″Amerika und die Freiheit haben einen ihrer größten Verfechter verloren″ | Aktuell Amerika | DW | 26.08.2018
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USA

"Amerika und die Freiheit haben einen ihrer größten Verfechter verloren"

Der Krebstod von US-Senator John McCain hat bei Freunden und Weggefährten, aber auch politischen Gegnern, Bestürzung ausgelöst. Deutsche Politiker würdigten den Republikaner als zuverlässigen Verbündeten.

Die damaligen US-Präsidentschaftskandidaten George W. Bush und John McCain im Oktober 2000 in Daytona Beach (Foto: picture-alliance/Orlando Sentinel/J. Burbank)

Die damaligen US-Präsidentschaftskandidaten George W. Bush und John McCain im Oktober 2000 in Daytona Beach

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat den verstorbenen US-Republikaner John McCain in einem Kondolenzschreiben an dessen Witwe als "Vorbild für Generationen" und "Ausnahmepolitiker" gewürdigt. "Auch wenn wir politisch nicht immer derselben Ansicht waren, so habe ich ihn stets als streitbaren, aber überzeugten und unerschütterlichen Transatlantiker erlebt und geschätzt", schrieb Steinmeier nach Angaben des Bundespräsidialamtes. Sein unbeirrter Kampf gegen jede Form von Folter habe ihm großen Respekt auch von politischen Gegnern verschafft. "Seine kraftvolle Stimme, seine Unbestechlichkeit und sein fester Glauben an eine freiere, bessere Welt werden uns allen fehlen."

Bundeskanzlerin Angela Merkel würdigte den verstorbenen US-Senator als "eine der großen politischen Persönlichkeiten unserer Zeit". Der Republikaner sei "ein unermüdlicher Kämpfer für ein starkes transatlantisches Bündnis" gewesen, erklärte Merkel. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) nannte den Tod des 81-Jährigen in einem Beileidsschreiben an McCains Familie einen "schweren Verlust für die Weltgemeinschaft". Deutschland verliere in ihm "eine Stütze der deutsch-amerikanischen Beziehungen und einen Freund Deutschlands". 

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) nannte McCain einen "eindrucksvoll geradlinigen, tapferen und unbeugsamen Charakter". "Gerade wir Deutsche wissen, was wir über Jahrzehnte teils schwieriger Zeiten an ihm hatten. Seine Überzeugungen werden noch lange weiter wirken, für sein Land und auch für uns", hieß es in einer Mitteilung.

Maas: McCain ein verlässlicher Partner

"Er stand für ein Amerika, das ein verlässlicher und enger Partner ist. Ein Amerika, das aus Stärke Verantwortung für andere übernimmt und auch in schwierigen Momenten zu seinen Werten und Prinzipien steht und darauf seinen Führungsanspruch gründet", schrieb Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) beim Kurznachrichtendienst Twitter. "Wir werden seine Stimme in Erinnerung behalten."

Senator John McCain war am Samstag an einem Hirntumor gestorben. Seine Ehefrau Cindy schrieb auf Twitter: "Mein Herz ist gebrochen. Er ist gegangen, wie er gelebt hat, zu seinen eigenen Bedingungen, umgeben von den Menschen, die er liebte, an dem Ort, den er am meisten liebte."

Der republikanische Ex-Präsident George W. Bush bezeichnete McCain als "Patrioten höchsten Ranges". Der Mehrheitsführer der Konservativen im Senat, Mitch McConnell, sprach von einem "traurigen Tag" für die USA. McCains Freund und Parteikollege Lindsey Graham erklärte: "Amerika und die Freiheit haben einen ihrer größten Verfechter verloren. ...Und ich habe einen meiner liebsten Freunde und einen Mentor verloren".

Cindy und John McCain im November 2016 in Phoenix (Foto: picture-alliance/AP Photo/R.D. Franklin)

Cindy und John McCain im November 2016 in Phoenix

Obama: "Wenige wurden so herausgefordert"

Die Nachricht vom Tode des 81-jährigen Republikaners löste auch bei den US-Demokraten Bestürzung aus. Ex-Präsident Barack Obama zollte McCain seinen Respekt: "Wenige von uns wurden so herausgefordert, wie John es einst wurde, oder mussten den Mut zeigen, den er gezeigt hat", hieß es in einer Erklärung Obamas. Man stehe in McCains Schuld. Obama und der Republikaner waren bei der Präsidentschaftswahl 2008 gegeneinander angetreten.

Der demokratische Fraktionschef im Senat, Chuck Schumer, kündigte an, eine Resolution in die Kammer einbringen zu wollen, mit der ein Gebäude des Senats nach McCain benannt werden solle. Der Verstorbene sei ein "großartiger Mensch" gewesen. McCain habe nie Angst davor gehabt, gegenüber den Mächtigen die Wahrheit aussprechen. Das sei selten geworden.

John McCain und der republikanische Parteifreund Mitch McConnell im Juni 2015 in Washington (Foto: Getty Images/M. Wilson)

John McCain und der republikanische Parteifreund Mitch McConnell im Juni 2015 in Washington

Trump: "Mein tiefstes Mitgefühl"

Auch US-Präsident Donald Trump kondolierte den Angehörigen. "Mein tiefstes Mitgefühl und Respekt gehen an die Familie von Senator John McCain", notierte er auf Twitter. "Unsere Herzen und Gebete sind bei Euch!", fügte er hinzu. Eine weitere Würdigung McCains folgte zunächst nicht.

McCain stand dem Parteifreund im Weißen Haus sehr kritisch gegenüber. Nach dessen Pressekonferenz mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin attestierte er ihm Mitte Juli etwa Inkompetenz. Die "New York Times" und andere US-Medien hatten im Mai berichtet, McCain wolle nicht, dass der Präsident bei seiner Beerdigung dabei sei. Trump hatte sich in Reden immer wieder abfällig über McCain geäußert - allerdings ohne ihn beim Namen zu nennen. Bei einer Rede in Florida etwa ahmte Trump nach, wie McCain im vergangenen Jahr gegen einen Gesetzentwurf seiner eigenen Partei gestimmt hatte, der die Krankenversicherung "Obamacare" in Teilen abgeschafft hätte. Diese Entscheidung des Senators missfiel dem Präsidenten zutiefst. Trump hatte McCain schon im Wahlkampf verspottet. Im Juli 2015 behauptete er, er sei kein Kriegsheld, weil er während des Vietnam-Krieges gefangen genommen worden sei. Trump damals wörtlich: "Ich mag Leute, die nicht gefangen genommen worden sind."

Netanjahu: "Israel salutiert vor McCain"

Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu äußerte tiefe Trauer über den Tod McCains. Netanjahu würdigte ihn "großen amerikanischen Patrioten und großen Unterstützer Israels". Quelle seiner anhaltenden Unterstützung für den jüdischen Staat seien McCains "Glaube an Demokratie und Freiheit" gewesen, hieß es in einer Mitteilung Netanjahus. "Der Staat Israel salutiert vor McCain."

sti/ww (afp, ap, dpa, rtr)

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