Antrittsbesuch in Paris: Außenminister Maas sucht die Hand Macrons | Aktuell Europa | DW | 14.03.2018
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Deutsch-französische Beziehungen

Antrittsbesuch in Paris: Außenminister Maas sucht die Hand Macrons

Über sein erstes Reiseziel als Außenminister musste Heiko Maas nicht lange nachdenken. Wie die meisten seiner Vorgänger fliegt er nach Paris. Die EU-Erneuerung zusammen mit Frankreich steht auf der Agenda ganz oben.

Deutschlands neuer Außenminister Maas hat bei seiner ersten Auslandsreise in Paris für eine "neue deutsch-französische Dynamik" in der Europapolitik geworben. Er sei unmittelbar nach seiner Vereidigung nach Paris gekommen, "um die ausgestreckte Hand von (Staatschef) Emmanuel Macron mit seinen Vorschlägen zur Erneuerung Europas endlich auch zu ergreifen", sagte Maas bei einem Treffen mit seinem französischen Amtskollegen Jean-Yves Le Drian.

Merkel und Scholz kommen ebenfalls

Macron hatte schon vor Monaten Reformvorschläge für die Europäische Union gemacht, zu denen ein europäischer Finanzminister und ein gemeinsamer Eurozonen-Haushalt zählen. Nach der fast sechsmonatigen Regierungsbildung in Deutschland erwarten die EU-Partner nun die Antwort aus Berlin. Am Freitag werden Kanzlerin Angela Merkel  CDU) und der neue Vizekanzler und Finanzminister Olaf Scholz (SPD) bei Macron in Paris erwartet.

Merkel hatte sich zuletzt gegen den Vorschlag Macrons ausgesprochen, innerhalb der Eurozone Schulden zu vergemeinschaften. Haftung und Verantwortung dürften da nicht durcheinander gebracht werden, mahnte die Kanzlerin. Klar ist aber auch: Union und SPD haben die Europapolitik an den Anfang ihres Koalitionsvertrags gestellt und ihr damit besondere Bedeutung eingeräumt. Außenminister Le Drian nannte den Vertrag "dynamisch". Maas sagte, man habe nun nicht mehr viel Zeit zu verlieren. Dass er das ernst meint, zeigt sein Arbeitstempo: Der neue deutsche Außenminister brach keine fünf Stunden nach seiner Vereidigung nach Paris auf.

Antrittsrede im Auswärtigen Amt

In seiner Antrittsrede vor hunderten Diplomaten des Auswärtigen Amts hatte Maas zuvor die wachsende Verantwortung Deutschlands in der Welt betont. Zwar brauche niemand eine deutsche Außenpolitik, die sich selbst überschätze, sagte der 51-jährige Saarländer. "Aber ebenso falsch, und in dieser Weltlage womöglich noch gefährlicher ist eine Außenpolitik, die sich wegduckt."

Zu seinen vorrangigen Aufgaben zählte Maas die Stärkung des Zusammenhalts zwischen den westlichen und östlichen Mitgliedstaaten der EU. In diesem Sinne will er mit seiner zweiten Auslandsreise in die polnische Hauptstadt Warschau am Freitag ein Zeichen setzen.

Gegenüber Russland kündigte er einen harten Kurs an. Russlands völkerrechtswidrige Annexion der Krim und die andauernde Aggression gegen die Ukraine könne man nicht hinnehmen, sagte Maas. Die Ukraine-Krise bleibe ein Test der Entschlossenheit und Geschlossenheit der Europäischen Union. Maas erklärte sich aber bereit, im Ukraine-Konflikt zusammen mit Frankreich weiter eine Vermittlerrolle im sogenannten Normandie-Format einzunehmen. Das letzte Außenministertreffen in dieser Konstellation liegt inzwischen mehr als ein Jahr zurück.

Wegen Auschwitz in die Politik

Einen besonderen Schwerpunkt will Maas auf die Verbesserung des zuletzt sehr angespannten deutsch-israelischen Verhältnisses legen. Er kündigte eine Israel-Reise anlässlich des 70. Jubiläums der Staatsgründung an. "Für mich liegt in dieser deutsch-israelischen Geschichte nicht nur eine historische Verantwortung, sondern auch für mich ganz persönlich eine tiefe Motivation meines politischen Handelns", sagte er. Er sei nicht aus Respekt für Willy Brandt, wegen der Friedensbewegung oder der ökologischen Frage in die Politik gegangen. "Ich bin wegen Auschwitz in die Politik gegangen", sagte Maas.

Sigmar Gabriel verabschiedete sich mit einem Appell aus dem Amt. Europa müsse seine Interessen deutlicher definieren und durchsetzen, forderte er. Europa dürfe sich nicht wohlfühlen mit dem Zitieren eigener Werte angesichts der Herausforderungen und Turbulenzen in der internationalen Politik. Die USA hätten lange als verlässlichster Partner des Westens gegolten, das sei nicht mehr so. Der frühere SPD-Chef Gabriel hat nun keine führende Rolle mehr in der Politik. Er wird aber weiter dem Bundestag als einfacher Abgeordneter angehören.

haz/hk (dpa, rtr, afp)

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