50 Jahre Star Trek: Die Enterprise fliegt immer noch | Filme | DW | 07.09.2016
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Filme

50 Jahre Star Trek: Die Enterprise fliegt immer noch

Vor 50 Jahren entstand auf der Erde eine neue Spezies: der Trekkie. Er schaute jede Woche eine Science-Fiction-Serie, deren Geschichte bis heute nicht zu Ende erzählt ist: die Geschichte des Raumschiffs Enterprise.

"Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs Enterprise, das mit seiner 400 Mann starken Besatzung fünf Jahre unterwegs ist, um neue Welten zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen. Viele Lichtjahre von der Erde entfernt dringt die Enterprise in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat."

So beginnt in den 1960er Jahren die erste Folge von "Star Trek" im US-Fernsehen. Am 8. September 1966 sendet NBC die Folge mit dem Titel "The Man Trap" (dt. Titel: "Das Letzte seiner Art"). Eine Science Fiction-Serie mit Botschaft: Auf der Brücke arbeiten ein Russe, ein Japaner und mehrere Amerikaner friedlich zusammen. Eine farbige Offizierin wacht über die Kommunikation. Ein menschenähnliches Lebewesen mit spitzen Ohren ist die rechte Hand des Kommandanten. Menschen lösen sich in ihre Moleküle auf und setzen sich auf fremden Planeten wieder zusammen. Dort leben außerirdische Wesen in Form von Dämpfen oder Lichterscheinungen. Andere Außerirdische sehen aus wie Menschen, zeichnen sich aber durch extraterrestrische Details aus, wie etwa unbekannte Hautfarben oder besondere Fähigkeiten. Und alle Aliens sprechen Englisch.

Roddenberry vs. Kalter Krieg und Rassentrennung

Urbesetzung der Enterprise (Foto: dpa)

Multikulti: Die Crew der "U.S.S. Enterprise NCC-1701"

Die Serie spielt im 23. Jahrhundert, nachdem die Menschheit den Dritten Weltkrieg überlebt und sich friedlich mit anderen außerirdischen Lebensformen zur "Vereinigten Föderation der Planeten" zusammengeschlossen hat. Das Raumschiff Enterprise wird mit einer Mission ins All gesandt. Es soll fremde Planeten und Galaxien erkunden und unbekannte Lebensformen kennenlernen. Zu der Ur-Besatzung gehören Captain James Tiberius Kirk (William Shatner, heute 85), der Erste Offizier Mr. Spock (Leonard Nimoy, † 2015), Chef-Ingenieur "Scotty" Scott (James Doohan, † 2005), Steuermann Sulu (George Takei, heute 79), Kommunikationsoffizier Lieutenant Uhura (Nichelle Nichols, heute 83), und Schiffsarzt Dr. Leonard "Pille" McCoy (DeForest Kelly, † 1999). Navigator Pavel Chekov (Walter Koenig, heute 79) kommt in der zweiten Staffel dazu.

Das Führungstrio der Enterprise verkörpern drei Typen: den Tatmenschen (Kirk), den Vernunftgesteuerten (Spock) und den Emotionalen (Dr. McCoy alias "Pille"). Die Charakterauswahl von "Star Trek"-Schöpfer Gene Roddenberry (1921-1991) soll ein allgemeines Phänomen beschreiben: Verschiedene Menschen brauchen einander, um zum Ziel zu gelangen.

Star Trek-Erfinder Gene Roddenberry (Foto: Imago)

Ein Mann mit Visionen: Gene Roddenberry

Roddenberry ist seiner Zeit weit voraus und stellt Weltansichten dar, die für die meisten Menschen in den 1960er Jahren revolutionär sind. Vor dem Hintergrund der damaligen Rassenunruhen in den USA ist es äußerst mutig, einer schwarzen Schauspielerin die Rolle einer Offizierin zu geben, die auch noch zu den Hauptcharakteren der Serie gehört. Dem Kalten Krieg setzt er eine bunt gemischte Crew entgegen, in der Nationalitäten keine Rolle spielen. Roddenberry transportiert ein Weltbild, das in jener Zeit sowohl für Begeisterung als auch für Empörung sorgt.

Der Skandalkuss, der keiner war

In der Folge "Platons Stiefkinder" küsst Captain Kirk 1968 die dunkelhäutige Offizierin Uhura. Dies gilt in manchen Südstaaten der USA als inakzeptabel und darf nicht gesendet werden. Im US-Fernsehen ist dies der erste Kuss zwischen einer Dunkelhäutigen und einem Hellhäutigen. Später erzählen die Schauspieler, dass sie lange üben mussten, bis die Kussszene im Kasten war: Denn die Lippen der beiden haben sich in Wirklichkeit nicht berührt. Um das zu vertuschen, mussten Kamerawinkel und Schatten ganz genau stimmen.

Nach 79 Folgen stellt der US-Sender NBC die Serie im Juni 1969 ein. In Deutschland kommt die Enterprise erst Jahre später zum Einsatz. 1972 strahlt das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) die erste "Raumschiff Enterprise"-Folge aus. Im Nachmittagsprogramm, parallel zur Sportschau im Ersten. Die Folgen werden zum Teil stark gekürzt und in der Synchronisation teilweise auch verändert. Denn manchmal gibt es bei "Raumschiff Enterprise" auch erotische Momente - etwa als der sonst so knochentrockene Spock plötzlich von einem "Lust-Virus" befallen wird.

The Next Generation

Patrick Steward als Captain Jean-Luc Picard (Foto: dpa)

Der britische Schauspieler Patrick Stewart als Captain Jean-Luc Picard

Obwohl nur drei Staffeln im US-Fernsehen gelaufen sind, wächst das Interesse der Trekkies stetig. Anfang der 1970er wird die Serie weltweit verkauft, die "Enterprise" wird zum Kult. 1977 folgt der erste von neun Kinofilmen, zehn Jahre später betritt eine neue Generation die Brücke der Enterprise: Die Mannschaft um Kapitän Jean-Luc Picard, den Ersten Offizier Will Riker und den Androiden Data. "Star Trek - The Next Generation" wird eine der erfolgreichsten Sci-Fi-Serien der 80er und 90er. Es folgen weitere Ableger wie "Raumschiff Voyager" und "Deep Space Nine". Kontinuierlich wird auch die Filmreihe fortgesetzt - wenn auch mit großen Zeitsprüngen.

Im Juli 2016 ist der letzte Kino-Blockbuster angelaufen. In "Star Trek Beyond" bewegt sich die "Enterprise" wieder in fernen Galaxien, auf der Brücke die alte Crew um Kirk, Spock und Pille. Natürlich mit viel jüngeren Schauspielern und modernsten Hollywood-Effekten. Produzent ist J.J. Abrams, bekannt auch als Macher des letzten "Star Wars"-Abenteuers. Die Regie hat Action-Experte Justin Lin geführt. Bei solch geballtem Tempo ist es nicht leicht, bei alten Trekkies nostalgische Gefühle zu wecken. Wer Lust auf "uraltes" Fernsehen im 1960er Jahre-Look hat: Netflix zeigt zum Jubiläum die alten Folgen von "Raumschiff Enterprise".

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