Alibaba-Gründer und Internetlegende Jack Ma wird Privatier | Wirtschaft | DW | 10.09.2018
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E-Commerce

Alibaba-Gründer und Internetlegende Jack Ma wird Privatier

Für einige Jahre war er der reichste Mann Chinas, aufgestiegen vom Englischlehrer zum Multimilliardär. Sein Online-Konzern beherrscht das Internet im Reich der Mitte. Nun zieht er sich zurück.

Jack Ma, Gründer der chinesischen Handelsplattform Alibaba. Alibaba ist einer der größten Online-Händler weltweit und Konkurrent von Amazon und Ebay. Vietnam Hanoi | Jack Ma (Getty Images/AFP/H. Dinh Nam)

Sagt leise servus - aber nicht ganz: Jack Ma (Archivbild)

Ein einfacher Mann, der davon lebt, Holz im Wald einzusammeln: So beginnt die Geschichte von Ali Baba und den 40 Räubern in der Märchensammlung "Tausendundeine Nacht". Wie es das Schicksal will, entdeckt der Glückliche unermessliche Schätze in einer Felshöhle und kann sie in seinen Besitz bringen.

Ganz ähnlich verläuft auch die Geschichte von Jack Ma, dem Sohn einer Schaustellerfamilie, der in Hangzhou im fernen Osten Chinas, am südlichen Ende des alten Kaiserkanals, das Licht der Welt erblickt. Er lernt Englisch von Touristen, die er durch die Stadt führt, wird Sprachlehrer, obwohl er dreimal durch die Aufnahmeprüfung an der Universität gefallen war, und heiratet die Frau, die er während seines hartnäckig erkämpften Studiums kennengelernt hatte.

30-mal erfolglos

Nach einem weiteren Abschluss an einer Wirtschaftshochschule in Peking bewirbt er sich laut eigener Aussage um 30 verschiedene Jobs und wird überall abgelehnt. Doch dann entdeckt er die Felshöhle mit dem Schatz - auf einer Reise in die USA. In Seattle, wo er einen Freund besucht, sieht er 1995 zum ersten Mal einen Personal Computer. Von da an geht alles ganz schnell.

"China Pages" heißt das erste Start-up, mit dem Ma im World Wide Web antritt. Heute beherrscht sein Unternehmen Alibaba das Internet im Reich der Mitte: Keine andere Gruppe hat dort mehr Erfolg im Netz: 576 Millionen aktive Nutzer zählt die gleichnamige Handelsplattform. Aber längst hat der Konzern, der 1999 von Ma in seiner Wohnung gegründet wurde und heute auf 420 Milliarden US-Dollar (umgerechnet 361 Milliarden Euro) geschätzt wird, die Welt im Visier. Alibaba ist einer der größten Online-Händler weltweit und bietet anderen Giganten wie Amazon und Ebay die Stirn.

40 Milliarden schwer

Ma selbst galt mit einem geschätzten Vermögen von 40 Milliarden US-Dollar (rund 34,3 Milliarden Euro) lange als reichster Mann Chinas. Er hat beständig in neue Geschäftsfelder investiert: in Musikdienste, ein Reiseportal und einen Online-Bezahldienst, der ebenfalls zum Marktführer aufstieg. Vor fünf Jahren gab er das operative Geschäft an seinen Stellvertreter ab, zog sich auf den Posten des Vewaltungsrates zurück.

US-Präsident Donald Trump und Jack Ma, der Gründer der chinesischen Handelsplattform Alibaba bei einem Treffen am 9. Januar 2017 im Trump Tower in New York. (Getty Images/T.A.Clary)

Milliardäre unter sich: Ma mit US-Präsident Donald Trump (Archivbild)

Doch in absehbarer Zeit will der Multimilliardär sich ganz auf die schönen Seiten des Lebens konzentrieren. An seinem 55. Geburtstag - also im September 2019 - werde er die Spitze von Alibaba verlassen, um sich philantropischen Bildungsprojekten zu widmen, kündigte der frühere Englischlehrer an. Aus dem Kleingedruckten ergibt sich allerdings: Der Mann geht doch nicht so ganz. Er wolle auch danach dem Unternehmen beratend zur Seite stehen.

Zuvor hatte es Verwirrung über einen unmittelbar bevorstehenden Rückzug Mas aus seinem Online-Imperium gegeben. Die "New York Times" hatte am Freitag geschrieben, Ma werde bereits an diesem Montag seinen Rückzug als Vorsitzender des Verwaltungsrates ankündigen.

"Nicht perfekt, aber richtig"

Hinter den märchenhaften Erfolgen tritt zurück, dass Ma immer wieder internationale Kritik auf sich zog, etwa mit Äußerungen über die blutige Niederschlagung der Proteste auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking 1989. Dies sei "nicht die perfekte, aber die richtigste" aller möglichen Entscheidungen gewesen, verteidigte er das Handeln der chinesischen Führung von damals. Und die Zensur des Internets, die in seinem Heimatland so perfekt funktioniert wie vielleicht nirgendwo sonst, verharmloste er mit der flapsigen Bemerkung, Hunderte Millionen Chinesen seien online, folglich könne die Kontrolle "nicht so schlimm sein".

Sicher ist: Der Mann, der bei seinen Auftritten wie ein Rockstar gefeiert wird, bleibt für Überraschungen gut. Ma, der sich gerne in schillernden Kostümen zeigt und die Aufmerksamkeit erkennbar genießt, dürfte sich jedenfalls auch weiterhin in die öffentliche Debatte einmischen. So pries er die Möglichkeiten künstlicher Intelligenz und warnte vor einem dritten Weltkrieg.

Vor allem aber betätigte er sich als ehrenamtlicher PR-Assistent des bevölkerungsreichsten Landes der Erde - auch diese Aufgabe könnte reizvoll bleiben. "Die Arbeit von Chinas sauberer und ehrlicher Regierung hat Aufmerksamkeit in der ganzen Welt auf sich gezogen", verkündete Ma im vergangenen Jahr. "Es gibt kein Land wie dieses."

jj/se (dpa, afp, munzinger)

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