Aktivisten in Hongkong attackieren Polizei mit Pfeil und Bogen | Aktuell Asien | DW | 17.11.2019
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China

Aktivisten in Hongkong attackieren Polizei mit Pfeil und Bogen

Die Polizisten setzen Tränengas, Gummigeschosse und Wasserwerfer ein. Die Demonstranten antworten mit Molotow-Cocktails, aber auch mit eher "geschichtsträchtigen" Waffen. Katapulte als Steinschleudern gehören auch dazu.

Hongkonger Sicherheitskräfte gingen mit Tränengas, Gummigeschossen und Wasserwerfern vor, radikale Demonstranten schossen mit Pfeil und Bogen. Ein für Medienarbeit zuständiger Polizist wurde dabei von einem Pfeil getroffen. Auf Fotos von dem Vorfall war zu sehen, wie das Geschoss im Bein des Beamten steckte. Einige Demonstranten feuerten zudem Brandsätze mit selbst gebauten Katapulten ab.

Die Ausschreitungen konzentrierten sich zunächst vor allem auf die Gegend um die Polytechnische Universität Hongkongs, die von Demonstranten besetzt wurde. Die Hochschulen der Stadt hatten sich in der vergangenen Woche zu einem neuen Brennpunkt der seit mehr als fünf Monaten andauernden Proteste entwickelt.

Tränengas-Nebel vor der Polytechnischen Universität in Hongkong (Foto: Getty Images/AFP/P. Fong)

Tränengas-Nebel vor der Polytechnischen Universität in Hongkong

Steine vom Dach der Uni

Hunderte Aktivisten haben sich derzeit in der Polytechnischen Uni verschanzt. Sie bräuchten "eine Basis, um unser Material zwischenzulagern und uns nachts auszuruhen, bevor der Kampf am nächsten Morgen weitergeht", sagte ein 23-jähriger Student. Die Demonstranten feuerten bereits mit einem Katapult vom Dach der Hochschule Steine ab. Auf diese Weise verhinderten sie ein Vorrücken der Polizisten. Zudem setzen die Regierungskritiker weiter Molotow-Cocktails ein. 

Mehrere Universitäten haben inzwischen angekündigt, das Semester vorzeitig zu beenden. In Erwartung weiterer Proteste und Blockaden kündigten die Behörden an, dass die Schulen und Kindergärten der Stadt an diesem Montag weiter geschlossen bleiben. Tatsächlich riefen Aktivisten in den Onlinenetzwerken für Montag zu einer "Dämmerungsaktion" auf. "Stehen Sie früh auf, zielen Sie direkt auf das Regime, quetschen Sie die Wirtschaft aus, um den Druck zu erhöhen", hieß es auf einem Plakat, das im Internet kursierte. 

Regierungsanhänger räumen Barrikaden weg

Mittlerweile machen aber auch die Regierungsanhänger wieder mobil. Dutzende versammelten sich in der Nähe des Universitätsgeländes, um Barrikaden zu beseitigen. Etwa 80 bis 100 Menschen mittleren Alters klatschten und jubelten, als die Regierungsanhänger auch Trümmer von der Straße in der Nähe vom Eingang des umkämpften "Cross Harbour"-Tunnels wegräumten. Der Tunnel wurde seit Dienstag blockiert.  

In der vergangenen Woche hatte Hongkong die gewaltsamsten Zusammenstöße seit Beginn der Proteste am 9. Juni erlebt. Am Samstag mischten sich zum ersten mal chinesische Soldaten in das Geschehen ein.

Video ansehen 03:19

Sind die Proteste in Hongkong gerechtfertigt?

Männer der Volksbefreiungsarmee waren unbewaffnet in kurzen Hosen und T-Shirts unterwegs und räumten Steine und andere Objekte von der Straße in der Nähe der zuvor von Demonstranten besetzten Hong Kong Baptist University. Laut der Verfassung von Hongkong dürfen die in der Sonderverwaltungszone stationierten chinesischen Soldaten die Kaserne nicht verlassen. Gemäß Artikel 14 kann die Hongkonger Regierung sie jedoch um Unterstützung bitten, wenn die öffentliche Ordnung in Gefahr ist. Regierungsvertreter stellten indes klar, nicht um den Einsatz gebeten zu haben.

Die Proteste richteten sich zunächst gegen ein geplantes Gesetz, das erstmals auch Auslieferungen nach Festland-China ermöglicht hätte. Inzwischen fordert die Protestbewegung umfassende demokratische Reformen und die Absetzung der pro-chinesischen Regierung.

sti/jv/hk (dpa, afp, rtr)

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