Apple, die Börse und eine Billion Dollar | Wirtschaft | DW | 03.08.2018
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Börsenwert

Apple, die Börse und eine Billion Dollar

Der iPhone-Hersteller Apple ist an der Börse jetzt eine Billion Dollar wert - als erstes US-Unternehmen jemals. Doch spiegelt die Bewertung an der Börse auch den Erfolg des Unternehmens wider? Aus New York Anne Schwedt.

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Apple knackt die Billionen-Marke an der Börse

Donnerstag, 2. August, kurz vor zwölf Uhr mittags an der Technologie-Börse NASDAQ in New York. Der Aktienkurs von Apple springt auf einen Wert von 207 Dollar und 39 Cent. Ein historischer Moment. Das Unternehmen hat damit einen Marktwert von einer Billionen Dollar erreicht. Diese magische Grenze hat zuvor noch kein US-Unternehmen durchbrochen. "Das ist echt beängstigend", sagt Senior Index Analyst Howard Silverblatt mit Blick auf die Marktmacht des Unternehmens. "Apple ist wie eine eigene Institution." 

Tatsächlich: Wäre Apple ein Land, gäbe es auf der Welt nur 16 Länder, die reicher sind. Das hätte sich Steve Jobs wohl niemals erträumt als er Apple 1976 in der Garage seiner Eltern gegründet hat. Apple war damals ein Außenseiter neben den großen Spielern Microsoft und IBM. Vier Jahre später wurde das Unternehmen an der Börse gelistet, mit einem Schnäppchenpreis von 22 Dollar pro Aktie. Seitdem ist der Preis um 40.000 Prozent gestiegen. Wer damals 10.000 Dollar in Apple investiert hat, ist heute mehrfacher Multimillionär.

Mit dem iPod und dem iPhone hat sich das Unternehmen aus Cupertino innerhalb von 20 Jahren vom Rande des Bankrotts zum profitabelsten Konzern der Welt gemausert. Im vergangenen Quartal hat Apple gut 53 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Die Loyalität der Kunden zu dieser Marke scheint ungebrochen. iPhones, iPads und MacBooks bestimmen das Leben vieler Amerikaner. Als das wertvolle Unternehmen der Welt bewertet zu werden, ist also keine Überraschung, meint Silverblatt.

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Alles nur künstlich aufgeblasen?

Apple könne sich auf diesem Erfolg jedoch jetzt nicht ausruhen. "Zurzeit ist Apple angesagt. Das muss aber in einem Jahr nicht mehr so sein", sagt Silverblatt. Auch wenn im Moment alles für Apple spreche, die Konkurrenz schlafe nicht. "Der nächste Apple-Konkurrent könnte ein 18-Jähriger sein, der gerade in seiner Garage sitzt", sagt der Analyst.

Kritiker glauben, Apple trete in Sachen Innovation etwas auf der Stelle. Der Konzern habe seit dem Tod von Gründer Steve Jobs 2011 keinen "echten Hit" mehr produziert, sagt etwa Internet-Analyst Robert Enderle. Der smarte Lautsprecher HomePod - der jüngste Versuch, sich eine neue Kategorie zu erschließen - sei mit seinem hohen Preis und eingeschränkter Funktionalität zum Branchenwitz geworden. Vor diesem Hintergrund liege nahe, dass der Kurs künstlich aufgeblasen sei und nicht den wahren Wert des Konzerns widerspiegle.

Tatsächlich hat der Kurs Schützenhilfe von außen bekommen. Die wirtschaftsfreundliche Steuerreform in den USA erlaubte es dem Konzern, Geldreserven aus dem Ausland in die Heimat zu holen, ein milliardenschweres Rückkaufprogramm hat den Aktienbestand in den vergangenen fünf Jahren um 20 Prozent reduziert. Außerdem profitierte das Papier von einem Bullenmarkt (also mit steigenden Kursen), der seit acht Jahren anhält. Sollte sich die Stimmung am Markt drehen oder Technologieaktien an Boden verlieren, dann könne die Schwelle schnell wieder in weite Ferne rücken, meinen Skeptiker.

Smartphone iPhone X (picture alliance/dpa/L. Mirgeler)

Erst skeptisch geäugt, jetzt die Gewinnmaschine: Ein iPhone X

"Apple ist profitabel"

Ein Grund, warum Apple im Moment so profitabel ist, sei wohl den iPhones geschuldet - den teuersten Mobiltelefonen auf dem Markt. "Apple verlässt sich im Moment sehr auf das iPhone", sagt Enderle. Mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes kommt aus dem Smartphone-Geschäft. 

Nach Einschätzung von Enderle konnte Apple so auch die Konkurrenz im Rennen um die eine Billionen Dollar Marke abhängen. "Apple legt ein großes Augenmerk auf den Kunden - und darauf, Gewinn zu machen", sagt er. Die anderen Technologie Marktgrößen Facebook und Google würden die Daten von Kunden eher ausnutzen. Amazon, das derzeit zweitwertvollste Unternehmen nach Börsenwert, setze zu sehr auf Wachstum statt auf Profit. Bei der Marktbewertung würde jedoch ein profitables Unternehmen besser abschneiden.

Wie geht es weiter?

Um weiterhin die Nummer eins zu bleiben, setzt Apple inzwischen auch nicht mehr nur auf Hardware Produkte. Eine der wachstumsstärksten Sparten des Konzerns sind Dienste wie der App Store, Musik-Downloads und iCloud-Speicherplatz. Der Jahresumsatz der Dienstleistungssparte liegt mit 35 Milliarden Dollar allein dreimal so hoch wie der des Streamingdienst Netflix.

Das Servicegeschäft sei dank der mehr als 1,3 Milliarden Kunden, die fest in Apples Ökosystem eingepflanzt seien, zur verlässlichen "Wachstumsmaschine" des Konzerns geworden und sichere ihn gegen schwankende Verkaufszahlen ab, schrieb die Investmentbank Morgan Stanley jüngst an Kunden. Apple, sagen Fürsprecher, sei in den vergangenen Jahren gereift und habe verstanden, sich auf seine Stärken zu besinnen, anstatt immer neuen Innovationen in neuen Kategorien hinterherzujagen. Der Konzern sei "das neue Microsoft und das ist gut so", kommentierte es die Seite Marketwatch.

Trotz der Freude an der Technologiebörse Nasdaq sei die eine Billion-Dollar Marke doch auch nur eine Marke wie jede andere, sagt Analyst Silverblatt. "Wichtig ist, wie es jetzt weiter geht", sagt er. "Das nächste Jahr wird ein großer Test für Apple." Die entscheidende Frage ist, ob Apple-Fans auch in Zukunft noch 1000 Dollar oder mehr für ein mobiles Telefon ausgeben wollen und womit Apple als nächstes neue Rekorde brechen will.

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