Argentinien: Die Rückkehr des Schuldengespensts? | Wirtschaft | DW | 29.08.2019
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Währung

Argentinien: Die Rückkehr des Schuldengespensts?

Klingt wie ein Dé­jà-vu: In Argentien bricht der Peso weg, die Börsen sacken ab, der Finanzminister will mit dem IWF über eine Umschuldung reden. Wie schlimm steht es um die Wirtschaft des südamerikanischen Landes?

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Krise macht Rindfleisch in Argentinien zum Luxusgut

Seit dem 11. August hat der argentinische Peso fast 22 Prozent an Wert verloren - jetzt versucht der gerade eingesetzte Finanzminister Hernán Lacunza die Reißleine zu ziehen. Am Mittwoch kündigte er an, mit dem Internationalen Währungsfonds IWF über die Rückzahlungsmodalitäten eines Milliardenkredits zu verhandeln. Argentinien könnte das Geld brauchen, um sich gegen den Verfall seiner Währung zu stemmen. Aber ob das reicht?

Ohnehin war in diesen Tagen ein Team des IWF im Land, um die von dem Fonds geforderten Sparmaßnahmen und Reformen zu überprüfen. Argentinien hat im letzten Jahr immerhin den größten je vergebenen IWF-Kredit erhalten: 57 Milliarden Dollar. Ausgerechnet der IWF. Das erinnert viele Argentinier an düstere Zeiten. Bis 2015 hieß die Präsidentin Cristina Fernández, verwitwete Kirchner. Sie hatte sich mit vielen und unter anderem mit dem IWF angelegt. Am Ende war Argentinien pleite, die Wirtschaft lag danieder, Kirchner musste gehen. 

Die Verlautbarungen des IWF klingen auch jetzt nicht gerade aufmunternd: "Wir verstehen, dass die Regierung diesen Schritt gemacht hat, um für Liquidität zu sorgen und die Reserven zu schützen", sagte der zuständige IWF-Mann Gerry Rice am Mittwoch, und er fügte hinzu: "Wir stehen in diesen herausfordernden Zeiten an der Seite von Argentinien."

Argentinischer Peso fällt auf neues Allzeittief. (picture-alliance/Zumapress/C. Santisteban)

Verfall des argentinischen Peso: Mitte August auf Allzeittief

Der Peso verliert weiter

Noch am Dienstag hatte die argentinische Zentralbank Pesos für 300 Millionen US-Dollar gekauft, um den Verfall der eigenen Währung zu stoppen. Der Peso verlor allerdings noch einmal 2,5 Prozent an Wert. Auch die Börse in Buenos Aires hatte in den letzten zwei Wochen Verluste von 30 Prozent zu verkraften. Dass es seit dem 11. August abwärts geht, hat viel mit der alten Präsidentin Fernández-Kirchner zu tun und mit ihrer neuen Rolle.

An diesem 11. August holte sich nämlich der amtierende, wirtschaftsfreundliche Präsident Mauricio Macri eine empfindliche Wahlschlappe ab. In möglicherweise entscheidenden Vorwahlen vor den Präsidentenwahlen, die Ende Oktober folgen werden, verlor Macri krachend gegen seinen Herausforderer. Seither gehen Beobachter, Öffentlichkeit und eben auch die Finanzfachleute davon aus, dass der linke Herausforderer Alberto Fernández bald das Rennen machen wird.

Dessen Team hatte Anfang der Woche in Sachen IWF mitgeteilt: "Das Darlehen, das das Land erhalten hat sowie die damit verbundenen Bedingungen haben keines der erhofften Resultate gebracht." Selbst Befürchtungen, bei einem Wahlerfolg könne der neue Präsident eine Rückzahlung ganz in Frage stellen, wurden laut.  Von einer möglichen "Rückkehr des linksperonistischen Populismus" schreiben jetzt auch ausländische Medien wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Argentinien Cristina Fernandez und Alberto Fernandez 2008 (picture-alliance/AP Photo/N. Pisarenko)

Cristina Fernandez Kirchner und Alberto Fernandez (Archivbild, 2008)

Das Problem Stellvertreterin

Das wahre Problem scheint nämlich für viele Argentinier nicht der potentielle Präsident, sondern seine mögliche Stellvertreterin, und die ist eine Namensvetterin und heißt Cristina Fernández-Kirchner. Zu ihren Zeiten als Präsidentin war Alberto Fernández eine Weile ihr Kabinettschef. Und die ehemalige Staatschefin steht für eine protektionistische Wirtschaftspolitik und eben eine konfliktreiche Beziehung zum IWF. Das hatte seinerzeit viele Unternehmen und viele Privatleute im Land in die Pleite getrieben.

Aber auch die Bilanz des amtierenden Präsidenten Macri ist für manchen in Argentinien kein Grund, ihn wiederzuwählen: In den Jahren seiner Regierung wuchs die Wirtschaft nicht, seit gut einem Jahr schrumpft sie, ebenso wie das Realeinkommen der Bevölkerung; die Inflationsrate dürfte dieses Jahr auf 50 Prozent ansteigen, rund zehn Prozent der Argentinier sind ohne Arbeit.

Fleischpreise treffen alle

Und nun der erneute Verfall der Landeswährung. Das trifft nicht die zuletzt die Exporte, und Exporte aus Argentinien sind vor allem Fleischexporte. Die Produzenten halten sich zurück, warten auf bessere Zeiten, und im Inland steigen die Preise für Rindfleisch. Das trifft alle. "Die Argentinier können mit dem Kauf von Kleidung und solchen Sachen warten, aber sie können nicht einfach aufhören, Fleisch zu kaufen. Auch wenn sie sich über die Preise beschweren", so der Metzger Orlando Mamani, unlängst in seinem Laden in Buenos Aires.

"Die Preise sind seit den Vorwahlen und 15 bis 20 Prozent gestiegen", so lässt sich denn auch sein Kunde Julio Basmagian von der Nachrichtenagentur Reuters zitieren. Die Vorwahlen hätten sie kalt erwischt, so der Mann.

Argentinien Buenos Aires | Mauricio Macri, Präsident (picture-alliance/AP Photo/N. Pisarenko)

Düstere Aussichten: Argentiniens Staatspräsident Mauricio Macri

Tatsächlich sieht es so aus, als würden die Verbraucherpreise in diesem Monat nur um etwas mehr als drei Prozent steigen, so jedenfalls Präsident Macri am Dienstag. Aber noch liegen die offiziellen Zahlen nicht vor. Der Wahlkampf geht jedenfalls in die entscheidende Phase, und Marci müsste noch mächtig zulegen, wenn er im Amt bleiben will: Bei den Vorwahlen kam er auf 32 Prozent, sein Herausforderer Fernández auf 47 Prozent - zusammen mit seiner Namensvetterin. Die Ratingagenturen Fitch und Standard & Poor's stuften Argentiniens Bonitätsnote derweil Ende letzter Woche auf Ramschniveauherab.

ar/hb (rtr, afp – Archiv)

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