American Association of Teachers of German (AATG) | Porträts der IDV-Lehrerverbände | DW | 22.05.2019
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Porträts Lehrerverbände

American Association of Teachers of German (AATG)

Deutsch ist eine lebendige, globale Sprache für alle. Diese Botschaft will der Deutschlehrerverband in den USA verbreiten. Und tut dies erfolgreich mit unzähligen kreativen Kampagnen. Die Ideen scheinen nicht auszugehen.

Susanne Rinner ist die Präsidentin des AATG und füllt ihren Job mit großer Begeisterung aus. Die gebürtige Baden-Württembergerin hat in Berlin studiert und anschließend ihre Doktorarbeit an der Georgetown University in Washington DC geschrieben. Seit 2007 ist sie Professorin für Deutsch an der University of North Carolina in Greensboro.

Deutsche Welle: Frau Rinner, wir beiden sprechen uns heute zum ersten Mal, aber Sie hatten mit dem AATG bereits viel Kontakt mit der Deutschen Welle und vor allem mit der Band EINSHOCH6. Erzählen Sie uns davon!

Susanne Rinner: Wir hatten eine sehr schöne Kooperation mit der Deutschen Welle: Im Herbst 2017, da war ich Vizepräsidentin, war EINSHOCH6 bei uns und sie haben eine vierwöchige Tour mit Konzerten und Workshops gemacht. Das war ganz toll.

Wie ist es dazu gekommen?

Unsere Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer verwenden sehr viel Musik im Deutschunterricht, und die freuen sich natürlich, wenn ihre Schülerinnen und Schüler dann mal deutsche Bands live zu hören bekommen. Man kann sehr viel über das Internet machen und die Deutsche Welle ist da ganz wichtig – unter anderem wegen der Zusammenarbeit mit EINSHOCH6 und dem Bandtagebuch. Aber live ist es noch einmal etwas ganz anderes. 

USA DW Bandtagebuch (DW)

Superstimmung nach einem EINSHOCH6-Konzert auf der USA-Tour

Nach der Tournee hatten wir 100 Prozent positives Feedback von den Schülern und den deutschsprachigen Leuten in den jeweiligen Orten – insbesondere, weil die Tour auch in Orte geführt hat, die eben nicht so die zentralen Städte sind wie New York oder Chicago. Die Band ist in viele kleinere Orte gereist und hat die USA, glaube ich, auch näher kennengelernt. Einen Teil der Tour sind sie auch mit einem Bus selbst gefahren. Vor Ort hat die Band ihre Gastgeber kennengelernt und teilweise dort gewohnt.

Für uns als AATG war das Ganze eine komplett neue Erfahrung. Wir hatten zuvor noch nicht so eng mit der Deutschen Welle zusammengearbeitet und wir hatten auch noch nie so eine große Tournee mit so einem großen Finanzplan organisiert. Und das hat wirklich sehr gut geklappt.

Vor zehn Jahren hatte der AATG fast doppelt so viele Mitglieder. Trotzdem wollen Sie und der AATG nicht den Kopf hängen lassen. Wieso?

Die Position von Deutsch im US-amerikanischen Kontext hat sich geändert. Trotzdem: Wenn ich eine Hauptbotschaft hätte, würde ich sagen: Deutsch ist eine globale Sprache und wir sind nicht mehr nur in diesen europäischen Kontext eingebunden. Natürlich werden wir dadurch kleiner, weil wir eben auch nicht mehr die einzige wichtige Fremdsprache sind. Ich denke, die Menschen wollen viele verschiedene Sprachen lernen, es ist eben eine globale Welt. Es dreht sich nicht mehr alles nur um die Sprachen, die früher die typischen europäischen Sprachen waren. Deutsch, Französisch und bei uns natürlich noch Spanisch. Mittlerweile haben viele andere Sprachen an Bedeutung gewonnen: Arabisch und asiatische Sprachen. Das öffnet auch neue Bezugspunkte für uns, und darauf müssen wir uns einstellen.

Welche neuen Bezugspunkte sind das?

Ich würde sagen, es geht in zwei Richtungen: Wenn man zum einen Deutsch als globale Sprache versteht, die von Menschen unterschiedlicher Herkunft gesprochen wird, dann steht der Muttersprachler, der vermeintlich alles richtig sagt, nicht mehr so im Zentrum. Dann haben wir alle etwas beizutragen. Auch im Deutschunterrichts-Klassenzimmer findet ein Deutschdiskurs statt, und das ist dann auch genauso authentisch wie jemand, der sich in Deutschland in der Kneipe ein Bier bestellt. Das ist mir ganz wichtig, dass wir wegkommen von dieser relativ normativen Herangehensweise, was es bedeutet, Deutsch zu sprechen, und wer berechtigt ist, Deutsch zu sprechen.

Audio anhören 00:57

Hören Sie rein: Susanne Rinner erzählt von einem Erlebnis, das zeigt: Deutsch ist global

Das andere Potential, das ich sehe, ist die Zusammenarbeit mit anderen Verbänden. Wir hatten dieses Jahr zum Beispiel, ein eintägiges Symposium mit dem Internationalen Deutschlehrerverband und den Deutschlehrerverbänden aus Kanada und Mexiko, um über die Lage des Deutschunterrichts und speziell der Deutschlehrerausbildung in Nordamerika zu sprechen.

In den letzten zehn Jahren haben wir Deutsch weiterhin als die Sprache der Kultur und der Kunst vermarktet. Wir haben Deutsch als wichtige Sprache für die Naturwissenschaften vermarktet. Aber seit diesem Jahr versuchen wir auch zu zeigen, dass Deutschlehrer ein wichtiger Beruf ist.

Wieso dieser geänderte Fokus?

Wenn wir uns nicht darum kümmern, dass wir Deutschlehrer zur Verfügung haben, dann haben wir auch keine Deutschprogramme an den Gymnasien und an den Hochschulen. Deswegen versuchen wir uns jetzt darauf zu konzentrieren, dass wir den Leuten sagen: Das ist ein toller Beruf, den könnt ihr ausüben, der macht Spaß, man kann damit Geld verdienen. Und was muss man tun, um ein sehr guter Deutschlehrer zu werden? Man muss eben sehr gut Deutsch sprechen. Und um das anzustoßen, haben wir jetzt eine große Kampagne im Rahmen des Deutschlandjahrs in den USA veranstaltet.

Das ist ja ein sehr konkreter, aktueller Plan. Welche anderen wichtigen regelmäßigen Veranstaltungen und Aktivitäten setzt die AATG um?

Wir haben zwei Zielgruppen, das sind die Schülerinnen und Schüler und die Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer. Für die Schüler und Schülerinnen haben wir zwei Hauptprogramme. Einmal das National German Exam, das wir zwischen Dezember und April/Mai anbieten. Das ist ein Test, der am Computer durchgeführt wird. Schüler, die besonders gut abschneiden, können sich dann für unser Sommerferienprogramm bewerben. Und das ist dann unser zweites Programm: Die Schüler können circa vier Wochen bei einer deutschen Gastfamilie wohnen, dort das Gymnasium besuchen und an verschiedenen Ausflügen und kulturellen Programmen teilnehmen.

Jahrestreffen des Vorstand des AATG, Deutschlehrerverbands USA (AATG)

Der Vorstand der AATG beim letzten Jahrestreffen

Für Lehrkräfte bieten wir natürlich verschiedene Fortbildungsmaßnahmen an, vor allem im Sommer. Wir nehmen teil an der großen jährlichen Konferenz, die vom American Council of Teaching Foreign Languages organisiert wird. Dort sind wir auch ein Mitglied und setzen eine Konferenz bei uns um: Da können unsere Mitglieder dann Vorträge halten und wir vergeben unsere Preise und Ehrungen, unter anderem für den „Outstanding German Teacher of the Year“. 

Das sind ja jede Menge Projekte, welche Ziele haben Sie ansonsten für das anstehende Jahr?

In den USA gibt es in bestimmten Regionen zurzeit einen Lehrernotstand. Deswegen fahren wir gemeinsam mit dem American Council of Teaching Foreign Languages die bereits erwähnte Kampagne, um Lehrer zu finden. In so einem großen Land wie den USA, wo die Bildungspolitik sehr dezentral organisiert ist, kann man wenig steuern. Aber man kann als Lehrerverband dazu beitragen, dass unsere Schüler verstehen: Okay, Deutschlehrer als Beruf, das ist eine Option. Und wenn wir nicht darüber reden, als Deutschlehrer, dann wird natürlich auch niemand Deutschlehrer.

Einmal im Jahr gibt es auch einen Deutsch-Amerikanischen-Tag bei uns, Anfang Oktober. An dem Tag machen wir immer eine Kampagne, bei der wir sagen: „Tag a future German Teacher“. Da kann man uns Fotos über die sozialen Medien schicken von Schülern, die sich besonders auszeichnen und potentielle Kandidaten wären. Den markierten Schülerinnen und Schülern haben wir dieses Jahr die Mitgliedschaft bezahlt: Einfach um ihnen zu zeigen, wir sind der Deutschlehrerverband und wir könnten auch für dich da sein.

Die Ideen scheinen Ihnen im Verband nicht auszugehen. Wie schaffen Sie es, permanent so kreativ zu sein und das auch umzusetzen?

Ich glaube, das liegt an der guten Zusammenarbeit mit unserem Büro. Unser Geschäftsführer hat sehr viel Erfahrung und die Mitarbeiter genauso. Zudem ist unser Vorstand sehr aktiv. Und wir haben einfach auch Mitglieder, die mitmachen. Dieses Zusammenspiel passt sehr gut.


Die wichtigsten Infos in Kürze:
Die American Association of Teachers of German (AATG) wurde 1926 gegründet und hat rund 3500 Mitglieder. Neben dem „AATG-Newsletter“ veröffentlicht der Verband noch zwei weitere Publikationen.

Vorstandsgremium:
• Susanne Rinner (Präsidentin)
• Doug Philipp (Vize-Präsident)
• Matthias Vogel (Schatzmeister)
• Ingrid Zeller (Vorsitzende, Assembly of Chapter Presidents)
• Keith Cothrun (Geschäftsleitender Direktor)
• Iris Bork-Goldfield
• Candis Carey
• Albrecht Classen
• Morgan Koerner
• Sigurd Piwek
• Jennifer Roper


IDV-Kontaktperson:
Keith Cothrun, info[at]aatg.org

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