Amazonas-Staaten wollen Regenwald besser schützen | Aktuell Amerika | DW | 07.09.2019
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Lateinamerika

Amazonas-Staaten wollen Regenwald besser schützen

Sieben Länder aus Südamerika haben sich auf eine gemeinsame Strategie zum Umweltschutz und zur nachhaltigen Entwicklung in der Amazonasregion geeinigt. Ecuadors Staatschef Moreno gab dabei ein Lied zum Besten.

Die Vertreter der Amazonas-Anrainer mit Mitgliedern einer indigenen Gemeinschaft

Die Vertreter der Amazonas-Anrainer mit Mitgliedern einer indigenen Gemeinschaft

Die verheerenden Waldbrände im Amazonasgebiet haben auf der ganzen Welt für Bestürzung gesorgt. Die Anrainer wollen den größten Tropenwald der Welt nun besser schützen. Dies vereinbarten sie bei einem Gipfeltreffen im kolumbianischen Leticia.

Vertreter aus Brasilien, Bolivien, Peru, Kolumbien, Ecuador, Suriname und Guayana unterzeichneten den "Leticia-Pakt für den Amazonas". "Amazonien ist unser Erbe, unterliegt unserer Souveränität, aber wir können es mit der Welt teilen. Es ist ein Schatz, den wir alle gemeinsam hüten müssen", sagte Kolumbiens Präsident Iván Duque. Zum Amazonasgipfel empfing er die Regierungsvertreter der Region in einer traditionellen Hütte der indigenen Gemeinschaften im Dschungel.

Die Teilnehmer zeigen, dass sie auch wirklich unterschrieben haben

Die Teilnehmer zeigen, dass sie auch wirklich unterschrieben haben

"In den vergangenen Jahren haben wir Tausende Hektar Regenwald verloren, weil illegal neue Weide- und Ackerflächen geschaffen werden", sagte Duque. Mit dem Abkommen verständigten sich die Länder auf konkrete Aktionen zum Schutz des Amazonasregenwaldes.

"Es muss gehandelt werden"

"Es bleibt nichts mehr zu sagen, denn nach den Unterschriften muss nun gehandelt werden", sagte Ecuadors Staatschef Lenin Moreno. Er hatte zuvor zu einem ungewöhnlichen Mittel gegriffen, um seinen Kollegen aus der Region ins Gewissen zu reden: Als er an der Reihe war, eine Stellungnahme abzugeben, stimmte Moreno das Lied "Pare" (Vater) des katalanischen Liedermachers Joan Manuel Serrat an. Das Stück handelt von Umweltzerstörung und Raubbau an der Natur. "Vater, der Fluss ist kein Fluss mehr. Der Wald ist kein Wald mehr. Wo es keine Bienen mehr gibt, gibt es auch kein Wachs und keinen Honig", sang Moreno. "Vater, morgen wird Blut vom Himmel regnen." Die anderen Teilnehmer spendeten Moreno nach dem Vortrag Beifall.

Sein Kollege Evo Morales sagte, die Menschen müssten sich auf ein harmonisches Verhältnis zur Mutter Erde zurückbesinnen. Allerdings war der linke Präsident zuletzt selbst in die Kritik geraten, weil er nur sehr zögerlich reagierte, als in den vergangenen Wochen riesige Flächen in Bolivien abbrannten.

In Brasilien stehen Teile des Regenwaldes in Flammen

In Brasilien stehen Teile des Regenwaldes in Flammen

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro konnte wegen einer bevorstehenden Operation nicht persönlich an dem Gipfel teilnehmen und wurde per Videokonferenz zugeschaltet. Er verteidigte seine Umweltpolitik und warf Ländern wie Frankreich erneut vor, sich in die inneren Angelegenheiten von Brasilien einzumischen.

Von seinen lateinamerikanischen Amtskollegen forderte er Widerstand gegen Versuche, den Schutz des Regenwaldes zu internationalisieren: "Wir müssen eine starke Position einnehmen und unsere Souveränität verteidigen, so dass jedes Land die beste Politik für die Amazonas-Region entwickeln kann. Wir dürfen das nicht in die Hände von anderen Ländern geben."

Infografik Amazonas Anrainer DE

"Dieser Pakt ist etwas ganz Besonderes. Wir werden von der ganzen Welt beobachtet und einige glauben, dass wir nicht in der Lage sind, die wunderbare Natur von Amazonien zu verwalten", sagte der brasilianische Außenminister Ernesto Araújo nach der Unterzeichnung des Abkommens. "Mit diesem Dokument beweisen wir, dass wir dazu fähig und dass wir gemeinsam für den Schutz und die vernünftige Entwicklung der Region arbeiten."

Das ganze Amazonasgebiet leidet derzeit unter zahlreichen Bränden. Nach Einschätzung von Umweltschützern stecken meist Farmer bereits abgeholzte Flächen in Brand, um neues Weideland zu schaffen. In der derzeitigen Trockenzeit greifen die Flammen aber auch immer wieder auf noch intakte Waldflächen über. Besonders Bolsonaro war zuletzt international in die Kritik geraten, weil er die wirtschaftliche Nutzung des für das Weltklima bedeutenden Regenwaldes vorantreibt.

stu/ml (dpa, afp)

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