Antisemitismusvorwurf: Leipziger Hotelmitarbeiter bleibt unbehelligt | Aktuell Deutschland | DW | 20.10.2021
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages
Anzeige

Deutschland

Antisemitismusvorwurf: Leipziger Hotelmitarbeiter bleibt unbehelligt

Nach den Vorwürfen des Sängers Gil Ofarim verzichtet die Geschäftsleitung auf rechtliche Schritte gegen einen beschuldigten Angestellten. Hintergrund seien interne Untersuchungen, heißt es zur Begründung.

Spezialisierte Rechtsanwälte hätten das Geschehen in der Lobby rekonstruiert, teilte die Betreiberfirma des Hotels "The Westin Leipzig", die Hotelgesellschaft Gerberstraße Betriebs GmbH, mit. Demnach kommt ein 118 Seiten langes Gutachten "unter Berücksichtigung aller verfügbaren Beweismittel" zu dem Ergebnis, dass keine "objektivierbaren" Anhaltspunkte vorlägen, die straf- oder arbeitsrechtliche Konsequenzen gegen den Mitarbeiter rechtfertigten.

"Wir haben daher entschieden, dass entsprechende Maßnahmen gegen den Mitarbeiter nicht eingeleitet werden", heißt es in einer Erklärung. Da der Mitarbeiter nach wie vor massiven Anfeindungen ausgesetztsei, werde er "aus Fürsorgegesichtspunkten" seinen Aufgaben vorerst noch nicht wieder vollumfänglich nachkommen.

Deutschland Demonstration gegen Antisemitismus vor dem Hotel Westin Leipzig

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe war es vor dem Leipziger Hotel zu einer Kundgebung gegen Antisemitismus gekommen

Der Sänger Gil Ofarim hatte Anfang Oktober in einem Video geschildert, dass ihn ein Mitarbeiter von "The Westin Leipzig" aufgefordert habe, seine Kette mit Davidstern abzunehmen. In einem millionenfach aufgerufenen Instagram-Video hatte der 39-Jährige danach Antisemitismus-Vorwürfe gegen das Hotel erhoben. Er erstattete Anzeige.

Kanzlei befragte Hotelgäste

Wie die Betreibergesellschaft weiter mitteilte, machte die Anwaltskanzlei Gäste ausfindig, die sich zum Zeitpunkt des Vorfalls am Hotelempfang befanden. Sie führte Interviews mit den Gästen, dem beschuldigten Mitarbeiter, weiteren Angestellten und Zeugen.

Zudem habe die Staatsanwaltschaft Akteneinsicht zu Vernehmungen von Zeugen gewährt, die nur mit den Ermittlungsbehörden sprechen wollten. Ein Sachverständiger habe ein Gutachten zu den Videoaufnahmen erstellt und diese auf etwaige Manipulationen untersucht.

Ofarim bekräftigt seine Darstellung

Weiter will sich das Hotel nicht zu den Vorwürfen äußern. Man habe gegenüber sämtlichen Mitarbeitern die arbeitsrechtliche Weisung erlassen, keine weiteren Erklärungen gegenüber Medien abzugeben.

Sänger Gil Ofarim

Hat Vertrauen in die Justiz: Gil Ofarim

Ofarim bekräftigte derweil seine Aussagen. Er habe seine Davidstern-Kette an dem Tag im Hotel getragen und habe das auch genau so bei der Polizei ausgesagt, sagte der Sänger im Interview der "Leipziger Volkszeitung". Die veröffentlichten Videobilder, die ihn ohne Kette zeigen, seien unvollständig.

"Mir war auch von vornherein klar, dass ich irgendwann wohl als Lügner hingestellt werden würde" führte Ofarim weiter aus. Er könne nicht mehr tun, als zu erzählen, was ihm passiert sei. Als Jude in Deutschland könne er "nicht einfach die Klappe halten". Er habe Vertrauen in die Justiz.

uh/ehl (dpa, epd)

Die Redaktion empfiehlt