Aktienmärkte: Crash, Panik oder Korrektur? | Wirtschaft | DW | 11.10.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Börse

Aktienmärkte: Crash, Panik oder Korrektur?

Was ist los an den Börsen? Schon am Mittwoch sackten die Kurse ab - auch am Donnerstag ging der Abwärtstrend weiter. Händler sind alarmiert. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Warum bricht der Aktienmarkt jetzt ein?

Man muss unterscheiden zwischen einem länger schon anhaltenden Unbehagen an den Finanzmärkten und dem aktuellen Auslöser. Der dürfte in den pessimistischen Äußerungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) der letzten Tage liegen. Der hatte zunächst vor allem wegen der Handelskonflikte zwischen den USA und China seine Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft gesenkt. Dann warnte er vor abrupten Turbulenzen an den Finanzmärkten - auch wegen der Handelskonflikte und geopolitischen Risiken. Das ließ am Mittwoch weltweit die Börsen abstürzen. Am Donnerstag gab es weitere Verluste.

Welche weiteren Risiken sehen die Anleger?

Sie sorgen sich um einen massiven Zinsanstieg in den USA. Denn vor einer Woche hatte Jerome Powell, der Präsident der amerikanischen Notenbank Fed, von einer "bemerkenswert positiven" Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft gesprochen. Wenn das so bleibe, werde die Notenbank die Zinsen vielleicht noch schneller anheben als zuvor angekündigt. Wenn die Zinsen zu schnell steigen, könnte das die Konjunktur auch wieder abwürgen, fürchten manche Börsianer. "Das Thema Zinsen wird zu hoch gehängt", meint jedoch Hans-Jürgen Delp, Anlagestratege der Commerzbank: "Die Fed macht einen Super-Job." Sie richte sich nach der Entwicklung der Konjunktur, sie werde sie sicher nicht abwürgen.

Donald Trump geht die Treppen der Air Force One hinunter (Reuters/L. Millis)

Donald Trump beeinflusst mit seinen Aussagen die Börsen

US-Präsident Donald Trump dagegen hatte gewettert, die Fed sei verrückt geworden. Dabei war er es, der mit der Steuerreform Ende des vergangenen Jahres die schon gut laufende Wirtschaft noch stärker angeschoben hatte. Mit  weiteren Zinserhöhungen musste er deshalb eigentlich rechnen, denn die Fed will nicht, dass die Wirtschaft überhitzt.

Welche Rolle spielt die italienische Politik an den Märkten?

Vor allem in Europa schaut man auf Italien. "Diese Diskussion ist noch nicht ausgestanden", meint Michael Holstein, Leiter der Abteilung Volkswirtschaft bei der DZ-Bank. "Die Währungsunion ist zwar nicht unmittelbar gefährdet. Aber der Konflikt hat potenziell große Sprengkraft." Denn Italien ist zum einen die drittgrößte Volkswirtschaft der EU. Zum anderen legt es die italienische Regierung mit ihrem Haushaltsentwurf und dem Ausbau der Staatsschulden auf einen Streit mit der EU an. "Die italienische Regierung dürfte ein Problemfaktor bleiben", glaubt auch Commerzbank-Kapitalmarktstratege Delp.

Wie wirkt sich die Lage an den Finanzmärkten auf die Schwellenländer aus?

Die Wirtschaftspolitik der Türkei etwa hat zwar nicht den aktuellen Crash ausgelöst. Aber Schwellenländer spüren meist als erste eine Veränderung der Geldpolitik in den USA. Denn wenn die Zinsen dort steigen, wird die Anlage im Dollar und US-Anleihen wieder reizvoller. Deshalb ziehen Anleger dann ihre Gelder aus den Schwellenländern ab, weil die Investitionen dort auch mit höherem Risiko verbunden sind, und legen sie etwa in amerikanischen Staatsanleihen an. Das kann dann weitere Turbulenzen in den Schwellenländern auslösen.

Türkische Lira in einer Kasse (picture-alliance/E.Oprukcu)

Aus der Türkei wurde viel ausländisches Kapital abgezogen

Gibt es weitere Unsicherheiten? 

Die Sorge, ob es zu einem harten Brexit kommt, hat in den letzten Tagen etwas nachgelassen. Inzwischen scheinen sich die Briten und die Europäische Union etwas anzunähern. Dennoch bleiben die Finanzmärkte auch hier wachsam, denn eine mögliche Einigung müsste ja vom Parlament noch bestätigt werden.

Welche Aktien werden verkauft?

Alle - bis auf einige defensive Titel. Dazu zählt auch Bayer: Die Aktien des Leverkusener Agrarchemiekonzerns stiegen deutlich. Denn in einem Prozess in den USA um die möglicherweise krebserregende Wirkung des Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat der amerikanischen Tochter Monsanto könnte es zu niedrigeren Entschädigungszahlungen kommen. Besonders hart trifft es dagegen die Aktien, die vorher stark zugelegt hatten. Das sind IT-Aktien oder die der Kommunikationsbranche, also von Apple, Microsoft oder Intel.

Wie geht es nun weiter?

Das ist zum aktuellen Zeitpunkt schwer zu sagen. Für die Börsianer ist auch die Charttechnik ein Anhaltspunkt. Die richtet sich etwa an bestimmten Haltepunkten aus. So lag eine Widerstandsmarke bei 11.800 Punkten. Als die dann nach mehrfachem Testen brach, ging es abwärts. Der nächste Haltepunkt wäre bei 11.480 Punkten. Es gibt Experten, die in den aktuellen Entwicklungen Parallelen zum Anstieg der Börsen bis 1929 sehen, die in der Finanzkrise endeten: Davor warnte kürzlich Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Shiller. Andere sehen in den Rückschlägen einen guten Zeitpunkt zum Kauf.

Die Redaktion empfiehlt