Afrika: Flieger heben mit gestutzten Flügeln ab | Afrika | DW | 06.07.2020
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Luftfahrt

Afrika: Flieger heben mit gestutzten Flügeln ab

Die Corona-Krise verhindert die Rückkehr zum normalen Flugalltag. Doch afrikanische Fluglinien rüsten sich für den Abflug in alle Himmelsrichtungen. Für viele Airlines wird es schwer, im Wettbewerb zu bleiben.

Ein Airbus A350-900 der South African Airways

Wie lange kann sich die insolvente Fluggesellschaft South African Airways noch in der Luft halten?

Noch bleiben weltweit viele Passagierflugzeuge wegen der Corona-Krise am Boden. Auch in Afrika zeigten Radargeräte wenig Bewegung am Flughimmel. Doch seit Anfang Juni nimmt der Flugverkehr wieder zu. "Die meisten südafrikanischen Billigflieger haben ihre Inlandsflüge wieder aufgenommen", sagt Phuthego Mojapelo, Luftfahrtexperte in Südafrika. Dort heben unter anderem die Flugzeuge von FlySafair und Mango Airlines bereits ab. Letztere ist der nationalen Fluggesellschaft South African Airways (SAA) angegliedert. Diese war schon vor Ausbruch der COVID-19-Pandemie angeschlagen und meldete im Dezember 2019 Insolvenz an.

Die südafrikanische Regierung hat sich nach zähem Ringen um Zuschüsse für die Luftlinie im Frühjahr 2020 doch dagegen entschieden. Der Staat wollte kein Geld mehr in die Airline pumpen - es werde für die Bekämpfung der Pandemie gebraucht, hieß es. "Aus der Konkursmasse soll bald eine neue, kleinere Airline SAA 2.0 gegründet werden. Die Pläne werden von Gewerkschaften und Gläubigern diskutiert", sagt Mojapelo im DW-Interview. Der Ausfall von SAA hinterlässt eine echte Lücke - sie zählte mit Ethiopian Airlines und Kenya Airways zu den größten afrikanischen Fluggesellschaften.

Hohe Verluste eingeflogen

Auch Kenya Airways hatte hohe Verluste eingeflogen und wird gerade verstaatlicht. Die finanzstärkste, die äthiopische Fluglinie, beklagte bereits Anfang April 550 Millionen US-Dollar Verlust. "Das wären unsere Einnahmen, wenn wir mit voller Kapazität hätten fliegen können", sagte Tewolde Gebremariam, Geschäftsführer von Ethiopian Airlines, im DW-Interview. Laut der internationalen Luftverkehrsvereinigung drohen afrikanische Fluglinien im Vergleich zu 2019 Einnahmen in Höhe von sechs Milliarden US-Dollar sowie drei Millionen Arbeitsplätze zu verlieren.

Wartungsarbeiten am leeren Internationaler Flughafen Jomo Kenyatta in Nairobi, Kenia

Am Jomo-Kenyatta-Flughafen in Nairobi nutzte man den eingestellten Flugbetrieb für Wartungsarbeiten

Inzwischen stehen auch wieder Langstreckenflüge an: Ethiopian Airlines und Kenya Airways wollen im Juli wieder Paris, Genf und Brüssel anfliegen. Allerdings mit einem reduzierten Flugplan.

Kaum Ansteckungsgefahr für Fluggäste

Doch trägt der ausgeweitete Flugverkehr zur Verbreitung des Coronavirus bei? Mojapelo ist optimistisch: "Die meisten Flugzeuge in Afrika sind mit effizienten Filtern ausgestattet, die eine Ausbreitung des Virus an Bord verhindern", sagt er. An südafrikanischen Flughäfen wird bei den Passagieren die Körpertemperatur gemessen. Die volle Besetzung der Reihen ist erlaubt. Transportminister Fikile Mbalula sprach von geringerer Ansteckungsgefahr an Bord als in vielen anderen geschlossenen Räumlichkeiten.

Eine Stewardess kontrolliert die Temperatur einen Passagiers

Rückholflug aus Miami: Wer Mitte April von SSA mitgenommen werden wollte, musste seine Temperatur checken lassen

Kaum Gefahr für Passagiere sieht auch der deutsche Luftfahrtexperte Cord Schellenberg. "Weltweit werden Flughafengesellschaften dafür sorgen, dass der Abstand am Boden bei den Kontrollen am Check-in, am Gate und Gepäckschalter eingehalten wird", sagt er im DW-Interview. An Bord helfe das Tragen von Masken sehr. Und auch die Klimaanlagen, die Luft an der Kabinendecke einströmen lassen, am Fußboden wieder abziehen und austauschen.

Ticketpreise: rauf oder runter?

Die Fluggesellschaften gehen davon aus, dass es eine Weile dauern wird, bis die Wirtschaft wieder das Niveau vor der Pandemie erreicht. Das könnte Auswirkungen auf die Ticketpreise haben.

Auf dem inländischen Markt seien sie bisher gleich geblieben, sagt der Südafrikaner Mojapelo. Die Aussichten bewertet er positiv: "Afrika ist ein Magnet für Touristen und die Airlines werden sich für dieses Geschäft weiterhin positionieren", sagt der Luftfahrtexperte. "Der Kontinent auch ist ein häufiges Ziel für Konferenzen - die Industrie erholt sich, wenn die Pandemie schwindet."

Verwaister Flughafenparkplatz in Dakar, Senegal

Verwaister Flughafenparkplatz: Auch in Dakar, Senegal, ging Ende März quasi nichts mehr

Skeptisch ist aber sein Kollege Joachim Vermoorten mit Blick auf die Corona-Krise, die sich beispielsweise in Südafrika auf dem Höhepunkt befindet. "Der Flugmarkt ist auf keinen Fall zur Normalität zurückgekehrt. Dafür müssen alle Reisebeschränkungen fallen und der Luftverkehr für alle frei zugänglich sein, auch für Freizeitreisende", schreibt Vermoorten auf DW-Anfrage. Die Menschen hätten sich an Video-Konferenzen gewöhnt und das Problem, den persönlichen Sicherheitsabstand einzuhalten, spiele eine große Rolle beim Ticketkauf. "Die Preise werden steigen. Die Aussichten für die Fluggesellschaften sind nicht rosig, denn die Nachfrage wird geringer sein."

Günstige Tickets sichern Nachfrage

Der Preis für ein Flugticket ist laut Schellenberg ein wichtiges Instrument: Es ist ein Lockmittel. Er erwartet günstigere Preise für Privatreisende, um die Nachfrage für eine Reise nach Afrika zu stimulieren. Dagegen müssen Geschäftsreisende seiner Einschätzung nach künftig - wenn der Markt angezogen hat - tiefer in die Tasche greifen. Offen ist, ob diese Kunden wie gewohnt in der 1. Klasse oder der Geschäftsklasse fliegen oder auf günstigere Ticketklassen zurückgreifen.

"Viele afrikanische Fluglinien werden es schwer haben, wirtschaftlich in gesunde Gefilde zu fliegen", sagt Schellenberg. "Sie brauchen staatliche Unterstützung, wie auch in Europa, USA und Asien zu sehen ist." Politischer Wille und ökonomische Möglichkeiten seien entscheidend. Es gehe darum, dass Mitarbeiter und die Leih- oder Kaufraten von Flugzeugen bezahlt werden könnten. Und es geht auch um wirtschaftliche Effizienz: Um mit dem aktuellen Potential an Fluggästen wettbewerbsfähig zu bleiben, helfen nur verbrauchsarme und moderne Flugzeuge, glaubt Schellenberg.

In einer früheren Version des Artikels hieß es, FlySafair gehöre zu South African Airways. Dies ist nicht der Fall. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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