72. Ruhrfestspiele Recklinghausen starten unter dem Motto ″Heimat″ | Kunst | DW | 30.04.2018
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Kunst

72. Ruhrfestspiele Recklinghausen starten unter dem Motto "Heimat"

Kunst für Kohle - Kohle für Kunst. Ein Tausch im Nachkriegswinter markierte den Beginn der Ruhrfestspiele, eines der größten Theaterfestivals Europas. 2018, im Jahr des Steinkohleausstiegs, lautet das Motto "Heimat".

In diesem Jahr haben es die Ruhrfestspiele Recklinghausen mit einigen Besonderheiten zu tun. Nicht nur, dass diese Festspiele das letzte Mal unter der Leitung von Intendant Frank Hoffmann stehen; auch das endgültige Ende des Steinkohlebergbaus im Ruhrgebiet naht. Im Dezember heißt es für die Bergleute in der Zeche Prosper Haniel in Bottrop: Schicht im Schacht Das Ende einer Ära steht bevor. 

An Schwung verlieren die Ruhrfestspiele, die vom 1. Mai bis zum 17. Juni dauern, dadurch aber keineswegs. Insgesamt stehen 111 Produktionen in 298 Aufführen im Programm. Mit 13 Uraufführungen und jeder Menge Premieren setzt man auch in diesem Jahr auf ein altbewährtes Erfolgsgeheimnis.

Große Namen und Bühnen

Dazu sind auch in diesem Jahr wieder große Namen von nationalen und internationalen Schauspielern wie Burghart Klaußner (u.a. "Das weiße Band"), Nina Hoss, Corinna Harfouch oder Devid Striesow sowie US-Stars John Malkovich und Bill Murray vertreten.

Foto von Dr. Frank Hoffmann, Leiter Ruhrfestspiele Recklinghausen.

Frank Hoffmann, seit 2004 Festspielleiter

Mit dem Wiener Burgtheater, dem Deutschen Theater Berlin, dem Schauspiel Stuttgart und dem Berliner Ensemble kommen außerdem einige der renommiertesten Häuser an den nördlichen Rand des Ruhrgebiets.

Leitmotiv der Festspiele ist im Jahr des Steinkohleabschieds der vielschichtige Begriff "Heimat". Das kann Herkunfts- und Wohnort bedeuten, ein Gefühl, ein Teil der Identität, gemeinschaftsstiftend oder auch ausgrenzend sein. "Heimat beschreibt auch etwas, das in der Zukunft liegen könnte, eine Überwindung der Gegensätze, einen utopischen Begriff", sagt Intendant Hoffmann.

Dürrenmatt-Stück eröffnet Festspiele 

Er selbst führt Regie bei der Eröffnungsproduktion "Der Besuch der alten Dame" von Friedrich Dürrenmatt, das in Koproduktion mit dem Burgtheater Wien entstanden ist. Das Stück handelt von einer Rückkehr in die Heimat mit schweren Folgen.

Der Dramatiker Albert Ostermaier nähert sich zum Ende des Festivals von anderer Warte: Er hat sich ein avantgardistisches Projekt von Bertolt Brecht und Kurt Weill aus den 1920er Jahren vorgenommen. "Die verlorene Oper - Ruhrepos" soll ein Werk über und für das Ruhrgebiet werden, auf die Bühne gebracht vom isländischen Regisseur Thorleifur Örn Arnarsson.

Deutschland Ruhfestspiele | Szene aus dem Stück Coal. (J. Armitage)

In "Der Besuch der alten Dame" stehen Burghart Klaußner und Maria Happel auf der Bühne

Festspiele im Zeichen des Steinkohleausstiegs 

Vielleicht können die Festspiele etwas Balsam liefern für das emotionale Ende des lange prägenden Steinkohlebergbaus in der Region. Wie erbarmungslos es dabei in Großbritannien zuging, schildert das englische Tanztheater "Coal": Das Epos über den nordenglischen Bergbau thematisiert die harte Arbeit unter Tage, aber auch den langen Bergarbeiterstreik gegen Grubenschließungen zu Zeiten der Regierung von Margaret Thatcher.

Schauspieler John Malkovich.

John Malkovich - neben Bill Murray einer der internationalen Top-Stars bei den Festspielen

In "The Music Critic" schlüpft John Malkovich in die Rolle eines Kritikers und zitiert einen Abend lang gemeine Fehlurteile und Schmähungen über einige der bedeutendsten Werke der Musikgeschichte. Bill Murray bringt mit "New Worlds" Star-Cellist Jan Vogler Musik und große Literatur auf die Bühne.

Für Frank Hoffmann sind die 72. Ruhrfestspiele nach 14 Intendanten-Jahren die letzten. Ihm war es gelungen, mit seinen thematischen, an den Menschen orientierten Schwerpunkten das Publikum zu packen und die Zuschauerzahlen zu vervielfachen. Sein Nachfolger wird der derzeitige Intendant des Schauspielhauses Bochum, Olaf Kröck.

Verbrüderung von Künstlern und Kumpel

Ursprung der Ruhrfestspiele war ein legendärer Deal im kalten Winter des Jahres 1946 als sich Theaterleute aus dem zerbombten Hamburg mit einem Lastwagen ins Ruhrgebiet aufmachten, um Kohle für ihre Spielstätten aufzutreiben. Kumpel der Zeche "König Ludwig 4/5" in Recklinghausen halfen den frierenden Künstlern, indem sie Kohle an der englischen Besatzungsmacht vorbeischleusten. Im Sommer darauf kamen die Schauspieler zurück und bedankten sich mit Theateraufführungen. "Kunst gegen Kohle" - die Ruhrfestspiele, eine Verbrüderung von Künstlern und Kumpel.

bb/so (dpa, www.ruhrfestspiele.de)

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