Airbus plant Großes mit kleiner Maschine | Wirtschaft | DW | 10.07.2018
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Luftfahrt

Airbus plant Großes mit kleiner Maschine

Airbus hat die für den kanadischen Flugzeugbauer Bombardier ruinöse C-Serie übernommen und umgetauft. Langfristig erwartet der paneuropäische Konzern von den neuen kleinen Flugzeugen ein großes Geschäft.

Der europäische Flugzeugbauer Airbus benennt die von Bombardier übernommene Mittelstrecken-Baureihe C-Serie in A220 um. Der Name wurde im Airbus-Auslieferungszentrum bei Toulouse vorgestellt, wo ein Flugzeug mit einer entsprechenden Lackierung vor Mitarbeitern und Journalisten vorbeiflog.

Airbus hatte zum 1. Juli die knappe Mehrheit an der Baureihe übernommen, deren teure Entwicklung den kanadischen Bombardier-Konzern in finanzielle Schwierigkeiten gebracht hatte.

Die Europäer erweitern damit ihre Produktpalette im Bereich kleinerer Mittelstreckenjets, ohne selbst Geld in die Entwicklung investieren zu müssen. Bombardier ist weiterhin an dem Programm beteiligt und setzt darauf, dass das Flugzeug sich unter dem Dach von Airbus besser verkauft.

Große Geschäfte mit kleinen Maschinen

"Ich glaube, es wird nicht lange dauern, bis wir die ersten Erfolge am Markt sehen", sagte Airbus-Vertriebschef Eric Schulz. Der Flugzeugbauer benennt die bisherige CS100 mit 110 Sitzen in A220-100 um, die CS300 mit 130 Plätzen heißt nun A220-300.

Der kanadische Flugzeug- und Bahntechnik-Konzern Bombardier hatte die Hoffnung aufgegeben, sich auf eigene Faust mit den Kurzstreckenmaschinen für 110 bis 130 Passagiere am Weltmarkt durchzusetzen. Airbus zahlt einen symbolischen Betrag für die Übernahme und setzt darauf, dass seine große Vertriebsmannschaft mehr Erfolg hat. Dritter Eigentümer neben Airbus und Bombardier ist der kanadische Bundesstaat Quebec.

Auch Boeing setzt jetzt auf die Kleinen

Langfristig - auf 20 Jahre - sieht Airbus eine Nachfrage von 7000 kleineren Flugzeugen mit 100 bis 150 Sitzen, zu denen neben dem künftigen A220 auch der Airbus A310 gehören. Mindestens die Hälfte solle davon auf die C-Series-Jets entfallen.

Größter Konkurrent bei den Regionaljets ist die brasilianische Embraer, die kurz vor der Übernahme durch den amerikanischen Airbus-Erzrivalen Boeing steht. Airbus und Boeing hatten sich lange auf Maschinen mit mindestens 150 Plätzen konzentriert und das kleinere Segment erst vor kurzem für sich entdeckt.

Großauftrag aus den USA

Für sein neues Regionalflugzeug-Programm darf  Airbus mit raschen Verkaufserfolgen rechnen. Der zuständige Verkaufschef David Dufrenois sagte in Toulouse, Airbus rechne noch im laufenden Jahr mit einer zweistelligen Zahl von Aufträgen für das Programm, für das der bisherige Eigentümer Bombardier jahrelang vergeblich auf Orders gewartet hatte.

Unterdessen ist der erste Großauftrag für A220-300 gesichert. Die US-Luftfahrtgesellschaft Jet-Blue teilte mit, sie habe 60 Maschinen dieses Typs geordert. Der Airbus hatte die Amerikaner damit gelockt, dass sie dann bei Bestellungen größerer Maschinen schneller bedient würden.

dk/sti/ul (dpa, Reuters)