Ankara lässt Deutsch-Türkin festnehmen | Aktuell Deutschland | DW | 04.10.2019
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Menschenrechte

Ankara lässt Deutsch-Türkin festnehmen

Die 58-jährige Erzieherin hatte zwei Wochen lang ihre Familie in der Türkei besucht. Als sie vom Flughafen Diyarbakir die Heimreise antreten wollte, führten Polizisten sie ab. Das Auswärtige Amt ist eingeschaltet.

Türkei Istanbul Passkontrolle am Flughafen (picture-alliance/AA/B. Ozkan)

Archivbild

Die türkischen Behörden haben wieder eine deutsche Staatsbürgerin festgenommen. Nach Angaben der Kurdischen Gemeinde in der Bundesrepublik wurde die Deutsch-Türkin aus Hamburg bereits am Donnerstag am Airport im südostanatolischen Diyarbakir festgenommen, als sie nach Hannover zurückfliegen wollte. Sie war vor zwei Wochen eingereist. Nach Angaben des Rechtsanwalts der Frau liegt ein Haftbefehl aus Ankara gegen die 58-Jährige vor.

Ehemann ist Vorsitzender der Kurdischen Gemeinde Hamburg

Der Sprecher der Kurdischen Gemeinde, Mehmet Tanriverdi, kritisierte das Vorgehen der Behörden als "Schikane und Ausdruck der türkischen Willkür-Justiz". Er mutmaßte, auf ihrem Facebook-Account geteilte Postings oder das Engagement ihres Mannes, der Vorsitzender der Kurdischen Gemeinde Hamburg ist, könnten zu ihrer Verhaftung geführt haben.

Am Tag der Festnahme war Bundesinnenminister Horst Seehofer zu offiziellen Gesprächen mit der türkischen Regierung über die Flüchtlingskrise in Ankara. Das Auswärtige Amt in Berlin erklärte, der Fall sei bekannt und "wird von unserer Botschaft konsularisch betreut".

Seit dem gescheiterten Putschversuch vor drei Jahren in der Türkei werden dort auch immer wieder Deutsche inhaftiert. 2017 hatte eine Serie von Festnahmen aus "politischen Gründen" zu einer schweren Krise zwischen Berlin und Ankara geführt. Viele Betroffene durften inzwischen ausreisen, ihre Prozesse gehen aber in Abwesenheit weiter.

Auswärtiges Amt nennt keine Zahlen mehr 

Mittlerweile führt das Auswärtige Amt nicht mehr auf, wie viele Deutsche aus solchen Gründen - also etwa wegen Terrorvorwürfen oder Präsidentenbeleidigung - in türkischen Gefängnissen sitzen. Im August war bekannt geworden, dass die Zahl der in der Türkei inhaftierten Deutschen binnen sechs Monaten von 47 auf 62 gestiegen war. Betroffen sind laut Auswärtigem Amt "insbesondere, aber nicht ausschließlich deutsche Staatsangehörige mit engen privaten und persönlichen Bindungen in die Türkei sowie Personen, die neben der deutschen auch die türkische Staatsangehörigkeit besitzen".

se/wa (dpa)