Angst vor Strafzöllen bewegt Autobranche | Aktuell Deutschland | DW | 21.06.2018
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Suche nach Lösung im Zollstreit

Angst vor Strafzöllen bewegt Autobranche

Daimler warnt vor niedrigerem Gewinn, Volvo sieht geplante US-Jobs bedroht und der US-Botschafter in Berlin versucht sich als Vermittler zwischen US-Regierung und deutschen Autobauern: Bewegung im Handelsstreit?

Der deutsche Autobauer Daimler blickt etwas verhaltener in die Zukunft. Grund für den Pessimismus sei der Handelskonflikt zwischen den USA und China, heißt es in der Stuttgarter Konzernzentrale. Die höheren chinesischen Zölle für in den USA hergestellte Autos könnten nicht vollständig an die Kunden weitergegeben werden. Zudem werde man wegen der Abgaben wohl weniger Geländewagen in der Volksrepublik als erwartet verkaufen.

Als weitere Gründe nennt der Autobauer neue Standards für Abgastests, den Rückruf von Dieselautos und eine schwächere Nachfrage nach Bussen in Lateinamerika. Der Betriebsgewinn (Ebit) des Konzerns werde wegen dieser Entwicklungen voraussichtlich unter dem Vorjahresniveau liegen. Bisher war ein Ebit leicht über dem 2017er Wert von 14,7 Milliarden Euro angepeilt worden.

China Auto Show Peking Internationale Automobil Ausstellung 2016 Maserati SUV Levante (picture-alliance/dpa/W.Hong)

China ist ein sehr wichtiger Absatzmarkt für den Daimler-Konzern, der auch Werke in den USA hat

Die USA und Peking steuern gerade auf einen handfesten Handelskrieg zu. Washington hat Zölle für zahlreiche chinesische Produkte erlassen, worauf die Führung in Peking mit höheren Abgaben auf amerikanische Waren reagiert hat. Daimler betreibt etwa in Tuscaloosa im US-Bundesstaat Alabama eine Fabrik für Geländewagen. Allein im vergangenen Jahr wurden dort mehr als 286.000 Fahrzeuge gebaut, die nach Unternehmensangaben in mehr als 135 Märkte exportiert werden.

Vor einer Woche hatte Daimler-Chef Dieter Zetsche ein weiteres Mal bei Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer zum Rapport antreten müssen. Danach war klar, dass europaweit insgesamt 774.000 Mercedes zurückgerufen werden müssen, weil sie eine unzulässige Abschalteinrichtung bei der Abgasreinigung haben.

Auswirkungen auf geplante Volvo-Jobs in den USA?

Auch Volvo warnt vor negativen Auswirkungen des Handelsstreits zwischen den USA und China: Laut Volvo-Chef Hakan Samuelsson sind dadurch die Pläne des Autobauers für Tausende neue Jobs in den USA gefährdet. "Wenn es Handelsschranken und Einschränkungen gibt, können wir nicht so viele Stellen schaffen wie wir vorhaben", sagte Samuelsson am Mittwoch bei der Eröffnung eines neuen Werks in South Carolina. "Wir wollen exportieren, aber wenn China und Europa plötzlich sehr hohe Barrieren aufstellen, wäre das unmöglich", erklärte er. "Dann muss man die Autos dort bauen." Die neue US-Fabrik soll eigentlich bis zu 4000 Stellen schaffen.

Gegenwärtig importiert die Tochter der chinesischen Geely Holding Group alle ihre in den USA verkauften Autos. Wegen der steigenden Nachfrage investierte Volvo dort 1,1 Milliarden Dollar in neue Anlagen. Ein Teil der Produktion soll exportiert werden. Allerdings hat US-Präsident Donald Trump Zölle auf Autoimporte angedroht, auf die etwa Europa mit Gegenmaßnahmen antworten könnte. In South Carolina haben zahlreiche andere Unternehmen ihre Standorte, darunter BMW. Der Bundesstaat ist eine Hochburg von Trumps Republikanern.

Komplette Abschaffung von Auto-Einfuhrzöllen?

Unterdessen berichtete das "Wall Street Journal" (WSJ), dass sich der US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, für die komplette Abschaffung von Zöllen auf Autos beim Handel zwischen den USA und der EU einsetzt. Zu diesem Zweck habe Grenell am Mittwoch Gespräche mit der US-Regierung in Washington geführt. In den vergangenen Wochen, so das WSJ, habe sich der US-Botschafter bei Gesprächen mit den Chefs der wichtigsten deutschen Autobauer Daimler, BMW und Volkswagen  Rückendeckung für eine friedliche Beilegung des Handelskonflikts durch die komplette Abschaffung von Importzöllen geholt. Auch die Bundesregierung, so das WSJ, unterstütze die Initiative.

Die Pläne sehen vor, dass die EU ihre Importzölle in Höhe von 10 Prozent auf US-Autos und die USA ihre Einfuhrzölle in Höhe von 2,5 Prozent auf Autos aus der EU streichen. Kleiner Schönheitsfehler der geplanten Zoll-Abschaffung: Offiziell hat nur die Europäische Kommission ein Mandat, über Zoll- und Handelsfragen zu verhandeln. Dafür müssten neben Deutschland auch andere wichtige Automobilproduzenten in der EU wie Frankreich einbezogen werden.

Nach Angaben des Verbands der deutschen Automobilindustrie (VDA) arbeiten allein in den US-Werken der Hersteller Daimler, BMW und VW 116.500 Menschen.  

rb, tko/ie (dpa, rtr, daimler.com, WSJ)

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