Apartheid-Fotograf David Goldblatt ist tot | Kultur | DW | 25.06.2018
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Fotografie

Apartheid-Fotograf David Goldblatt ist tot

Der südafrikanische Fotograf David Goldblatt hat in seinen Bildern jahrzehntelang den Alltag während der Apartheid dokumentiert. Jetzt ist er mit 87 Jahren in seinem Haus in Johannesburg gestorben.

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David Goldblatt, Südafrikas „visuelles Gewissen“, ist tot

David Goldblatts Bilder gingen um die Welt: Unermüdlich zeigte der Fotograf aus Johannesburg, was die Apartheid aus seinem Land gemacht hatte. Ein Mitarbeiter der Goodman Gallery, die seine Werke seit vielen Jahren ausstellt, sagte anlässlich seines Todes, Goldblatt sei "eine Legende, ein Lehrer, eine nationale Ikone und ein Mann von absoluter Integrität" gewesen. Laut Liza Essers, der Leiterin der Galerie, ist der Fotograf am Montagmorgen ( 25.06.2018) zu Hause in Johannesburg "friedlich im Schlaf gestorben".

Das Unrecht dokumentiert

Goldblatt kam am 29. November 1930 zur Welt, er stammte von Einwanderern aus Litauen ab. Im Alter von 18 Jahren begann er mit seiner fotografischen Arbeit. Weltbekannt wurde er in den 1960ern und 70ern mit seinen Schwarzweiß-Fotos, die zeigten, wie die weiße Minderheit in Südafrika die Schwarzen während der Apartheid systematisch unterdrückte. Im Gegensatz zu Nachrichtenbildern, die meist gewalttätige Momente festhielten, wählte Goldblatt ruhige Szenarien, die umso stärker wirkten. "Als Fotograf interessiere ich mich nicht so sehr für den Moment, in dem etwas passiert, sondern für die Umstände, die dazu führen", sagte Goldblatt. So machte der Fotograf die Schrecken des Apartheid-Regimes in dem damals international isolierten Land für Außenstehende sichtbar.

Eine Frau betrachtet ein Bild von David Goldblatt, auf dem eine Haushälterin mit ihren Kindern zu sehen ist (picture-alliance/dpa/F. Gambarini)

Das Foto "Viktoria Cobokana, Haushälterin, mit ihrem Sohn Sifiso und Tochter Onica im Esszimmer ihrer Arbeitgeber, Johannesburg" schoss Goldblatt 1999

Er porträtierte schwarze Südafrikaner in Situationen, in denen sie sich aufgrund der rassistischen Gesetze nicht frei bewegen konnten. Genauso bildete er privilegierte Weiße in ihren Wohnhäusern ab. Interaktionen zwischen den Rassen waren bei Goldblatt stets durch die Abnormalität der Situation geprägt. "In jenen Jahren interessierte ich mich vor allem für Werte. Was für Werte hatten wir in Südafrika, wie waren sie entstanden und wie drückten wir sie aus?", erklärte Goldblatt einmal.

Vielfach ausgestellt und ausgezeichnet

1988 war Goldblatt der erste Südafrikaner, der im renommierten Museum of Modern Art (MoMA) in New York eine Einzelausstellung bekam. Ein Jahr später gründete er in Johannesburg den Market Photography Workshop, der zu einem wichtigen Treffpunkt für junge Talente wurde. 1994 endete die Zeit der Apartheid mit der ersten freien Wahl, die Nelson Mandela zum Präsidenten machte. Auch nach der Apartheid blieb Goldblatt eine wichtige Figur in der südafrikanischen Gesellschaft. 2011 lehnte er eine nationale Ehrung aus Protest gegen ein umstrittenes Gesetz ab, in dem es um harte Strafen für den Verrat von Staatsgeheimnissen ging. Zwei Jahre später weigerte sich der damalige Präsident Jacob Zuma, das Gesetz gegen Whistleblower zu unterschreiben.

Heute hängen Goldblatts Fotografien im MoMa in New York, im Victoria and Albert Museum in London und vielen anderen Museen weltweit. 2016 wurde Goldblatt vom französischen Kulturminister zum "Commandeur des Artes et des Lettres" ("Kommandant der Künste und der Literatur") ernannt, 2017 erschien ein abendfüllender Dokumentarfilm über sein Leben. Anfang 2018 gab es eine Goldblatt-Retrospektive im Centre Pompidou in Paris, im Oktober folgt eine weitere Ausstellung im Museum of Contemporary Art in Sydney.

"Ein großer Baum ist gefallen"

Südafrikas Staatschef Cyril Ramaphosa erklärte, mit Goldblatt habe sein Land "einen der führenden Dokumentare der Kämpfe unseres Volkes" verloren. Die Kunst-Konservatorin des Landes, Monique Vajifdar, würdigte den Verstorbenen mit den Worten: "Ein großer Baum ist gefallen, und wir haben einen unserer lebenden nationalen Schätze verloren." 

Die Beerdigung soll am Dienstag (26.06.2018) in Johannesburg stattfinden. Der Fotograf hinterlässt seine Frau Lily sowie drei Kinder und einige Enkelkinder. Seine Negative werden der renommierten Yale University in den USA übergeben.

pj/suc (ap/AFP)

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