Algier sperrt Luftraum für französische Jets | Aktuell Welt | DW | 03.10.2021
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Eiszeit nach Interview

Algier sperrt Luftraum für französische Jets

Zwischen Algerien und Frankreich sind diplomatische Spannungen am Wochenende offen eskaliert. Auslöser waren einige Bemerkungen des französischen Präsidenten.

Kampfjet | Mirage 2000

Französisches Militärflugzeug während eines Einsatzes im Rahmen der Mission "Barkhane" (Archivbild)

Französische Militärmaschinen dürfen algerisches Territorium bis auf weiteres nicht überfliegen. Das bestätigte ein Sprecher des französischen Generalstabs in Paris. Die Flugzeugbesatzungen müssten ihre Flugpläne anpassen, die eigentlichen Operationen seien jedoch nicht betroffen. Frankreich nutzt den algerischen Luftraum normalerweise für Flüge in Richtung Sahelzone, wo eigene Truppen im Rahmen der Anti-Terror-Operation "Barkhane" im Einsatz sind.

Am Samstag hatte Algerien seinen Botschafter aus Paris zurückgerufen. Die ehemalige französische Kolonie ist verärgert über Aussagen, die die Tageszeitung "Le Monde" dem Hausherrn im Élysée-Palast zugeschrieben hat. Präsident Emmanuel Macron hatte von einer neuen "offiziellen" Geschichtsschreibung nach der Unabhängigkeit des Maghrebstaates gesprochen, die nicht auf Wahrheiten beruhe, sondern durch einen "Diskurs des Hasses" auf Frankreich geprägt sei. Darauf fuße das politisch-militärische System in Algerien. Zuvor hatte Paris bereits die Visa-Regelungen für Menschen aus Algerien, Marokko und Tunesien verschärft.

"Inakzeptabler Angriff"

Die Regierung in Algier wies die Aussagen Macrons "entschieden" zurück und kritisierte sie als Einmischung in innere Angelegenheiten. Es handele sich um einen "inakzeptablen Angriff" auf das Gedenken an die "Märtyrer", die sich im Widerstand gegen die französische Kolonialherrschaft "geopfert" hätten. Die algerische Zeitung "El Watan" wertete die Zitate als "Entgleisung".

Frankreich | Präsident Emmanuel Macron

"Diskurs des Hasses": Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (Archivbild)

Das französischsprachige Medium "24 h Algérie" schrieb, Macron habe sich "wie alle sogenannten Historiker und Intellektuellen der Rechten und der extremen Rechten" nicht bereit gezeigt, das französische Kolonialerbe anzuerkennen - und "die schweren Kolonialverbrechen, die in Algerien und anderswo in Afrika begangen wurden". Das nordafrikanische Land hatte im Algerienkrieg zwischen 1954 und 1962 seine Unabhängigkeit erlangt. In dem Konflikt wurden mehrere Hunderttausend Algerier und mehr als 25.000 Franzosen getötet. Ein großer Teil der algerischen Opfer waren Zivilisten.

jj/qu (dpa, afp)

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