Anklage gegen Nils D. wegen IS-Verbrechen | Aktuell Deutschland | DW | 26.07.2018
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Islamismus

Anklage gegen Nils D. wegen IS-Verbrechen

Die Bundesanwaltschaft hat Anklage wegen Mordes gegen den mutmaßlichen IS-Dschihadisten Nils. D. erhoben. Der 27-Jährige Konvertit soll drei Menschen aus niederen Beweggründen getötet haben.

Deutschland Prozess IS-Terrorist Nils D. in Düsseldorf (DW/M. Gopalakrishnan)

Im März 2016 war Nils D. wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen Terrorvereinigung zu vier Jahren Haft verurteilt worden

Wie die Bundesanwaltschaft mitteilte, wurde die Anklage bereits Mitte des Monats vor dem Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf erhoben. Nils D. sei hinreichend verdächtig, in drei Fällen als Mitglied der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) in Syrien "aus niedrigen Beweggründen grausam einen Menschen getötet und hierdurch auch gegen das Völkerstrafgesetzbuch verstoßen zu haben", erklärte die Karlsruher Behörde.

Nach deren Ermittlungen gehörte D., der sich laut Medienberichten in Syrien Abu Ibrahim nannte, von Juli bis November 2014 als IS-Mitglied einer sieben- bis achtköpfigen Gruppe an, die in einem IS-Gefängnis in Syrien regelmäßig Gefangene folterte. Dadurch sollten ihnen Geständnisse abgepresst werden.

Haftbefehl bereits Ende März erlassen

"In mindestens drei Fällen kamen hierbei nach gemeinsamer Folter durch den Angeschuldigten und zwei weitere IS-Mitglieder Gefangene ums Leben", erläuterte die Bundesanwaltschaft. Der Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof hatte bereits Ende März 2018 Haftbefehl gegen D. erlassen. Er befindet sich derzeit wegen einer anderen Sache in Haft.

Der Konvertit, der in einer evangelischen Gemeinde aufwuchs, wurde im März 2016 vom OLG Düsseldorf wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen Terrorvereinigung zu einer Haftstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt. Er soll im Oktober 2013 nach Syrien gereist sein und sich Anfang März 2014 dem IS angeschlossen haben.

Als IS-Mitglied sei er unter anderem in eine Spezialeinheit zur Festnahme von Deserteuren und in die Verwaltung von Gefängnissen eingebunden gewesen. Auch habe er als Dolmetscher fungiert. Zudem habe er beim bewaffneten Transport von verletzten IS-Kämpfern und der Bestattung eines toten Gefangenen geholfen.

Mitglied einer Salafistengruppe in Dinslaken

D. ist als Kleinkrimineller mehrfach vorbestraft und saß sechs Monate wegen Einbruchs und Diebstahls im Gefängnis. Zuvor war er wegen Drogenhandels zu einer Jugendstrafe von sechs Monaten auf Bewährung verurteilt worden.

Nach seinem Hauptschulabschluss hatte er eine Berufsausbildung abgebrochen und sich 2011 dem Islam zugewandt. Nach seiner Haftentlassung im Sommer 2013 sammelte er zunächst Spenden für syrische Kriegsopfer. In Dinslaken schloss er sich im Stadtteil Lohberg einer Salafistengruppe an, die später als "Lohberger Brigade" bekannt wurde.

uh/gri (afp, ap)

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