Arsène Wengers letzter Titeltraum geplatzt | Sport | DW | 03.05.2018
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Europa League

Arsène Wengers letzter Titeltraum geplatzt

Er geht ohne einen internationalen Trophäe: Am Ende seiner langen Karriere als FC-Arsenal-Coach scheidet Arsène Wenger mit seinem Team im Halbfinale der Europa League gegen Atlético Madrid aus.

Er stand auf, ging mit regungslosen Blick zum Trainerkollegen, schüttelten ihm die Hand und verließ, wie immer korrekt gekleidet - mit weißem Hemd, roter Krawatte, grauer Weste und dunkelblauem Anzug - das Innere des Stadions. Jetzt, wo die Anspannung und der Druck nachgelassen und sich die Enttäuschung breit gemacht hatte, sah der 68-jährige Arsène Wenger müde und ausgelaugt aus. 22 Jahre lang trug er die spielerische Verantwortung bei Arsenal. Nun ist zum Saisonende Schluss. Sein 250. Europapokalspiel mit den Gunners sollte doch eigentlich den Weg zu seinem ersten internationalen Titel ebnen. Aber es sollte nicht sollen sein. Der FC Arsenal verlor nach dem 1:1 im Hinspiel auswärts bei Atlético Madrid mit 0:1 (0:1) und schied somit im Halbfinale der Europa League aus.

Und das verdient. Arsenal, für das die beiden deutschen Nationalspieler Mesut Özil und Shkodran Mustafi aufliefen, blieb in der ersten Halbzeit ohne klare Torchance. Womöglich war das Team geschockt von der frühen verletzungsbedingten Auswechslung ihres Spielführers. In der 8. Minute war Laurent Koscielny ohne Fremdeinwirkung im Rasen hängegeblieben und musste unter großen Schmerzen vom Platz getragen werden. Für den französischen Nationalspieler, der nun mit einem diagnostizierten Achillessehenriss bis zu sechs Monate pausieren muss und damit auch bei der WM fehlen wird, kam Calum Chambers ins Spiel.

 UEFA Europa League 2017/18 Halbfinale | Atletico Madrid vs. FC Arsenal | Arsene Wenger (picture-alliance/dpa/empics/PA Wire/A. Davy)

Achillessehenriss: Wenger (r.) spricht seinem verletzten Kapitän Koscielny Mut zu

Große Worte - kleine Taten

"Das ist unsere Möglichkeit, ihm noch etwas zu schenken. Deshalb wollen wir ihm diesen Pokal geben, bevor er endgültig geht", hatte Granit Xhaka noch vor dem Halbfinale erklärt. Und der deutsche Profi Per Mertesacker, der nach dieser Saison als Jugendkoordinator bei Arsenal weiterarbeiten wird, hatte gesagt: "Der Trainer hat uns klar gemacht, dass sein großes Ziel der Gewinn der Europa League ist. Es liegt nun an uns, ihm einen würdigen Abschied zu ermöglichen." Den Worten folgten jedoch keine Taten. Ungenaue Bälle und nach vorne harm- und mutlos. Gegen die defensiv starken und aggressiv spielenden Madrilenen war für die Schönspiel-Truppe von Wenger so nichts zu holen.

17 Titel hat Wenger mit Arsenal in seinen 22 Jahren - zum Vergleich: der HSV hatte in demselben Zeitraum 25 Trainer - bei den Londonern geholt. Bis auf einige FA-Cups haben die Gunners jedoch in den letzten Jahren nichts mehr gewonnen. Die letzte Meisterschaft liegt bereits 14 Jahre zurück. Derzeit ist Arsenal Sechster der Premier League, nur über den Titelgewinn hätte sich das Team für die nächste Saison noch für die Champions League qualifizieren können. Während der erfolgreichen Jahre hieß es unter den Fans immer respektvoll "Arsène knows". Das ist diese Tage nicht mehr zu hören.

Siegtor durch Diego Costa

Stattdessen: Kopfschütteln, betretenes zu Boden schauen, Resignation - wie auch kurz vor dem Pausenpfiff, als Atleticos Torwart Jan Oblak einen langen Ball nach vorne spielte, Antoine Griezmann diesen dann genau in den Lauf von Diego Costa passte und der wiederum seinem Gegenspieler einfach davon lief und die Führung erzielte (45.+3). Während sich die Gastgeber, deren Trainer Diego Simeone wegen einer Innenraumsperre das Geschehen von der Tribüne verfolgen und seinem Co-Trainer German Burgos die Seitenlinie überlassen musste, auf schnelle Konter konzentrierte, liefen sich die Arsenal-Profis immer wieder im Abwehrbollwerk der Spanier fest.

Zum Saisonende ist für Coach Wenger nun Schluss. Eigentlich hätte er vertraglich noch ein Jahr gehabt, der vorzeitige Abschied sei "nicht wirklich seine Entscheidung" gewesen, so der Franzose, der muttersprachlich Deutsch in der Variante der elsässischen Mundart spricht. Wer Nachfolger vom legendären Wenger wird, ist noch nicht klar. Klar ist nur eins. Ganz aufhören will Wenger nicht. Er plant nach dem Abschied von Arsenal weiter im Fußball aktiv zu sein.

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