Alarm im Darm: Erstmals Mikroplastik im Menschen nachgewiesen | Wissen & Umwelt | DW | 22.10.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Gesundheit

Alarm im Darm: Erstmals Mikroplastik im Menschen nachgewiesen

Von den Tiefen des Ozeans bis in unser Bier - Mikroplastik wurde bereits fast überall gefunden. Eine neue Studie weist jetzt nach, dass sich die kleinen Plastikpartikel auch in unseren Fäkalien befinden.

Mikroplastik hat es bis in unseren Stuhlgang geschafft. Forscher der Medizinischen Universität Wien und des Österreichischen Umweltbundesamtes haben die Ernährung und den Stuhlgang von acht Studienteilnehmern aus der ganzen Welt überprüft. Bei jedem Teilnehmer wurde Mikroplastik im Kot gefunden.

Im Durchschnitt waren es 20 Mikroplastikpartikel pro zehn Gramm Fäkalien, die zwischen 50 und 500 Mikrometer groß waren.  

"Plastik ist in unserem Alltag allgegenwärtig und Menschen sind Plastik in den verschiedensten Formen ausgesetzt", sagt Philipp Schwabl, Hauptautor der Studie, er habe jedoch nicht erwartet, "dass jede Probe positiv ausfällt."

Mikroplastik in der Zahnpasta (picture-alliance/dpa/S. Sauer)

Mikroplastik wird absichtlich in der Zahnpasta verwendet, damit die Zähne weiß gerubbelt werden

Mehr dazu: Mikroplastik gelangt über Mücken in Vögel und Fledermäuse

Woher kommt das Plastik in unserem Kot?

Plastik ist überall. Seit den 50er Jahren wird es immer häufiger benutzt. 

Mikroplastik sind kleine Plastikpartikel, die im Durchmesser fünf Millimeter oder kleiner sind. Manche werden absichtlich hergestellt und zum Beispiel für Gesichtspeelings oder Zahncrèmes verwendet. Andere lösen sich von größeren Plastikobjekten ab: zum Beispiel Fasern, die beim Waschen von unserer Kleidung fallen.

Insgesamt wurden in der Studie neun verschiedene Plastiktypen in den Stuhlproben identifiziert. Am häufigsten kamen Plastikpartikel vor, die für Verpackungen, Gewebe und Wasserflaschen genutzt werden: Polypropolyen und Polyethylenterephthalat.

"Es ist sehr wahrscheinlich", vermutet Schwabl, "dass unser Essen während der verschiedenen Verpackungsstufen in der Lebensmittelverarbeitung mit Plastik verseucht wird". Die meisten Teilnehmer hatten in ihrem Alltag aus Plastikflaschen getrunken oder Fisch oder Meeresfrüchte gegessen".

Mehr dazu: Immer mehr Plastikmüll in der Arktis

Mikroplastik Fisch (Reuters/B. Yip)

Es ist ein ewiger Kreislauf - durch Fische gelangt Mikroplastik häufig auch in uns Menschen

Gefahr für unsere Gesundheit?

Fast jedes Tier nimmt beim Fressen regelmäßig Mikroplastik auf. Die winzigen Plastikpartikel wandern von Algen zum Thunfisch und letztendlich bis zum Menschen. Die Forscher warnen, dass Mikroplastik auch die Gesundheit von Menschen beeinträchtigen könnte.

"Was uns besonders beunruhigt ist, welche Auswirkungen das Mikroplastik für Patienten mit Magen- und Darmkrankheiten haben könnte", sagt Schwabl. Denn bei Untersuchungen mit Tieren wurde die größte Anzahl an Plastikpartikeln im Darm gefunden. Besonders kleine Mikroplastikteilchen fanden sich sogar im Blutkreislauf, im Lymphsystem und in der Leber. 

Was wir noch nicht wissen

In einem kürzlich veröffentlichten Bericht über Mikroplastik kritisiert Alistair Boxall, Professor für Umwelt und Geografie an der York Universität, dass Tiere unter Laborbedingungen oft viel höheren Mikroplastikmengen ausgesetzt waren als sie in der Natur vorkommen.

"Obwohl Mikroplastik in der Umwelt vorkommt und wir es sowohl im Salzwasser als auch im Trinkwasser finden, glaube ich, dass es noch keine Beweise gibt, dass die Partikel tatsächlich einen Einfluss auf die Gesundheit von Tieren und Menschen haben", meint Boxall und fügt hinzu: "Ich glaube, dass es andere Chemikalien in der Umwelt gibt, über die wir uns viel mehr Sorgen machen sollten als über Mikroplastik."

Auch der Wiener Studienleiter Schwabl gibt zu bedenken, dass weitere Forschungen nötig sind.

"Jetzt, wo wir den ersten Beweis haben, dass sich Mikroplastik im Menschen befindet, brauchen wir mehr Recherche, um zu verstehen, was das für unsere Gesundheit bedeutet". 

.  

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links

Audio und Video zum Thema