Algeriens Proteste ″feiern″ Einjähriges | Aktuell Afrika | DW | 21.02.2020
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Nordafrika

Algeriens Proteste "feiern" Einjähriges

Zehntausende Menschen gehen auf die Straße, damit Algerien demokratischer wird. Der neue Präsident konnte die Demonstranten noch nicht zufriedenstellen, obwohl der erste Jahrestag der Proteste sogar ein Feiertag ist.

Algerien Anti-Regierungsproteste in Algier (Reuters/R. Boudina)

Nach dem Freitagsgebet füllte sich der Platz vor dem Hauptpostamt in Algier

52 Wochen nach der ersten Demonstration für demokratische Reformen in Algerien lässt die Bewegung nicht locker: Auch am ersten Jahrestag beteiligten sich Zehntausende Menschen an den Kundgebungen, die nach dem Ende der muslimischen Freitagsgebete in der Hauptstadt Algier und weiteren Städten des nordafrikanischen Landes abgehalten wurden. "Wir sind nicht hier, um zu feiern. Wir sind gekommen, damit ihr geht", skandierte die Menge im Zentrum von Algier. Im Aufruf war die Rede davon, "die Selbsterneuerungs-Agenda des Systems zu disqualifizieren und den Grundstein für eine neue Republik zu legen". Am Rande der Kundgebung am Hauptpostamt von Algier waren Polizisten in schwerer Montur zu sehen, die den Demonstranten jedoch freie Bahn ließen.

Bisher ist es dem im Dezember neu gewählten Präsidenten Abdelmadjid Tebboune noch nicht gelungen, die Demonstrierenden zufriedenzustellen. Er hatte unter anderem Reformen angekündigt, die Protestbewegung demonstrativ gelobt und den 22. Februar als ihren Jahrestag zum nationalen Feiertag erklärt.

Algerien Anti-Regierungsproteste in Algier (Reuters/R. Boudina)

Zehntausende versammelten sich in Algier und anderen Städten des Landes

Trotzdem sehen viele Mitglieder der Protestbewegung in Tebboune eine Fortsetzung des alten Systems seines Vorgängers Abdelaziz Bouteflika, der 20 Jahre lang an der Spitze des flächenmäßig größten afrikanischen Landes stand. Seit einem Schlaganfall 2013 zeigte der 82-Jährige sich nur noch selten in der Öffentlichkeit. Trotzdem erwog er, zu einer fünften Amtszeit anzutreten - bis der Druck der Demonstranten im April zu groß wurde und Bouteflika zurücktrat.

Militär regiert aus der zweiten Reihe

Aus Sicht der Analystin Dalia Ghanem vom Carnegie Middle East Center in Beirut, ist auch unter dem neuen Präsidenten in Algerien vieles beim Alten geblieben: "Tebboune ist nur die zivile Fassade eines Regimes, das in den Händen des Militärs verbleibt." Auch Bouteflika wurde nachgesagt, zuletzt als Erfüllungsgehilfe für den Armeechef Ahmed Gaid Salah gedient zu haben. Salah, der als graue Eminenz Algeriens galt, war im Dezember gestorben.

Algerien Anti-Regierungsproteste in Algier (Reuters/R. Boudina)

Diese Aufforderung, das Land zu verlassen, richtet sich wohl auch gegen übermächtige Militärs

ehl/qu (dpa, afp, ap)

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