Anschlag in Halle an Jom Kippur - dem höchsten jüdischen Festtag | Kultur | DW | 09.10.2019
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Religion

Anschlag in Halle an Jom Kippur - dem höchsten jüdischen Festtag

In Halle waren viele Juden an ihrem wichtigsten Feiertag in der Synagoge zum Gebet versammelt. An Jom Kippur legen sie ihre Arbeit nieder und verzichten auf Speisen und Getränke. Ein Fest der Versöhnung.

Jom Kippur oder auch Jom ha-Kippurim ist das Versöhnungsfest und der höchste Feiertag der Juden. Nach jüdischer Zeitrechnung ist es der zehnte Tag nach dem Beginn des neuen Jahres und dem Neujahrsfest Rosch Haschana. Er fällt von Jahr zu Jahr auf unterschiedliche Daten im September oder auch Oktober des gregorianischen Kalenders. Die zwischen jüdischem Neujahr und Jom Kippur liegenden Tage dienen der inneren Einkehr und Buße. Juden bekennen sich zu ihren Sünden und bitten Gott um Versöhnung. Gleichzeitig geht es aber auch darum, die Beziehungen zu seinen Mitmenschen in Ordnung zu bringen und Konflikte zu befrieden.

Der religiöse Ursprung

Mosesberg im Sinaigebirge Ägypten 2007 (imago/blickwinkel)

Auf dem Berg Sinai bat Moses Gott um Vergebung

Aus religiöser Sicht markiert Jom Kippur den Tag, an dem Gott dem Jüdischen Volk die Sünde des Goldenen Kalbes vergeben hat. 40 Tage nachdem die Juden nach biblischer Überlieferung am Berg Sinai die Tora erhalten haben, wurden sie als Volk Gottes ausgewählt. In diesen 40 Tagen hatten sie gegen das Gottesgebot "Du sollst keine anderen Götter haben neben mir" verstoßen, indem sie ein Goldenes Kalb anbeteten und damit Götzendienst begingen. Moses bat Gott, sein Volk, die Juden, nicht zu zerstören. Gott vergab ihnen am 10. Tischri. Am Versöhnungstag wurde der Überlieferung nach ein Ziegenbock mit den Sünden des jüdischen Volkes beladen und in die Wüste geschickt. Mit Jom Kippur wird symbolisch Sündenbekenntnis, Läuterung, Vergebung und die unzerstörbare Verbindung zu Gott begangen.

Der Begriff "Sündenbock" hat sich in abgewandelter Form bis heute im deutschen Sprachschatz erhalten. Der Ausdruck steht für einen Menschen, der ohne Schuld ist, aber von anderen für angebliche Vergehen oder unangenehme Ereignisse verantwortlich gemacht wird.

Buß- und Fastenregeln

Weißgekleidete Juden an Jom Kippur (Menahem Kahana/AFP/Getty Images)

Strenggläubige Juden tragen an Jom Kippur weiße Kleidung und keine Lederschuhe

Begangen wird Jom Kippur als strenger Fastentag, von seinem Beginn am Vorabend bis zum Abend am Versöhnungstag selbst. Jom Kippur ist der einzige Fastentag, der auch an einem Sabbat begangen werden kann. Essen und Trinken ist verboten, auch Baden, Waschen und Kosmetika sind untersagt, ebenso sexueller Verkehr und jede Form von Genuss. Streng religiöse Juden halten sich darüber hinaus an die Regel, keine Lederschuhe oder -stiefel zu tragen und weiße Kleidung anzuziehen.

Jom Kippur wird auch heute noch von einer Mehrheit der Juden in aller Welt eingehalten. Allerdings werden die Regeln nicht von allen in der gleichen strikten Form befolgt. Sinn und ernster Charakter sind jedoch erhalten geblieben.

Ein Tag des Gebets

Am Vortag des Jom Kippur sind reichliches Essen und Trinken üblich. Es gibt zwei festliche Mahlzeiten: eine am Tage, die andere kurz vor Beginn des Feiertages am Abend. Dazu gehört unter anderem auch ein Stück Honigkuchen, das ebenso wie ein in Honig getauchter Apfel mit dem Wunsch für ein gutes (süßes) Jahr verbunden ist.

Mann bläst in ein Widderhorn (imago/epd)

Mit einem Schofart-Ton werden die Gebete beendet

Am Versöhnungstag selbst herrscht strenge Enthaltsamkeit. Der größte Teil des Festes wird in der Synagoge gefeiert. Mehrere Gottesdienste erstrecken sich oft ohne Unterbrechung über den ganzen Tag. Zum Abschluss der Gebete wird mit einem Widderhorn, dem Schofar, noch ein langgezogener Ton geblasen. Jom Kippur ist vorbei. Anschließend versammeln sich die Familien zum gemeinsamen Festmahl, dem sogenannten "Anbeißen", und die Gläubigen wünschen sich ein gutes Jahr.

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