Asociación Boliviana de Profesores de Alemán (ABOLPA) | Porträts der IDV-Lehrerverbände | DW | 12.06.2019
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Porträts Lehrerverbände

Asociación Boliviana de Profesores de Alemán (ABOLPA)

Bolivien ist zwar ein großes Land, es gibt aber nur wenige Schulen, die Deutsch unterrichten. Trotzdem gibt es für den Deutschlehrerverband eine Menge zu tun. Unter anderem soll die Ausbildung professionalisiert werden.

Claudia Ullrich ist die Präsidentin des bolivianischen Deutschlehrerverbands. Seit 2012 ist sie im Verband aktiv. Das erste Mal kam die Deutsche im Jahr 2000 nach Bolivien. Seitdem hat sie das Land nicht mehr losgelassen. Claudia Ullrich war zunächst ein Jahr lang am Goethe-Institut als Deutschlehrerin tätig und hat dann an der katholischen Universität in La Paz das DAAD-Lektorat übernommen.

Deutsch Welle: Frau Ullrich, Sie leben jetzt schon seit vielen Jahren in Bolivien, vermissen Sie Deutschland ab und zu mal? 

Claudia Ullrich: Was ich ganz klar vermisse, sind Personen, die in Deutschland sind, Familie und Freunde. Aber generell kann ich nicht sagen, dass ich Deutschland vermisse. Manchmal würde ich eventuell gerne den Gegebenheiten hier entfliehen. Damit meine ich zum Beispiel das Verkehrschaos und manche bürokratische Begebenheiten. Andererseits ist auch hier wieder so viel Schönes. 

Der Vorstand des Deutschlehrerverbands Boliviens (Abolpa )

Der Vorstand des bolivianischen Deutschlehrerverbands

In Bolivien wird nur in fünf Städten Deutsch unterrichtet. Das klingt erst mal nach sehr wenig, ist die Situation für Deutsch in Bolivien so schlecht? 

Ja und nein. Man muss sich bewusst machen, dass in Bolivien gar nicht viel mehr Städte existieren. Zumindest keine größeren mit ausreichend Einwohnern. Wir haben hier in La Paz mehrere Schulen, die Deutsch unterrichten. Die meisten anderen Städte in Bolivien sind sehr klein, und da gibt es schlicht nicht ausreichend Interessenten für Deutsch. 

Für Sie als Deutschlehrerverband hat das ja den Vorteil, dass die Lage überschaubar ist. Was ist angesichts dessen Ihr Hauptziel im Verband, wo stecken Sie die meiste Energie rein?

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Hören Sie rein: Claudia Ullrich erzählt, warum sie so gerne Deutsch unterrichtet

Unser Verband ist vergleichsweise klein. Nicht nur bezüglich der Mitgliederzahl, sondern auch was die Aktivitäten angeht. Da gab es bisher nicht allzu viel, was auch daran lag, dass es über die PASCH-Initiative und das Goethe-Netzwerk schon ein recht hohes Angebot an Fortbildungen gab. Dadurch haben wir uns als Verband auch die Frage gestellt, was genau unsere Aufgabe sein soll. Wir haben mehrere Ziele ins Auge gefasst: Was wir zum Beispiel anstreben, ist eine stärkere Berufsverbandsvertretung gegenüber den Bildungsbehörden im Land. Dies ist gerade angesichts von Bildungsreformen, die die Deutschlehrer betreffen, sehr wichtig. 

Haben Sie da ein konkretes Beispiel?

Bolivien hat seit ein paar Jahren eine Bildungsreform, die vorsieht, dass Schülerinnen und Schüler mindestens eine indigene Sprache lernen müssen. Die Schüler bei uns in La Paz müssen beispielsweise Aymara lernen. Dazu müssen sie eine nicht-indigene Fremdsprache lernen – und das ist dann eigentlich immer Englisch. Das ist zwar nicht so vorgegeben, aber natürlich wollen vor allem auch die Eltern, dass die Schüler erst einmal Englisch lernen. Deswegen bieten eigentlich alle Schulen, die Deutsch unterrichten, auch Englisch an.

Jetzt gibt es aber ein Problem: In den Schulzeugnissen, die vom Staat vorgegeben werden, gibt es nur eine Rubrik für „Moderne Fremdsprachen“ und die Schulen können dort nur eine Note eintragen. Wenn man also zwei moderne Fremdsprachen lernt, muss die Note entweder gemittelt werden oder man nimmt nur eine Sprache ins Zeugnis auf. Das ist natürlich nicht unbedingt förderlich für die Motivation von Deutschlernern. Eine unserer Aufgaben war es deshalb, mit den verschiedenen Bildungsbehörden in Kontakt zu treten und unseren Berufsverband zu repräsentieren und klarzumachen, was für ein Gewicht Deutsch oder jede andere Fremdsprache haben sollte. Wir setzen uns also ganz generell dafür ein, dass Fremdsprachen im nationalen Bildungskontext stärker wahrgenommen werden. 

Das ist sicher keine einfache Aufgabe. Haben Sie noch andere Projekte, an denen Sie als Verband derzeit arbeiten? 

Fortbildungsseminar des Deutschlehrerverbands Boliviens Abolpa (Abolpa )

Ein Fortbildungsseminar des Deutschlehrerverbands Boliviens

Ja, und das ist auch etwas, was im Zusammenhang steht mit dem, was ich eben geschildert habe. Viele Lehrer, die hier an Schulen als Deutschlehrer arbeiten, sind gar nicht als Deutschlehrer ausgebildet. Das liegt daran, dass es in Bolivien nur eine Universität gibt, die einen Sprachstudiengang anbietet, in dem man Deutsch wählen kann. Allerdings ist dieser Studiengang keine Lehrerausbildung. Das heißt, die Schulen müssen jemanden anstellen, der gute Deutschkenntnisse hat, eventuell sogar Muttersprachler ist, aber keine pädagogische Ausbildung hat.

Dass sich viele dieser Leute über die verschiedenen Angebote, die wir dank verschiedener Institutionen haben, dann noch fortbilden und trotzdem gute Lehrer sind, steht außer Frage. Aber rein formal gesehen haben sie keinen Nachweis darüber, dass sie gute Deutschlehrer sind. Und genau da möchte ABOLPA ansetzen und versuchen, zusammen mit der katholischen Universität einen Zusatzausbildungsstudiengang anzubieten. Das würde dann auch unsere Position gegenüber den Bildungsbehörden deutlich stärken.

Das klingt nach einer ganz tollen Idee, aber auch nach einer Menge Arbeit. 

In der Tat, da ist viel zu tun. Aber ich bin doch recht positiv. Ich habe die Idee bereits an meine Universität herangetragen und hatte vorgeschlagen, dass man zunächst Postgraduiertenstudiengänge mit einer Dauer von maximal einem Jahr anbietet. Das war meine Idee: Erst einmal eine kleine Sache. Doch meine Universität war direkt begeistert, da sie gerade auch ein Sprachenzentrum aufbaut. Da kamen jetzt die Interessen von zwei Seiten zusammen. 


Die wichtigsten Infos in Kürze:
Der bolivianische Deutschlehrerverband besteht seit 1999 und hat rund 40 Mitglieder.

Vorstandsgremium:
• Claudia Ullrich (Vorsitzende)
• Susanne Olschewski (stellvertretende Vorsitzende)
• Ines Langosch (Schatzmeisterin) 
• Juan Pablo Arnes Valdes (Schriftführer) 
• Gaby Ruschzyk 
• Carlos Fernandes

IDV-Kontaktperson:
Claudia Ullrich; abolpabolivien [at] gmail.com

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