Anti-Iran-Koalition: Wer könnte mitmachen? | Welt | DW | 25.06.2019
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USA - Iran

Anti-Iran-Koalition: Wer könnte mitmachen?

In dem sich immer weiter zuspitzenden Konflikt mit dem Iran werben die USA nun für eine weltweite Allianz gegen die Führung in Teheran. Doch sind wohl nicht viele Staaten bereit, der Aufforderung der USA nachzukommen.

Symbolbild UN-Sicherheitsrat fordert in Iran-Krise Zurückhaltung (picture-alliance/dpa/R. Hirschberger)

Flaggen verschiedener Staaten vor dem UN-Gebäude in New York - wen können die USA überzeugen?

Ein Bündnis gegen den Iran, das nicht nur die Golfstaaten umfasst, sondern auch Asien und Europa - das ist der neue Plan von US-Außenminister Mike Pompeo. Vor seiner Reise nach Saudi-Arabien und in die Vereinigten Arabischen Emirate kündigte er an, die Koalition solle bereit dazu sein, den "weltgrößten Sponsor des Terrors zurückzudrängen". Einen Hinweis darauf, ob das letztlich auch ein militärisches Vorgehen einschließen könnte, gab Pompeo nicht. 

Die Führung Irans nannte er ein "Netzwerk von Tyrannei und Korruption". Man werde "die Kampagne der diplomatischen Isolation und des maximalen wirtschaftlichen Drucks" weiterführen, bis der Iran einem umfassenden Atomabkommen zustimme. Doch welche Staaten könnten sich an dieser Kampagne beteiligen?

Saudi-Arabien

Das Königreich ist einer der Top-Kandidaten für das Bündnis der USA. Denn Saudi-Arabien und Iran sind Erzfeinde. Während Teheran sich als Schutzmacht der Schiiten versteht, ist Saudi-Arabien wie die meisten arabischen Staaten mehrheitlich sunnitisch. Mit diesem uralten Religionskonflikt verknüpft ist der Anspruch beider Länder, ihre jeweilige Vormachtposition im Nahen Osten auszubauen. Zu diesem Zweck führen Riad und Teheran bereits Stellvertreterkriege, etwa im Jemen. Bei Pompeos Besuch erklärte Kronprinz Mohammed bin Salman laut der staatlichen Agentur SPA auch sogleich, sein Land stehe bei der Bekämpfung "feindlicher iranischer Aktivitäten" und des Terrors an der Seite der USA.

Mike Pompeo in Saudi Arabien (Getty Images/J. Martin)

Pompeo am Montag im Gespräch mit Kronprinz bin Salman

Vereinigte Arabische Emirate

Auch die Emirate (VAE) sind enge arabische Verbündete der USA. Anders als Saudi-Arabien setzen die VAE aber auf eine politische Lösung des Iran-Konflikts. Die Spannungen in der Golfregion müssten durch gemeinsame Gespräche und Verhandlungen entschärft werden, twitterte der Staatsminister für Auswärtiges, Anwar Gargasch. Dafür müssten auch regionale Stimmen Gehör finden. Auch der Kronprinz von Abu Dhabis und damit der faktische Herrscher der VAE, Scheich Mohammed bin Said Al Nahjan, war in seinen Äußerungen über den Iran bisher zurückhaltender als der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman. Als Nachbar des Irans - die Küsten der VAE und des Irans sind nur durch den Persischen Golf und den Golf von Oman getrennt - könnte eine militärische Eskalation eine Bedrohung für die Emirate darstellen.

Israel

Wie in vielen arabischen Staaten wird auch in Israel der Iran als die größte Bedrohung in der Region betrachtet. Während beide Länder bis zur Islamischen Revolution 1979 noch Verbündete gegen die sie umgebenden sunnitischen Staaten waren, betrachtet die iranische Führung "das zionistische Regime" Israels seither als Feind und erkennt es auch nicht als legitimen Staat an. Israel seinerseits beobachtet Irans Atomprogramm und Machtausbau mit größter Skepsis. Ihren Konflikt trugen beide Staaten zuletzt hauptsächlich über einen Stellvertreterkrieg in Syrien aus, in dem Teheran das Assad-Regime unterstützt.

Golanhöhen - Israelisch besetzte Golanhöhen (picture-alliance/Photoshot/A. Margolin-Jini)

Die Golanhöhen sind von israelischen Soldaten besetzt, aber auch Syrien erhebt Anspruch auf die Grenzregion

Dagegen sind die USA seit Jahrzehnten Israels zentraler außenpolitisch Verbündeter - und unter Donald Trump als amerikanischem Präsidenten sind die beiden Länder einander tendenziell noch näher gerückt. Es wäre also wahrscheinlich, dass sich Israel an einer Koalition gegen die Führung in Teheran beteiligen würde. 

Großbritannien

Außerhalb des Nahen Ostens ist Großbritannien das einzige Land, bei dem eine Beteiligung an einem Anti-Iran-Bündnis denkbar wäre. Zwar versuchte das Land nach dem einseitigen Austreten der USA aus dem Atomabkommen gemeinsam mit Russland, China, Frankreich und Deutschland, an der Vereinbarung mit dem Iran festzuhalten. Andererseits beschuldigten neben den USA und Saudi-Arabien auch die Briten zuletzt Teheran, hinter den Angriffen auf zwei Tanker im Golf von Oman zu stecken. Großbritannien forderte zudem nun in einer gemeinsamen Erklärung mit den USA, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten von Iran, "weitere Aktionen zu unterlassen, welche die regionale Stabilität bedrohen". Zu den USA pflegen die Briten besondere diplomatische Beziehungen. Sie agierten schon oft - etwa in den beiden Weltkriegen und im Kalten Krieg - als Verbündete. Großbritannien unterstützte die USA auch maßgeblich im Irakkrieg von 2003, während andere europäische Staaten sich aufgrund fehlender völkerrechtlicher Legitimation und fehlender Beweise für eine Bedrohung durch den Irak weigerten.

Großbritannien US-Präsident Donald Trump & Theresa May, Premierministerin (Reuters/S. Rousseau)

Stellt sich Großbritannien wieder hinter die USA? Oder ist das Land gerade zu sehr mit sich selbst beschäftigt? (Archivbild)

Chancen auf weitere Unterstützer eher mau

Abgesehen von den oben genannten Staaten deutet wenig darauf hin, dass andere Länder Interesse an einem Bündnis gegen den Iran haben - sei es aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen. So hat beispielsweise China gute Beziehungen zum Erdöllieferanten Teheran. Aufgrund dieser Tatsache dürfte es wohl auch kein afrikanischer Staat wagen, sich gegen den Iran und damit auch gegen das in Afrika sehr einflussreiche China zu stellen.

Auch in Europa wird es den USA kaum gelingen, gegen den Iran mobil zu machen. Zuletzt hatten sich Länder wie Frankreich und Deutschland eher gegen Trumps Iran-Politik gestellt, indem sie versuchten, das Atomabkommen mit dem Iran trotz des Ausstiegs der USA zu retten und US-Sanktionen zu umgehen. Eine Anti-Iran-Allianz wird es in dem Ausmaß, wie die USA es sich wünschen, eher nicht geben. Allerdings bleibt abzuwarten, an welchen wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Stellschrauben die Vereinigten Staaten noch drehen, um ihrem Ziel näher zu kommen.

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