Angola schiebt mehr als 180.000 Kongolesen ab | Aktuell Afrika | DW | 14.10.2018
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Afrika

Angola schiebt mehr als 180.000 Kongolesen ab

Betroffen sind vor allem Menschen, die in der Diamanten-Industrie arbeiteten. Und es ging brutal zu. Die Aktion ist Folge der Bemühungen von Präsident Lourenço, Angola für ausländische Investoren attraktiver zu machen.

Die Behörden Angolas haben binnen weniger Tage zehntausende illegale Zuwanderer aus dem Nachbarland Kongo in ihre Heimat abgeschoben. Seit Anfang Oktober hätten rund 181.000 Menschen aus Angola kommend die Grenze zur Demokratischen Republik Kongo überquert, sagte der Gouverneur der Grenzprovinz Kasai, Marc Manyanga. Manche von ihnen hätten von "gewaltsamen Szenen" beim Verlassen Angolas berichtet.

Pro Stunde mehrere hundert Menschen beim Grenzübertritt 

Allein in der kongolesischen Grenzstadt Kamako wurden nach Angaben örtlicher Behörden seit dem 1. Oktober 97.000 "Rückkehrer" aus Angola registriert. Die Menschen fanden dort provisorischen Unterschlupf in Hallen, Kirchen und Schulen, berichteten Reporter aus der Stadt. Manche campierten unter Bäumen. An manchen Tagen überquerten mehrere hundert Menschen pro Stunde den Grenzposten. Die Rückkehrer sind vielfach mittellos. "Wir sind ohne Geld in Kamako", sagte Familienmutter Dorcas Bakampa Reportern. "Das wenige, das wir besessen haben, mussten wir verkaufen, um Geld für Essen zu bekommen."

Abgeschobene Kongolesen versuchen, an einem Fluss nahe Kamako so gut es eben geht Kleidungsstücke zu waschen (Foto: Reuters/G. Paravicini)

Abgeschobene Kongolesen versuchen, an einem Fluss nahe Kamako so gut es eben geht Kleidungsstücke zu waschen

Nach Aussagen zurückgeschickter Kongolesen war es vor allem in der angolanischen Stadt Lucapa zu Gewaltexzessen gekommen. Lucapa liegt etwa 100 Kilometer südlich der Grenze zur Demokratischen Republik Kongo im Herzen der diamantenreichen Provinz Lunda Norte. Angolanische Soldaten hätten die Stadt gestürmt, zahlreiche Menschen mit Macheten getötet und Häuser niedergebrannt, berichteten die Kongolesen.

Fünftgrößter Diamantenproduzent der Welt

Angolas Behörden gehen seit Wochen verstärkt gegen zugewanderte Arbeitskräfte aus dem armen Nachbarland vor. Die Aktion ziele auf "Ausländer mit ungeregeltem Status in unserem Land" ab, sagte ein angolanischer Regierungssprecher. Viele der Betroffenen arbeiteten in Diamantminen. Hintergrund der Maßnahmen ist wohl der Versuch von Präsident Joao Lourenço, die Auslandsinvestitionen in seinem Land zu erhöhen und es von der starken Abhängigkeit vom Ölexport zu befreien. Die Reform der Diamanten-Industrie ist Teil dieses Vorhabens. Dazu zählt auch der Kampf gegen den Schmuggel mit den Edelsteinen. Angola ist der fünftgrößte Diamantenproduzent der Welt. 

Angolas Präsident Joao Lourenço (Foto: picture-alliance/Xinhua/Qin Lang)

Angolas Präsident Joao Lourenço

Lourenço hatte erst 2017 die Nachfolge von Langzeit-Staatschef José Eduardo dos Santos angetreten. Er ist darauf bedacht, das politische Erbe seines Vorgängers hinter sich zu lassen. In seinen Reden betont der 64 Jahre alte Lourenço immer wieder den Kampf gegen "Korruption, Vetternwirtschaft, Schmeichelei und Straflosigkeit". Lourenço hat in den vergangenen Monaten bereits alte Seilschaften von dos Santos entmachtet. So setzte er dessen Tochter Isabel als Chefin des staatlichen Ölkonzerns Sonangol ab. Ihrem Halbbruder José "Zenu" Filomeno wurde die Leitung des angolanischen Staatsfonds entzogen. Filomeno wurde seitdem der Veruntreuung öffentlicher Gelder angeklagt, gegen Isabel dos Santos wird wegen mehrerer Bestechungsvorwürfe ermittelt.

sti/qu (afp, rtr)

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