Angst vor Coronavirus - was wir wissen müssen | Wissen & Umwelt | DW | 27.01.2020
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Gesundheit

Angst vor Coronavirus - was wir wissen müssen

Wo gibt es bereits Infizierte? Wie wird das Virus übertragen und welche Schutzmaßnahmen sind sinnvoll? Eine Übersicht.

Wie schnell verbreitet sich die neuartige Lungenkrankheit?

Überraschend schnell: Die Zahlen ändern sich fast stündlich. Bis zum 27. Januar stieg die Zahl der bestätigten Infektionsfälle auf über 2700 an. Ein Fachmann der Hong Konger Gesundheitsbehörden, der nicht namentlich genannt werden wollte, schätzte die Dunkelziffer gegenüber dpa zu diesem Zeitpunkt hingegen eher auf 25.000.

Bis dahin waren 80 Personen infolge der Viruserkrankung gestorben. Betroffenen sind meist ältere Bevölkerungsgruppen, die Verstorbenen waren zuvor allesamt schwer chronisch erkrankt.

Bestätigte Infektionen gibt es auch in Thailand, Japan, Südkorea, Taiwan und den USA. Je ein Verdachtsfall wird laut Nachrichtenagentur AFP in Australien und auf den Philippinen geprüft. Alle Infizierten und Verdachtsfälle im Ausland hatten sich zuvor in Wuhan aufgehalten.

Japan Warnung Coronavirus (Reuters/Kim Kyung-Hoon)

Besorgte Nachbarn: Viele Länder kontrollieren Reisende aus China genau, wie hier in Japan

 Asiatische Nachbarn und mehrere Flughäfen in anderen Ländern weltweit haben inzwischen Fieberkontrollen oder andere Schutzmaßnahmen bei der Einreise eingeführt.

Die allgemeine Nervosität sorgte auch für sinkende Kurse an den asiatischen Aktienmärkten.

Wie wird das Virus übertragen?

Bestätigt haben die chinesischen Gesundheitsbehörden inzwischen eine Übertragbarkeit des Erregers von Mensch zu Mensch. Eine entscheidende Frage ist nun, wie leicht das Virus von Mensch zu Mensch übertragen wird und ob es im weiteren Verlauf mutiert und sich an den menschlichen Wirt anpasst. 

Die ersten Infektionen werden mit einem inzwischen geschlossenen Fischmarkt in Wuhan in Verbindung gebracht, auf dem auch Wildtiere verkauft wurden. Möglicherweise ist das Virus ursprünglich über den direkten Kontakt zwischen Tier und Mensch (Zoonose) übertragen worden, oder aber - wie viele Keime - einfach über die Luft.

Darüber hinaus können Zoonosen auch über Lebensmittel übertragen werden, beim Verzehr von Fleisch oder tierischen Produkten etwa. Sind diese nicht ausreichend erhitzt oder wurden sie unter ungünstigen Bedingungen zubereitet, stellen sie ebenfalls eine Infektionsquelle dar.

Video ansehen 01:35

Massiver Anstieg von Coronavirus-Fällen in China

Was weiß man über das Virus?

Vor kurzem hatten Experten die Gen-Sequenz des neuen Coronavirus 2019-nCoV entschlüsselt, das zuvor noch nicht in Menschen diagnostiziert worden war.

Coronaviren sind seit den 1960er Jahren bekannt. Der Name leitet sich von der nach außen ragenden, kronenförmigen Proteinstruktur der Virushülle ab. Grundsätzlich sind Coronaviren nichts Außergewöhnliches. Oft verlaufen die Infektionen harmlos - zum Beispiel mit grippeähnlichen Beschwerden wie Fieber, Husten und Kurzatmigkeit. Magen-Darm-Beschwerden, insbesondere Durchfall, können ebenfalls auftreten.

Doch Coronaviren sind tückisch und extrem wandlungsfähig - sie gehören zu den RNA-Viren und weisen eine hohe genetische Variabilität auf. Das heißt: Es ist ihnen ein Leichtes, Artenbarrieren zu überwinden und verschiedenste Wirtsspezies zu infizieren. In Folge verursachen die Viren auch schwerere Krankheitsverläufe, mit Atemnot und Lungenentzündung, die sogar zum Tod führen können.

Coronavirus

Die nach außen ragenden, kronenförmigen Proteinstrukturen der Virushülle gaben dem Coronavirus den Namen

2002 und 2003 löste zum Beispiel das aggressive Coronavirus SARS-CoV eine Epidemie aus. Damals erkrankten weltweit mehr als 8000 Menschen, etwa 800 starben. 30 Länder waren betroffen. Im Jahr 2012 wurde das Middle East Respiratory Syndrome Coronavirus (MERS-CoV) entdeckt, das sich auf der arabischen Halbinsel verbreitete. 

Was ist gefährlicher - Sars oder nCov?  

Besorgniserregend ist eine Aussage der chinesischen Gesundheitsbehörden vom 26. Januar, dass Träger des neuartigen Coronavirus andere bereits in der Inkubationszeit anstecken können - also schon bevor sie überhaupt Symptome zeigen. 

Das war bei der SARS-Epidemie 2003 anders. Damals erfolgte die Ansteckung erst nach Auftreten der Symptome. Andererseits war SARS auch deutlich gefährlicher als das neuartige Coronavirus. Etwa zehn Prozent der Erkrankten starben damals an SARS. Bei der jetzigen Epidemie sind es weniger als drei Prozent der zweifelsfrei erfassten Fälle. Und von denen hatten fast alle Vorerkrankungen.

Berücksichtigt man die Möglichkeit, dass viele Patienten in Wuhan aufgrund eines milden Krankheitsverlaufes gar nicht in die Kliniken gegangen sind, könnte die tatsächliche Zahl noch deutlich niedriger liegen. Professor Mark Harris, Virologe an der Universität Leeds, schätzt die wahrscheinliche Mortalität angesichts der hohen Dunkelziffer auf etwa 0,1 Prozent, was in etwa einer saisonalen Grippe entspreche. 

Welche Maßnahmen sind sinnvoll?

Ein Notfallkomitee der Weltgesundheitsorganisation (WHO) befasst sich mit der Frage, ob ein internationaler Gesundheitsnotstand ausgerufen wird. Dazu gehören beispielsweise Quarantäne-Maßnahmen, verschärfte Grenzkontrollen, das Errichten von speziellen Behandlungszentren oder auch Einschränkungen im internationalen Reiseverkehr. Bisher hat die WHO diesen Schritt noch nicht getan.

Reisende warten an der Hongqiao Railway Station in Shanghai

Durch die Reisewelle zum chinesischen Neujahrsfest wächst die Gefahr einer Übertragung des Virus

Schon jetzt gibt es in China und an Flughäfen in mehreren asiatischen Staaten, den USA und Italien Temperaturkontrollen bei Reisenden. Bislang gibt es keine Reisewarnung der WHO oder des Auswärtigen Amtes für Wuhan. Japan hat hingegen eine Reisewarnung ausgesprochen. 

Weiterhin gelten die generelle Hygiene- und Verhaltensregeln, also einen engen Kontakt zu Menschen mit akuten respiratorischen Infektionen sowie zu lebenden oder toten Nutz- oder Wildtieren vermeiden, regelmäßiges Händewaschen, vor allem nach direktem Kontakt zu erkrankten Menschen und deren Umgebung.

Noch sehen die Experten aber nicht die Gefahr einer weltweiten Ausbreitung. Besondere Maßnahmen seien zum Beispiel in Deutschland nicht nötig, so Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut. "Derzeit ist die Gefahr wirklich sehr gering", so der Virologe im DW-Interview. "Wichtig ist, dass ein permanentes Monitoring der Situation geschieht, nicht nur durch die WHO, sondern auch durch das Robert Koch-Institut (RKI) und das European Centre for Disease Prevention and Control (Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten)".