Afghanische Regierung lässt Gespräche mit Taliban platzen | Aktuell Asien | DW | 22.08.2018
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Afghanistankonferenz

Afghanische Regierung lässt Gespräche mit Taliban platzen

Die Taliban wollen zur Friedenskonferenz nach Moskau kommen, die afghanische Regierung allerdings nicht. Dies bestätigte sie der Deutschen Welle. Der russische Außenminister Lawrow gerät damit in eine schwierige Lage.

Ein Friedensprozess könne nur von Seiten der afghanischen Regierung initiiert und vorangebracht werden. Die Führung in Kabul strebe direkte Gespräche mit den radikalislamischen Taliban ohne ausländische Beteiligung an, sagte Sebghatullah Ahmadi, Sprecher der Regierung in Kabul, in einem Interview mit der Deutschen Welle. "An jeglichen weiteren Treffen, die nicht unter der Federführung der afghanischen Regierung abgehalten werden, wird diese nicht teilnehmen ", führte  Ahmadi aus. 

Regierungssprecher Ahmadi betonte in diesem Zusammenhang, dass Afghanistan gute Beziehungen zu Russland pflege und dies auch in Zukunft tun werde. Friedensgespräche könnten aber nur dann unterstützt werden, "wenn die Interessen Afghanistans im Vordergrund stehen".

Lawrow in der Zwickmühle

Russlands Außenminister Sergej Lawrow, der den Dialog organisiert hatte, hatte nach eigenen Worten darauf gehofft, dass das Treffen in Moskau dazu führen werde, dass die Taliban in einen Dialog mit der afghanischen Regierung eintreten würden. Bei den Gesprächen sollten auch Afghanistan, Pakistan, China, der Iran und Indien beteiligt werden. Diese Staaten hatten alle zugesagt.

"Moskauer Präventionsmaßnahme"

Der afghanische Politik-Experte Wadir Safi von der Universität Kabul vermutet, die Konferenz sei von den Russen als eine Art Präventionsmaßnahme gegen den Terrorismus in Afghanistan geplant gewesen. "Was den Friedensprozess angeht, will Russland nicht außen vor bleiben", so Safi im Gespräch mit der DW. "Durch die Kontaktaufnahme zu den Kriegführenden wollen sie sich schützen". 

Laut Safi pflegt Moskau bereits seit Jahren Kontakte zu den radikal-islamischen Taliban. Dadurch erhoffe sich Russland eine Eindämmung des Terrorismus, insbesondere der Terrormiliz "Islamischer Staat" , die sich weiter in vielen Teilen Afghanistans ausbreitet. Durch die 1300 Kilometer lange Grenze Afghanistans zu Tadschikistan, Teil der ehemaligen Sowjetunion, sehe sich Russland bedroht.  

Außenminister Lawrow dementierte jedoch Angaben, dass Moskau in Afghanistan mit Hilfe der Taliban den IS zurückdrängen wolle. So hatte es der afghanische Botschafter in Russland, Abdul Kajum Kotschai, am Vortag dargestellt. "Ich kann mir nicht einmal hypothetisch vorstellen, wie Russland die Taliban für den Kampf gegen die IS nutzen könnte", sagte Lawrow auf einer Pressekonferenz, um dann allerdings hinzuzufügen: "Wir bekämpfen den IS mit allen verfügbaren Mitteln. Wir unterstützen Syrien in diesem Kampf, wir rüsten die irakische Armee für dieses Ziel aus. Natürlich möchten wir auch, dass die Menschen in Afghanistan den IS loswerden".

Waffenlieferungen?

Die Taliban wie der IS sind in Russland als Terrorgruppen verboten. Die USA werfen Moskau indes vor, die Taliban mit Waffen zu versorgen. Lawrow sagte, die Kontakte zu den Taliban seien bekannt. Sie gehörten zur russischen Afghanistan-Strategie, weil die Fundamentalisten dort Teil der Bevölkerung seien. Außerdem gehe es bei den Kontakten oft um Fragen der Sicherheit russischer Bürger.

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Mit heftigen Angriffen auf die Stadt Ghasni demonstrierten die Taliban ihre derzeitige Stärke

Die Taliban sind derzeit in Afghanistan auf dem Vormarsch und haben immer mehr Gebiete wieder unter ihre Kontrolle gebracht. Präsident Aschraf Ghani hatte den Fundamentalisten eine dreimonatige Waffenruhe angeboten, die am vergangenen Montag in Kraft treten sollte. Eine Antwort darauf steht aus.

cgn/qu (ap, dpa, Deutsche Welle)

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