Abschied von Heynckes bei Meisterfeier | Fußball | DW | 20.05.2018
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FC Bayern München

Abschied von Heynckes bei Meisterfeier

Wieder darf der FC Bayern am Ende der Saison nur einen Titel feiern. Trainer Jupp Heynckes beendet seine große Karriere mit einer schmerzhaften Niederlage im Pokalfinale und hat nun andere Ziele im Leben.

Auch wenn es am Ende der Saison "nur" die Meisterschaft zu feiern gab, wurde ein Mann aus dem Tross des FC Bayern München ganz besonders gefeiert: "Jupp, Jupp, Jupp" schallte es zu Ehren des scheidenden Trainers Jupp Heynckes immer wieder über den mit einigen tausend Anhängern gut gefüllten Marienplatz in München. Ein letztes Mal vor dem jetzt wohl endgültigen Renteneintritt stand der 73-Jährige auf dem Rathausbalkon im Mittelpunkt. "Ein großes Dankeschön an Euch und an meine Mannschaft", rief der Triple-Trainer von 2013 den Fans zu.

Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge pries die Verdienste von Heynckes. "Es ist wichtig, dass man diesen Mann ehrt", sagte Rummenigge. Er blickte auch auf das 1:3 im Pokalendspiel gegen Eintracht Frankfurt zurück. "Ich glaube, es ist wichtig, dass man aus den Niederlagen immer die richtigen Lehren zieht", betonte der Vorstandschef. Den Spielern, die alle in bayrischer Tracht gekommen waren, war die Enttäuschung über die Pokalschmach immer noch deutlich anzusehen.

Hummels: "Wie eine Entenfamilie"

Auch die geplante Titelparty am Vorabend war nach der Pokalsensation im Berliner Olympiastadion nicht richtig in Schwung gekommen. Emotional war's trotzdem. Zu den Klängen von "Time To Say Goodbye" hielten die Edelfans beim nächtlichen Bayern-Bankett Schals mit der Aufschrift "Jupp, Jupp, Jupp" in die Höhe. Der 73-Jährige und seine mit betretenen Mienen auf der Bühne aufgereihten Stars steckten noch mitten in der Frustbewältigung der Final-Schmach. "Es gibt so Tage, die sind gebraucht", haderte Heynckes nach dem letzten Spiel seiner herausragenden Karriere.

Kurz nach Abpfiff des Endspiels hatte es Irritationen gegeben, weil der Großteil der Münchener Mannschaft inklusive Heynckes nach der Medaillenübergabe direkt in der Kabine verschwunden war, statt auf dem Feld mitzuerleben, wie die Frankfurter den Pokal in die Höhe stemmten und dem Sieger Respekt zu zollen.

Heynckes sprach anschließend bedauernd von einem Missverständnis. "Ich hätte erwartet, dass ein Verantwortlicher des FC Bayern oder des DFB uns mitteilt, so lange zu warten, bis der Pokal überreicht ist", sagte er.  Weltmeister Thomas Müller ergänzte: "Das war kein Zeichen von Respektlosigkeit. Es ist schon hart genug, als Verlierer durch ein Spalier zu gehen. Das ist ein harter Gang, da den Siegern ins Gesicht zu sehen." Und Mats Hummels erklärte, "dass wir fast reingeleitet wurden. Einer hat den Anfang gemacht - und alle anderen sind wie eine Entenfamilie hinterhergedackelt."

Am nächsten Tag in München war der Zwischenfall vergessen. Stattdessen gab es die erste kleine Bilanz von Bayern-Präsident Uli Hoeneß, der angesichts des verpassten Champions-League-Finals und der Niederlage im Pokalendspiel eine Transferoffensive ausschloss: "Wir werden nix mehr investieren, sondern werden unsere Spieler dazu bringen, besser zu spielen als gestern", sagte er am Rande der Meisterfeier.

Heynckes: "Will mein Leben wieder genießen"

Dennoch steht früher oder später ein Umbruch beim Rekordmeister an. Bislang hat der FC Bayern mit Schalkes Leon Goretzka nur einen gestandenen Profi verpflichtet. Zudem wurden die Verträge der "Altstars" Arjen Robben, Franck Ribery und Rafinha verlängert. Die Münchener setzen was den Kader angeht also auf Bewährtes und hoffen, dass in der kommenden Spielzeit unter dem neuen Trainer Niko Kovac am Ende nicht nur ein Titel zu feiern sein wird.

Jupp Heynckes wird sich das Ganze dann wieder vom Sofa aus ansehen. Ihn zieht es zurück auf seinen Bauernhof bei Mönchengladbach, zu Frau, Familie und Schäferhund Cando. "Mit 73 Jahren weiß man nicht, wie lange man noch zu leben hat", sagte er zum Abschied und ergänzte: "Ich möchte ab nächster Woche wieder mein Leben genießen."

asz (sid, dpa)

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