zusammenhält.

Der Vorstandsgremium:
• Carolina Machado (Präsidentin)
• Simone Tomé (Vizepräsidentin)
• Margarida Alice Coutinho (Sekretärin)
• Maria Inês Menezes (Schatzmeisterin)
• Ana Maria Sousa
• Clarisse Costa Afonso
• Maria Jorge Urbano
• Maria de Lurdes Seidenstricker
• Paulo Sérigo Costa

IDV-Kontakt:
Carolina Machado, appapt[at]gmail.com

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