7 deutsche Ticks, die es sich zu übernehmen lohnt | Meet the Germans | DW | 02.10.2019
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Meet the Germans

7 deutsche Ticks, die es sich zu übernehmen lohnt

Als Dana Regev aus Israel nach Deutschland zog, hatte sie oft kein Verständnis für deutsche Marotten. Fünf Jahre später hat sie diese sieben deutschen Eigenarten übernommen, die sie vorher albern fand.

Ich bin in Israel geboren und aufgewachsen und fand viele deutsche Angewohnheiten wirklich seltsam, als ich vor fünf Jahren hierher zog. Warum gibt es keine Klimaanlagen? Warum wollen sich Deutsche überall ausziehen? Und warum um Himmels Willen denken sie, Sandalen und Socken seien ein angemessenes Outfit, um aus dem Haus zu gehen?

Während ich mir über diese Fragen immer noch den Kopf zerbreche, gibt es auch einige deutsche Eigenheiten, über die ich vielleicht - das muss ich gestehen - zu schnell geurteilt habe. Hier sind sieben Dinge, die inzwischen zu einem festen Bestandteil meines Alltags geworden sind.

1. Lass alles stehen und liegen - die Sonne scheint!

Menschen sitzen in der Sonne in Köln am Rheinboulevard (Imago/Ralph Peters)

Die Chance auf Vitamin D sollte man sich in Deutschland nicht entgehen lassen

Halt dich fest, ein Sonnenstrahl kämpft sich durch die Wolken. Ein Zeichen für jedermann in Deutschland, alles stehen und liegen zu lassen, innezuhalten, rauszugehen und… sich einfach nur zu sonnen.

Vitamin D, so habe ich es in Deutschland gelernt, ist hier eine ziemlich knappe Ressource - vor allem im Vergleich zum sonnigen Israel.

Wenn du mir vor fünf Jahren gesagt hättest, dass auch ich einmal plötzlich alles unterbrechen würde, um mit ausgestreckten Armen auf der Straße zu stehen, nur um etwas Sonne zu tanken, dann hätte ich dich vermutlich für verrückt erklärt. Heute jage ich schamlos der hier selten zu verspürenden Wärme der Sonne hinterher und stelle sicher, dass ich keine Vitamineinheit verpasse.

2. Sonnenbaden im Park ist völlig okay

Das Sonnenbaden wird in Deutschland in Ausprägungen und an Orten vollzogen, die mir anfangs sehr ungewöhnlich vorkamen.

DW-Journalistin Dana Regev

DW-Journalistin Dana Regev

In meiner mediterranen Heimat sind die öffentlichen Gärten und Parks hauptsächlich von Joggern, jungen Müttern mit Kindern oder Menschen bevölkert, die an heißen Sommertagen ein Picknick machen. Bikini-Trägerinnen oder Nackte mischen sich allerdings nie darunter.

Und das nicht, weil wir unsere gebräunten Körper im drückend heißen israelischen Sommer nicht zeigen würden. Es liegt daran, dass in Israel Bikinis an den Strand gehören - und zwar nur dorthin.

Als ich nach Deutschland zog, war ich schockiert, als ich sah, dass Männer (und Frauen) oben ohne direkt neben einem Restaurant, einem Kindergarten oder nur wenige Meter vom Bahnhof entfernt im Gras lagen - direkt im Stadtzentrum. Was machen die da bloß?

Aber da ich nun in einem Land ohne viele Strände lebe, muss ich mich fragen: Gibt es in der Hinsicht überhaupt einen Unterschied zwischen einem Strand und einem Park? Mittlerweile bin ich überzeugt: Nein, den gibt es nicht. Ich war zu Unrecht schockiert.

Zwei junge Frauen genießen im Park Planten un Blomen in Hamburg das Sommerwetter (picture-alliance/dpa/U. Perrey)

Ob auf Gras oder Sand ist doch letztlich auch egal - oder?

3. Immer schön aufs Geld achten!

Als ich zum ersten Mal einen Fuß in eine deutsche Bank setzte, habe ich den armen Mitarbeiter hinter dem Schalter wohl ernsthaft erschreckt: "Hallo, ich möchte bitte ein Konto eröffnen und eine Mastercard, eine Visa Card und eine American Express bestellen. Vielen Dank!"

Es ist wohl überflüssig zu erwähnen, dass er nicht begeistert war.

Kreditkarten sind hier eher wie ein Darlehen, für das man finanzielle Stabilität, ein regelmäßiges Gehalt und eine solide Banklaufbahn nachweisen muss. Dies ist Ausdruck einer allgemeinen Mentalität nicht nur von deutschen Banken, sondern gleichermaßen auch von deutschen Bürgern: Man sollte nur das ausgeben, was man sich leisten kann.

Auch wenn ich zuerst kritisch war, weiß ich diese Haltung jetzt zu schätzen. Sie hat mir geholfen, meine Ausgaben im Blick zu behalten, mein Konto nicht zu überziehen und gemäß meines tatsächlichen Einkommens zu leben.

Foto einer Visa Card (Imago/teutopress)

Zahlen mit Kreditkarte, wo du willst? Vergiss es!

4.   Nur Barzahlung möglich  

Zahlen mit Kreditkarte kann man in Deutschland nur selten. Ich ärgere mich manchmal immer noch darüber, aber wenn ich dann meine Kreditkartenabrechnung ansehe und mich nicht mehr daran erinnere, wo und warum ich für dieses oder jenes Geld ausgegeben habe, weiß ich die Barzahlung plötzlich zu schätzen.

Der erste Tipp für jeden, der versucht, Geld zu sparen: Verwende ausschließlich Bargeld, dann bekommst du ein besseres Gefühl dafür, wann du Geld ausgibst. Diese Methode mag paternalistisch klingen, aber sie funktioniert.

5. Aber was kostet es wirklich?

Der tatsächliche Preis in deutschen Geschäften ist derselbe, der auf dem Preisschild steht. Bis auf wenige Ausnahmen gibt es kein Feilschen und kein Verhandeln. Ich, die ich aus einer anderen Kultur kam, war überrascht, als ich herausfand, dass derartige Dinge in Deutschland überhaupt keine gängige Praxis sind. Aber schon bald war ich dankbar dafür, weil das viel Zeit und Anstrengung spart.

Taxifahrten sind ein gutes Beispiel: Fahrer in Deutschland werden dich nicht betrügen - auch wenn du Tourist bist, zeigt dir das Taxameter genau, wie viel du bezahlen musst. Du brauchst dir keine Sorgen zu machen - der Fahrer muss die kürzeste Strecke zum Ziel nehmen.

6. Was machst du in 158 Tagen?

Frauentag (picture-alliance/ZB/J. Wolf)

Was machst du in 158 Tagen?

Die Deutschen lieben es, vorab zu planen. Aus irgendeinem Grund finden sie es leichter, ihre Ferien schon Monate im Voraus zu organisieren - statt maximal ein paar Wochen davor, wie wir in Israel das tun.

Früher war ich kein Fan davon: Wer weiß schon, was in den nächsten Monaten passiert? Ich weiß manchmal nicht, was ich am nächsten Tag mache. Aber obwohl ich immer noch mit dieser Angewohnheit kämpfe, sehe ich auch, warum es sehr beruhigend sein kann, die nächsten Ruhepausen zu kennen.

Auf diese Weise kann man sich jedes Mal, wenn die Arbeit zu stressig oder Familienangelegenheiten unerträglich werden, auf das nächste Entspannungsfenster konzentrieren. Denn man weiß, dass dieses nur ein oder zwei Monate entfernt ist und nicht in unbekannter Zukunft liegt.

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7. Plastik, Papier, Pappe oder Glas?

Deutsche sind fromme Mülltrenner. Es hat einige Zeit gedauert, bis ich akzeptieren konnte, dass ich vier verschiedene Behälter für Müll in meiner Wohnung stehen habe. Und dann auch noch die Frage, was wo hineingehört. Aber trotz des Ärgers darüber gibt es kein stichhaltiges Argument gegen das Recycling.

Ich denke immer noch, dass es einfachere Wege geben muss, als separat Kunststoffflaschen und all den anderen Kunststoffabfall zu sammeln. Doch das Entscheidende ist: Jeder sollte mehr recyceln, also werde ich vorerst diese zusätzliche Belastung auf mich nehmen.

Und all die anderen Eigenarten der Deutschen? Ich brauche bestimmt noch fünf weitere Jahre, um mich an den Rest von ihnen zu gewöhnen.

Was hat Sie in Deutschland am meisten überrascht? Bitte teilen Sie es uns unter dem Hashtag #MeettheGermans über unseren Twitter-Account @dw_kultur mit.

Mehr über die Deutschen und den Alltag in Deutschland erfahren Sie auf dw.com/MeettheGermans und auf YouTube.

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