Armenier stecken ihre Häuser in Brand | Aktuell Asien | DW | 14.11.2020
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Südkaukasus

Armenier stecken ihre Häuser in Brand

Nach dem Waffenstillstand zwischen Armenien und Aserbaidschan steht die Rückgabe umkämpfter Gebiete in Berg-Karabach an Aserbaidschan bevor. Armenier zünden Häuser an, damit sie nicht dem "Feind" in die Hände fallen.

"Wir wollen nicht, dass Aserbaidschaner in unseren Häusern leben", sagte eine Bewohnerin des Dorfes Charektar. "Alle werden heute ihr Haus abbrennen. Uns wurde eine Frist bis Mitternacht gesetzt, um zu gehen." "Heute ist der letzte Tag, morgen werden die aserbaidschanischen Soldaten da sein", sagte ein armenischer Soldat.

Auch in  anderen Dörfern packten Bewohner ihre Koffer für die Flucht. Gläubige besuchten ein letztes Mal den Klosterkomplex von Dadiwank in einem Gebirgstal in Kalbadschar, eine der wichtigsten Stätten der Armenisch-Apostolischen Kirche. "Es ist sehr hart, sehr schmerzhaft. Wir sind gekommen, um Abschied zu nehmen", sagte ein 40-jähriger Besucher mit Tränen in den Augen.

"Ich kann nicht glauben, dass dies das letzte Mal ist, dass ich hier sein werde", sagte der 28-jährige Mjasnik Simonjan aus Wardenis in Nord-Armenien. "Dies ist das Land unserer Großväter. Diese Steine sind 800 Jahre alt", sagte er, während er auf zwei kunstvoll verzierte armenische Kreuze deutete.

Infografik Karte Berg-Karabach nach dem Krieg im Herbst 2020 DE

Der Priester Vater Howhannes sprach bitter über die bevorstehende Übergabe des Klosters an das mehrheitlich muslimische Aserbaidschan - dieses habe "nicht die gleichen Werte wie wir". "Das Kloster gehört uns. Ich kann nicht gehen", sagte er.

Die verfeindeten Nachbarstaaten Armenien und Aserbaidschan hatten sich Anfang der Woche unter russischer Vermittlung nach sechswöchigen schweren Kämpfen auf einen Waffenstillstand in der Region Berg-Karabach geeinigt. Das Abkommen sieht vor, dass beide Kriegsparteien jene Gebiete behalten dürfen, in denen sie derzeit die Kontrolle haben - für Armenien bedeutet das große Gebietsverluste.

Waffenstillstand Berg-Karabach | Russische Truppen an Checkpoint vor Stepanakert

Russische Soldaten sollen dafür sorgen, dass die Waffenstillstandsvereinbarungen umgesetzt werden

Das Abkommen, gegen das es in der armenischen Bevölkerung heftigen Widerstand gibt, sieht auch einen für die Türkei wichtigen Punkt vor: einen Korridor von Aserbeidschan zu seiner Exklave Nachitschewan. Damit erhält Aserbaidschan eine Landverbindung zur Türkei und Ankara Zugang zum Kaspischen Meer.

Berg-Karabach hatte während des Zerfalls der Sowjetunion einseitig seine Unabhängigkeit erklärt. Darauf folgte in den 1990er Jahren ein Krieg mit 30.000 Toten. Die selbsternannte Republik wird international nicht anerkannt und gilt völkerrechtlich als Teil Aserbaidschans. Sie wird aber mehrheitlich von Armeniern bewohnt.

In dem neuen Krieg hat sich Aserbaidschan weite Teile von Berg-Karabach zurückgeholt. Das Land berief sich dabei auf das Völkerrecht und sah sich von seinem "Bruderstaat" Türkei unterstützt. Armenien wiederum setzt auf Russland als Schutzmacht. Die Kämpfe waren Ende September voll entbrannt. Dabei wurden mehr als 2300 armenische Soldaten getötet, wie das armenische Gesundheitsministerium berichtete. Aserbaidschan äußerte sich nicht zur Zahl der getöteten Soldaten. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte vor wenigen Tagen von insgesamt mehr als 4000 Toten gesprochen.

uh/se (dpa, afp)

Video ansehen 02:31

Proteste in Armenien gegen Berg-Karabach-Abkommen

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