Acqua Alta bedroht Kulturstätten in Venedig | Kultur | DW | 13.11.2019
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Italien

Acqua Alta bedroht Kulturstätten in Venedig

Land unter in Venedig: Ein Rekord-Hochwasser hat die Lagunenstadt seit Dienstagabend im Griff. Schwer getroffen sind auch viele Kultureinrichtungen. Die meisten mussten schließen.

"Mit diesem Ausmaß haben wir nicht gerechnet", sagt Petra Schaefer vom Deutschen Studienzentrum in Venedig. Das von der Bundesregierung finanzierte Institut - zuständig für den deutsch-italienischen Kultur- und Wissenschaftsaustausch - residiert im historischen Palazzo Barbarigo della Terrazza, direkt am Canale Grande. In der Nacht habe der Wasserstand rekordverdächtige 1,87 Meter erreicht. "Vorhergesagt waren 1,45 Meter", berichtet die Kunsthistorikerin im Interview mit der Deutschen Welle, "vorbereitet waren wir auf 1,60 Meter".

Aus diesem Grund wurde das Archiv des Deutschen Studienzentrums kniehoch überflutet, wie Schaefers eigene Fotos (Bild unten) zeigen. Aktenordner mit Unterlagen, Werbematerial und Bücher versanken im Salzwasser, das der stürmische Wind unablässig in die Lagune drückte, begleitet von Dauerregen. Schaefer, die seit 20 Jahren in Venedig lebt, registrierte aber keine Panik, trotz der Extremhochwasser-Sirenen, die während der Nacht mindestens vier Mal Alarm gaben. "Überall boten Menschen ihre Hilfe an - es gab eine große Welle der Solidarität."

Rekodhochwasser Venedig, Blick in das Deutsche Studienzentrum (Petra Schaefer/Deutsches StudienzentzrumVenedig)

Blick in das Deutsche Studienzentrum

Markusdom überschwemmt

Seit Dienstagabend ist der Markusplatz im Zentrum der Unesco-Welterbestadt vollkommen überflutet. Morgens konnten Touristen und Einheimische noch in Gummistiefeln über den Platz waten. Abends dann fuhr nur noch die Polizei mit Booten. Hart traf es den Markusdom, die Basilika aus dem 9. Jahrhundert und Wahrzeichen der Lagunenstadt, in dem das Wasser zeitweise bis zu 1,10 Meter hoch stand. Die tieferliegende Krypta wurde sogar komplett geflutet. Es entstanden Schäden am Mauerwerk, wie italienische Medien berichten. "Wir versuchen, den Schaden in Grenzen zu halten", sagte der Ingenieur der Basilika, Pierpaolo Campostrini, der italienischen Nachrichtenagentur Ansa.

Blick in den überschwemmten Markusdom (picture-alliance/dpa/L. Bruno)

Blick in den überschwemmten Markusdom

Von einem "Zustand der Katastrophe und Wachsamkeit" in der Lagunenstadt, spricht auch Karole Vail, die Leiterin der Peggy Guggenheim Collection. "Glücklicherweise geht es dem Museumspersonal gut", sagte Vail auf DW-Anfrage, "das Museum und die Sammlungen wurden nicht beschädigt." Aus Sicherheitsgründen habe sie das viel besuchte Privatmuseum bis einschließlich Donnerstag, den 14. November für die Öffentlichkeit geschlossen.

Viele Kultureinrichtungen geschlossen

Eine Vorsichtsmaßnahme, zu der sich auch andere Institutionen in der Weltkulturerbestadt gezwungen sahen. Vor verschlossener Tür stehen nunmehr Besucher des berühmten Palazzo Grassi am Ufer des Canale Grande, in dem derzeit eine umfangreiche Werkschau des belgischen Malers Luc Tuymans zu sehen ist. Das Teatro La Fenice, das größte und bekannteste Opernhaus in Venedig, das 1996 nach Brandstiftung bis auf die Grundmauern niederbrannte und wiederaufgebaut worden ist, hat jetzt ebenfalls wegen des Hochwassers geschlossen. Auf Twitter waren Fotos zu sehen, die das berühmte Gebäude umgeben vom Hochwasser zeigen. 

Land unter heißt es, wie die DW erfuhr, auch im Stadtteil Castello, alle zwei Jahre Hauptschauplatz der internationalen Kunstbiennale von Venedig. In der Parklandschaft, den Giardini, residieren neben dem deutschen die meisten der Länderpavillons. Teile der Biennale erstrecken sich auch auf die Hallen der historischen Schiffswerft Arsenale. "Die Giardini und das Arsenale sind nur schwierig zu erreichen", sagt Marco Carrino, der sich im Auftrag des deutschen Instituts für Auslandsbeziehungen (Ifa) um den deutschen Biennale-Pavillon kümmert, "es fährt kein Vaporetto." Zwar liegt der deutsche Pavillon auf einem Hügel und sei vom Hochwasser nicht gefährdet. Doch drohten nach dem Sturm Bäume umzustürzen. Teile des Arsenale stünden unter Wasser, so Carrino. "Ich habe Angst, dass es dort Schäden gab."

Hochwasser wird bleibende Schäden hinterlassen

Eigentlich gehört das "Acqua Alta" zu Venedig. Doch diesmal kam es viel schlimmer als erwartet: "Dieses Hochwasser wird eine Wunde in der Stadt hinterlassen, die nicht so schnell heilen wird", schrieb der Bürgermeister der norditalienischen Stadt, Luigi Brugnaro, im Kurznachrichtendienst Twitter. Er machte den Klimawandel für die immer häufiger werdenden Überschwemmungen verantwortlich. "Wir rufen die Regierung auf, uns zu helfen", so der Bürgermeister. "Die Kosten werden hoch sein."

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