″Anstößiges″ Museum zu Militär und Krieg | Kultur | DW | 14.10.2011
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Kultur

"Anstößiges" Museum zu Militär und Krieg

In Dresden ist das von Daniel Libeskind umgestaltete Militärhistorische Museum eröffnet worden. Waffenfans werden nicht auf ihre Kosten kommen. Denn die Schau soll für ein anderes Gut begeistern - den Frieden.

Außenansicht des historischen Museumsbaus mit dem keilfömigen Anbau (Foto: DW)

Alt und neu: Der historische Museumsbau mit dem keilfömigen Anbau

Ein bei einem Sprengstoffanschlag in Afghanistan getroffener Bundeswehr-Jeep als Exponat (Foto: dpa)

Ein bei einem Sprengstoffanschlag in Afghanistan getroffener Wagen der Bundeswehr

Nach siebenjährigem Umbau ist am Freitag (14.10.2011) das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden wiedereröffnet worden. Am Vormittag durchschnitten Verteidigungsminister Thomas de Maizière, Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich und der Architekt des komplett umgestalteten Gebäudes, Daniel Libeskind, das Band zur neuen Dauerausstellung. Diese erzähle die Geschichte des Krieges neu und biete "ungewohnte Lesarten der Militärgeschichte", sagte de Maizière bei der Eröffnungsfeier. In anderen Militärmuseen stelle man nur Ausrüstung aus, in diesem gehe es zudem um den Menschen und seine Rolle in der Geschichte.

Das Museum bezeichnete der CDU-Politiker als "im besten Sinne des Wortes anstößig". Er wünsche dem Museum, dass es ihm gelinge, in der Gesellschaft wie in der Bundeswehr eine kritische und ehrliche Debatte über den Einsatz von Militär, über Krieg und Gewalt anzustoßen, sagte der Verteidigungsminister. Der komplett umgestaltete historische Bau stehe "sinnbildlich sowohl für das Thema des Museums wie auch für die Brüche deutscher Militärgeschichte".

Keil als Fingerzeig

Luftaufnahme des Museums mit dem markanten Gebäudeteil (Foto: dpa)

Aus der Vogelperspektive ist das Werk von Libeskind noch beeindruckender

Das aus wilhelminischer Zeit stammende Gebäude in der Dresdner Albertstadt hatte bereits seit mehr als 110 Jahren Armeemuseen beherbergt. Es war Sächsisches Armeemuseum, unterstand später der Wehrmacht und wurde schließlich DDR-Museum. 1990 übernahm dann die Bundeswehr das Kommando. Zu den Raritäten der Sammlung gehören das erste U-Boot - aus dem Jahr 1850 - und das Riesengeschütz "Die faule Magd" von 1430. Seit 2004 wurde das Museum saniert und nach Plänen des Architekten Libeskind mit einem modernen Anbau aus Stahl, Glas und Beton versehen, der den Altbau wie ein Keil durchdringt.

Libeskind sagte, er habe bewusst ein Gegenstück zu dem historischen Bau entwerfen wollen. Erinnert werden solle mit dem und 30 Meter hohen Keil auch an den schlimmsten Tag der Stadt Dresden. "Vom Museum aus kann man heute sehen, wie Dresden aus der Asche wieder auferstanden ist", fügte er hinzu. Der Keil weist in die Innenstadt, die bei den Luftangriffen der Alliierten im Februar 1945 weitgehend zerstört worden war. Zugleich ist er weithin sichtbar, was Libeskind nach eigenen Angaben bewusst bezweckte. In einer Demokratie sollte sich das Militär nicht verstecken, sagte er.

Dauerausstellung mit 10.500 Exponaten

Das Geschütz Die faule Magd aus dem 15. Jahrhundert (Foto: dpa)

Das Geschütz "Die faule Magd aus dem 15. Jahrhundert

Auch die Dauerausstellung des Museums wurde von Grund auf neu konzipiert. Sie stellt 700 Jahre Militärgeschichte in einen Zusammenhang mit Politik, Kultur, Gesellschaft, Wirtschaft und Technik. Es ist mit rund 10.500 Exponaten auf 19.000 Quadratmetern eines der größten militärhistorischen Museen Europas. Die Ausstellung setzt sich unter anderem mit Themen wie Verwundung, Tod und Leid im Krieg oder dem Einsatz von Tieren beim Militär kritisch auseinander. Zu sehen ist auch ein Bundeswehr-Jeep, der in Afghanistan von einem Sprengsatz getroffen wurde.

Ministerpräsident Tillich sieht in dem für rund 62,5 Millionen Euro umgebauten Museum eine wichtige Bildungsstätte. Das Haus solle nicht Pilgerstätte für Traditionalisten, sondern ein Ort des Lernens und Begreifens sein, sagte er. Die Ausstellung zeige, dass die Kultur des Friedens eines der wertvollsten Dinge für die Menschen und dass Krieg vor allem leidvoll, grausam und zerstörerisch sei.

Am Samstag (15.10.2011) öffnet das Museum erstmals für Besucher.

Autor: Stephan Stickelmann (afp, dapd, dpa, epd)
Redaktion: Martin Schrader

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