Asienboom unbeeinflusst von der Eurokrise | Politik & Gesellschaft | DW | 13.11.2011
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Politik & Gesellschaft

Asienboom unbeeinflusst von der Eurokrise

Europa diskutiert – China handelt

David Robson (Foto: DW)

David Robson, Präsident von Tethys Petroleum Limited

Auch wenn China wegen seiner Währungspolitik gescholten wird – als Geschäftspartner ist es dennoch sehr gefragt. Die Firma Tethys Petroleum liefert derzeit aus Kasachstan, Usbekistan und Tadschikistan Gas über Leitungen der russischen Firma Gazprom nach Europa. Da dies die einzige Exportroute ist, könne Gazprom den Preis bestimmen. Das könnte sich bald ändern, erläutert Firmenpräsident David Robson im Gespräch mit DW-WORLD.DE. "In 2013 wird es eine neue Pipeline geben, die unsere Bohrfelder mit China verbindet." Dann habe man die Wahl, "und dann kommt es auf den besten Preis an", den man mit dem Gas erzielen könne. Vermutlich, so Robson, werde man sich zwischen dem einen oder anderen Markt entscheiden.

Die Europäer können nur konkurrenzfähig bleiben, würden sie die lange geplante Nabucco-Pipeline bauen, die auf einer südlicheren Route über die Türkei nach Westen führt. Aber danach sehe es derzeit nicht aus: "Wir sprechen über Nabucco, seit ich zur Schule gegangen bin", erläutert Robson nur halb im Scherz, "ich weiß nicht, wann das umgesetzt werden wird." Gleichzeitig gibt es auch Interesse an dem zentralasiatischen Gas von Seiten Indiens und Pakistans, hier soll 2016 eine Pipeline fertig gebaut sein.

Die Konkurrenz für Europa ist also beträchtlich, auch wenn sich China für einen möglichen Gasimport, so erklärt Robson, in Bezug auf den Abbau von Handelsschranken noch bewegen müsse. Die Europäer wiederum müssten sich aber ebenfalls anstrengen, wenn sie weiter das Gas aus Zentralasien beziehen wollten. Bisher habe der politische Wille gefehlt, die Nabucco-Pipeline Wirklichkeit werden zu lassen. Denn anders als China, das seine Ziele zügig umsetze, gebe es in Europa "viele Diskussionen, aber dann passiert doch nichts".

Russland rückt WTO-Aufnahme näher

Russlands Präsident Medwedew und Chinas Präsident Hu Jintao (Foto: AP)

Russland rückt näher an China heran

Auch die Russen sind sehr an wirtschaftlichen Beziehungen mit China interessiert. Erst vor Kurzem wurde ein russisch-chinesischer Investmentfond im Umfang von vier Milliarden Dollar gegründet. Kirill Dmitriev, Geschäftsführer des beteiligten russischen Direkt-Investmentfonds, sieht aber auch Synergien mit Asien und Europa. "Russland", sagte er, "kann bei der Überwindung der derzeitigen Krise in Europa helfen".

Die Russen haben Grund zum Freuen, sind sie doch der Aufnahme in die Welthandelsorganisation ein großes Stück näher gerückt. Es sehe so aus, als ob alle offenen Fragen geklärt werden konnten, so Dmitriev. Der nächste APEC-Gipfel findet 2012 in Wladiwostok statt, und dann könnte die Aufnahme Russlands in die WTO unterzeichnet werden. Russland werde dadurch den internationalen Standards wesentlich näher kommen, erklärte der russische Präsident Dmitri Medwedew in Honolulu.

Transpazifische Partnerschaft beschlossen

Präsident Obama am Tisch mit einer chinesischen Delegation (Foto: AP)

Und auch die USA ändern ihre Prioritäten

Bereits abgemacht wurde in Honolulu die Gründung einer transpazifischen Partnerschaft (TPP), die eine Freihandelszone zwischen den USA, Australien, Brunei, Chile, Malaysia, Neuseeland, Peru, Singapur und Vietnam vorsieht. "Viele Details sind noch auszuarbeiten, aber wir sind zuversichtlich, dass wir es hinkriegen", sagte US-Präsident Barack Obama auf Hawaii. Hürden für Handel und Investitionen sollen so verringert, die Exporte angekurbelt und dadurch auch mehr Arbeitsplätze in den USA geschaffen werden. Auch Japan hat angekündigt, die Aufnahme in die TPP anzustreben.

Hier in Hawaii ist also nicht nur offensichtlich, dass der asiatische Markt boomt, er ist auch klar, dass sich die außenpolitischen Prioritäten der USA verschieben. Außenministerin Hillary Clinton hatte bereits am Freitag in einer Rede erklärt: Die Kriege in Irak und Afghanistan nähern sich dem Ende, die Ära des Handels beginnt. Und Asien steht dabei im Zentrum.

Autorin: Christina Bergmann, z.Zt. Honolulu, Hawaii

Redaktion: Michael Borgers

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