Arabische Koalition greift ehemalige Verbündete im Jemen an | Aktuell Nahost | DW | 11.08.2019
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Jemen

Arabische Koalition greift ehemalige Verbündete im Jemen an

Nach der Eroberung des Präsidentenpalasts in Aden durch südjemenitische Separatisten hat die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition Luftangriffe geflogen. Für Riad ist die jüngste Entwicklung ein herber Rückschlag.

STC-Kämpfer in Aden

STC-Kämpfer in Aden

Die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition hat sich im Jemen gegen frühere Verbündete von Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi gestellt. Sie griff die Separatisten an, die zuvor die Kontrolle über die Hafenstadt Aden übernommen hatten. Bislang hatten die Separatisten des "Südlichen Übergangsrates" STC an der Seite der Armee Hadis gegen die Huthi-Rebellen gekämpft. Der STC will einen eigenen Staat gründen.

Die von Saudi-Arabien angeführte Koalition teilte mit, sie habe Gebiete angegriffen, die eine "direkte Bedrohung" für Hadis Regierung darstellten. "Das war nur die erste Aktion, weitere werden folgen", wurde sie im saudischen Staatsfernsehen zitiert. Noch habe der STC die Möglichkeit, sich zurückzuziehen. Saudi-Arabien rief zu einem Krisengipfel auf, um den Konflikt zu beenden.

Milizionäre im Südjemen

Milizionäre im Südjemen

Die Separatisten hatten am Samstag drei Kasernen und den Präsidentenpalast in Aden erobert. Dabei waren sie Berichten zufolge auf keinen Widerstand gestoßen, da die Garde den Komplex kampflos geräumt hatte und zum Teil sogar überlief.

Die Regierung Hadis nannte das Vorgehen des STC einen Putsch. Hadi und die meisten seiner Minister befinden sich allerdings in Riad in Saudi-Arabien. Der international nach wie vor anerkannte Präsident war 2015 aus der eigentlichen Hauptstadt Sanaa geflohen, als diese von Huthi-Rebellen besetzt wurde. Seither ist Aden offiziell der Regierungssitz.

Abed Rabbo Mansur Hadi, international anerkannter Präsident des Jemen

Abed Rabbo Mansur Hadi, international anerkannter Präsident des Jemen

Für Saudi-Arabien stellt die Entwicklung einen Rückschlag im Machtkampf mit dem Iran um Vorherrschaft in der Region dar. Das arabische Land unterstützt seit 2015 Hadi und führt ein Bündnis mehrerer sunnitischer Staaten an, die vor allem mit Luftangriffen die Truppen Hadis unterstützen. Die Huthis sind mit dem schiitischen Iran verbündet. Die Rebellen haben weite Teile des Landes unter ihre Kontrolle gebracht.

Seit Monaten bemühen sich die Vereinten Nationen um die Vermittlung eines Friedens. Die jüngste Entwicklung dürfte die Position Hadis geschwächt haben und damit die Gespräche erschweren. Die Huthis erklärten, die Ereignisse in Aden belegten, dass Hadi unfähig zum Regieren des Landes sei.

"Zeit für ernsthafte Gespräche"

Es sei an der Zeit, dass die bestimmenden Kräfte des Landes ernsthafte Gespräche führten, um den Jemen in einen föderalen Staat zu überführen, in dem die Interessen aller Seiten berücksichtigt würden, teilte der stellvertretende Huthi-Außenminister Hussein al-Azzi mit.

Durch den Krieg ist die Versorgung mit Nahrungsmitteln vielerorts zusammengebrochen, nach UN-Angaben leiden Millionen Menschen Hunger. Mehr als zwei Millionen wurden im Bürgerkrieg aus ihrer Heimat vertrieben.

stu/mak (rtr, afp, dpa)

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