500 Jahre Hamburgische Kaufmannschaft | Wirtschaft | DW | 29.12.2017
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Wirtschaftsvereinigungen

500 Jahre Hamburgische Kaufmannschaft

Die 1000 Mitglieder der "Versammlung Eines Ehrbaren Kaufmanns zu Hamburg" sind ethischem und fairem Handeln verpflichtet. Zur Feier des 500-jährigen Bestehens nehmen sie sich vor, 2018 noch selbstbewusster aufzutreten.

Deutschland Hamburg Versammlung eines Ehrbaren Kaufmanns 2013 (Imago/Lars Berg)

Die Handelskammer der Freien und Hansestadt Hamburg

Der stattliche Börsensaal der Hamburger Handelskammer gehört am letzten Arbeitstag des Jahres den Wirtschaftsvertretern aus Norddeutschland und deren Gästen. Die "Versammlung Eines Ehrbaren Kaufmanns zu Hamburg" (VEEK) lädt als ältester Wirtschaftsclub Deutschlands rund 2000 Gäste aus Politik und Wirtschaft zu seiner Jahresschlussversammlung in die Hansestadt ein.

Es wird Bilanz gezogen. Prominente Redner werden klären: Was waren die wirtschaftlichen Höhepunkte der zurückliegenden zwölf Monate? Was ist weniger gut in Erinnerung geblieben? Und vor allem: Was soll in Zukunft angegangen werden?

Zwischen Tradition und Fortschritt

Die diesjährige Veranstaltung steht dabei ganz im Zeichen des 500-jährigen Bestehens der VEEK. Es wird an die traditionellen Werte und an die Ethik des "Ehrbaren Kaufmanns" erinnert werden. Trotzdem wird am Ende dieses Wirtschaftsjahres in der Dreiecksbeziehung zwischen Rathaus, Börse und Handelskammer, die in der Hansestadt nicht nur räumlich eng verbunden sind, vieles anders sein.

Deutschland Hamburg Versammlung eines Ehrbaren Kaufmanns 2009 (picture-alliance/dpa/A. Warmuth)

Blick von der Galerie des Börsensaales beim Kaufmannstreffen am Silvestertag 2009.

Künftig wird der Verein seine Geschäfte selbstständig - ohne die finanzielle Hilfe der Handelskammer - führen. Die diesjährige, nur mit drei Gegenstimmen beschlossene Satzungsänderung der Kaufmannsvereinigung kommt einem Donnerschlag gleich: Nach mehreren Jahrhunderten der engen Kooperation mit der Handelskammer, wollen die Mitglieder der Vereinigung nun eigene Wege gehen. Unternehmerin Minou Tikrani aus dem erweiterten Vereins-Vorstand des VEEK bringt es auf den Punkt: "Wir wollen nicht länger Spielball der Kammer sein."

Eine fünfhundertjährige Geschichte

Um die Brisanz dieser Worte zu verstehen, lohnt ein Blick in die Vergangenheit: 1517 gründeten seefahrende Hamburger Kaufleute die "Versammlung Eines Ehrbaren Kaufmanns zu Hamburg", die laut Satzung "alles Notwendige zu des Kaufmanns Nutzen fördern und Nachteile verhüten" sollte. Es war die erste bedeutende Interessenvertretung der Kaufleute in der aufstrebenden Hansestadt.

Zu ihren Aufgaben gehörte die Verteidigung des freien Handels gegen Feinde sowie die Schlichtung von Meinungsverschiedenheiten in den eigenen Reihen. Für den kaufmännischen Geschäftsverkehr wurde 1558 die Börse der Hansestadt gegründet und wenig später ein eigenes Boten- und Postwesen. Ziel war es immer, die Interessen der Kaufmannschaft gegenüber dem Stadtregiment zu verdeutlichen. Die Bezeichnung des ehrbaren Kaufmanns zeugt von diesem Selbstbewusstsein gegenüber dem ehrbaren Rat der Stadt.

Ausstellung Zwischen Biedermeier und Gründerzeit (Sammlung Dietmar Siegert)

Im Hafen gründet der Reichtum Hamburgs und seiner Kaufleute. 1517 genauso wie hier zur Mitte des 19. Jahrhunderts.

1665 ging aus der Versammlung die "Commerz Deputation" hervor, die wiederum der Vorläufer der heutigen Handelskammer war. Deshalb gingen die Institutionen Jahrhunderte Hand in Hand und der Präses der Handelskammer erstattete regelmäßig zum Jahresabschluss einen Überblick über die Tätigkeit der Handelskammer. Dazu gehörte auch die räumliche Verbindung: Jahr für Jahr symbolisierte die Jahresschlussversammlung des VEEK im Börsensaal der Handelskammer Abschluss und Höhepunkt des norddeutschen Wirtschaftsjahres. Der Präses der Handelskammer hielt hier stets die Hauptrede.

Symbolische Neuerung

Das war einmal: Für die Abschlussveranstaltung 2017 wurde der Ablauf der Versammlung grundlegend geändert. Neben dem VEEK-Vorsitzenden Gunter Mengers und Handelskammer-Präses Tobias Bergmann wird auch der Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz zu den Gästen sprechen.

Die Rede des Politikers ist ein Novum. Bisher stand die Veranstaltung in der Tradition einer kritischen "Abrechnung" der Wirtschaftsvertreter mit der Politik. Mengers: "Wir freuen uns, dass der Erste Bürgermeister im Jubiläumsjahr der VEEK das Engagement der Hamburger Kaufleute auf diese Art und Weise würdigt." Bergmann fügt hinzu: "Durch die Rede unseres Ersten Bürgermeisters bei der Jahresschlussveranstaltung unterstreichen wir in diesem Jahr erstmals den Gedanken der Dialogorientierung zwischen Wirtschaft und Politik - ein zusätzlicher Höhepunkt für dieses traditionelle Format und richtiger Schritt."

Landungsbrücken Hamburg Hafen (Fotolia/Jan Schuler)

Auch heute und in der absehbaren Zukunft hängt das Wohl des "Hamburgischen Kaufmanns" am Hafen der Hansestadt.

Die traditionellen Werte hochhalten

Heute erscheinen die von den Gründungsvätern festgelegten ethischen Grundsätze für die Wirtschaft zukunftsweisend. Ein Beispiel ist der Handschlag als Versicherung für ein faires Geschäft. Diese Bedeutung ist seit 500 Jahren in der Satzung der VEEK festgehalten. Heute erscheint diese hanseatische Wirtschaftsethik aktueller denn je.

Insbesondere im Zusammenhang mit einem aktuellen Streit unter den Handelskammer-Mitgliedern. Ehemalige Präsidiumsmitglieder werfen dem neuen Präses Wahlbetrug vor, weil er die Abschaffung der Pflichtbeiträge versprochen hatte. Das sei ohne rechtliche Grundlage geschehen und deshalb nicht konform mit dem Leitbild eines ehrbaren Kaufmanns im hanseatischen Sinne.

In den Statuten der Vereinigung ist zu lesen: "Der kaufmännische Sinn für Realitäten und die Orientierung an ethischen Werten müssen zusammenspielen." In diesem Sinne werden auch heute Aufrichtigkeit, Fairness und Verlässlichkeit weiter als zukunftsweisend angesehen. Und sie werden vielleicht noch wichtiger, wenn die norddeutschen Unternehmen auch in Zukunft in einem globalisierten Wirtschaftsgefüge bestehen wollen.