20 Jahre Rechtschreibreform – ein Flop? | Deutschlehrer-Info | DW | 11.08.2016
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Deutschlehrer-Info

20 Jahre Rechtschreibreform – ein Flop?

1996 wurde die Rechtschreibung in Deutschland reformiert. 20 Jahre danach diskutieren Bildungsexperten über die Auswirkungen der neuen Regeln. Tatsache ist: Viele Schüler haben Probleme, korrekt zu schreiben.

20 Jahre nach Einführung neuer Rechtschreibregeln in Deutschland diskutieren Experten darüber, was die Rechtschreibreform bewirkt hat – und kommen zu ernüchternden Ergebnissen.

Nach Ansicht von Heinz-Peter Meidinger, dem Vorsitzenden des Deutschen Philologenverbands, habe die Reform „viel weniger gebracht, als Befürworter versprochen haben.“ Auf einzelnen Feldern wie der Groß- und Kleinschreibung sei die Rechtschreibung „etwas logischer geworden, sehr viel einfacher aber sicher nicht“, so Meidinger. Der große Aufwand habe sich seiner Meinung nach nicht gelohnt.

Bildungsforscher Uwe Grund glaubt, dass die Rechtschreibreform „ein Flop“ war. Nach Auswertung zahlreicher Untersuchungen ist er zu dem Schluss gekommen, dass sie bei den Schülern zu schlechteren Rechtschreibleistungen geführt habe. Etwa die Hälfte der 9.-Klässler verfügt laut Studie über schlechte Rechtschreibkenntnisse. Davon sind auch die Gymnasiasten betroffen.

Bei der Rechtschreibreform wurde zum Beispiel versucht, die Groß- und Kleinschreibung, die Zusammen- und Getrenntschreibung und die Schreibung von Wörtern mit ss und ß zu vereinheitlichen und dadurch zu vereinfachen. Nach der Studie von Grund haben viele Schüler aber genau damit immer noch Probleme.

Heinz-Peter Meidinger glaubt allerdings nicht, dass die Reform die Hauptursache für die Rechtschreibprobleme der Schüler ist. Sie liegen seiner Meinung nach vielmehr darin, dass zu wenig gelesen wird. Ohne intensives Lesen werde aber keine ausreichende Rechtschreibkompetenz erworben, so Meidinger. Er findet außerdem, dass seit den 1990er Jahren der Rechtschreibunterricht an den Schulen vernachlässigt wird. Meidinger fordert zudem mehr Deutschunterricht an den Schulen.


sts/ip (dpa/KNA/AFP)

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