20.000 demonstrieren in Bern für Lohngleichheit | Aktuell Europa | DW | 22.09.2018
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Schweiz

20.000 demonstrieren in Bern für Lohngleichheit

Die Gleichstellung der Geschlechter ist seit 1981 in der Schweizer Verfassung verankert, das entsprechende Gesetz seit 22 Jahren in Kraft. Doch Frauen verdienen im Schnitt noch immer 20 Prozent weniger als Männer.

Bunte Luftballons und viele Transparente prägen das Bild auf dem Platz vor dem Bundeshaus in Bern. "Egal ob Luis oder Luisa - gleicher Lohn!" und "Lohngleichheit geht uns alle an" ist zu lesen. Teilnehmer der Kundgebung skandieren immer wieder "Genug ist genug" und "Runter mit den Boni - hinauf mit den Frauenlöhnen".

Frauen verdienten rund ein Fünftel weniger als Männer, seien in Politik und Wirtschaft untervertreten und verrichteten den Hauptteil der unbezahlten Arbeit, beklagen Vertreter der Gewerkschaft Unia, die zusammen mit 40 anderen Organisationen zu dem Protest aufgerufen hat. Jeder Frau entgingen so pro Monat im Durchschnitt 600 Franken.

Schweiz Proteste für Lohngleichheit in Bern (picture-alliance/KEYSTONE/P. Schneider)

Der Bundesplatz in Bern

Zehn Milliarden Franken weniger - ein "skandalöser Lohnklau"

Unia-Präsidentin Vania Alleva rechnet vor: "Den Frauen in der Schweiz werden jedes Jahr zehn Milliarden Franken vorenthalten." Das Gebot der Gleichstellung werde mit Füßen getreten, die Politik müsse endlich dagegen vorgehen. Für die Gewerkschaft kommt die Ungleichheit einem "skandalösen Lohnklau" gleich.

Gesetzentwurf zu Lohndiskriminierung im Nationalrat 

Am Montag will der Schweizer Nationalrat über einen Gesetzentwurf beraten, der Maßnahmen gegen Lohndiskriminierung vorsieht. Die Regierung hatte vorgeschlagen, dass Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern alle vier Jahre Rechenschaft darüber ablegen müssen, ob sie gleiche Löhne für Männer und Frauen zahlen. Die zweite Parlamentskammer - das Ständehaus - nahm im Mai jedoch nur eine abgeschwächte Version der Vorlage an, nach der nur noch Unternehmen mit mindestens 100 Angestellten kontrolliert werden sollen.

Unia und anderen Organisationen reicht das bei weitem nicht. Sie verlangen strengere Regelungen, etwa Strafen für Lohndiskriminierung. Sie drohen damit, zu einem "Frauen-Streik" im kommenden Jahr aufzurufen, sollte der Nationalrat das Gesetz nicht verschärfen. "Lohngleichheit ist eine Frage der Gerechtigkeit", betont auch Dorothea Forster, Präsidentin der Evangelischen Frauen Schweiz (EFS). Nach ihrer Meinung sollten alle Betriebe ab 25 Mitarbeitern zur Lohnanalyse verpflichtet werden.

se/wa (afp, blick, unia)