1972: Interview mit Elly Beinhorn | Sportgeschichten | DW | 24.11.2017
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Sportgeschichten

1972: Interview mit Elly Beinhorn

"Romantisches Blättern in den Seiten des großen Buches der ganzen Welt" - Elly Beinhorn über die Anfänge ihrer Fliegerei

Deutschland Elly Beinhorn Pilotin (picture-alliance/dpa)

Elly Beinhorn (undatiert)

Tippt man ihren Namen in eine Suchmaschine ein, so wird man von über einer halben Million Treffer überschwemmt. Diverse Porträts, Berichte, Dokumentationen und vieles mehr gibt es im Internet zu ihrer Person. Ihre Lebensgeschichte wurde auch in der ZDF-Produktion "Elly Beinhorn - Alleinflug" verfilmt. Elly Beinhorn war Deutschlands berühmteste Sport-Fliegerin und bleibt bis heute eine Galionsfigur der Sportfliegerei.

"Geisteszustand untersuchen"

Elly Beinhorn (Getty Images/Ullstein)

Elly Beinhorn (um 1930)

Das Licht der Welt erblickte Elly Beinhorn am 30.2.1907 in Hannover in einer Kaufmannsfamilie. Dort besuchte sie die Stadttöchterschule und das Schillerlyceum. Ihren Drang zur Fliegerei entdeckte Elly Beinhorn bei einem Vortrag über einen Flug über den Atlantik. „Als ich den gefüllten Saal betrat, ahnte ich nicht, dass ich ihn zwei Stunden später mit einem festen Ziel verlassen würde. Dies Ziel war noch nicht klar umrissen, aber mein Leben hatte seine Richtung bekommen.“ – schrieb sie später in ihrem Buch "Ich fliege um die Welt". Als sie dann später ihren Wunsch, Fliegen lernen zu wollen, ihren Eltern mitteilte, waren sie entsetzt von diesem Beschluss. "Vater ersuchte meine Mutter in allem Ernste, mich bei einem Nervenarzt auf meinen Geisteszustand untersuchen zu lassen" – erinnerte sie sich im gleichen Buch. Gegen den Willen ihrer Eltern erwarb  Elly Beinhorn im Frühjahr 1928 auf der Sportfliegerschule der Deutschen Luftfahrt AG in Berlin den Sportfliegerschein und danach den Kunstflug-Schein an der Fliegerschule Würzburg. Weitere Flugscheine sollten folgen. Das große Abenteuer konnte nun beginnen.

Auf nach Afrika!

Deutschland Luftverkehr Fliegerin Elly Beinhorn (AP)

Elly Beinhorn (später Rosemeyer-Beinhorn) steht am Rednerpult vor einem Mikrophon neben ihrem Flugzeug auf dem Flughafen Berlin-Tempelhof am 26. Juli 1932

Laut damaligen Vorschriften durfte Elly Beinhorn keine Passagierflugzeuge steuern, also war sie gezwungen, ihrer Leidenschaft auf einem anderen Wege nachzugehen. So arbeitete sie zunächst als Kunstfliegerin bei Flugschauen und erwarb sich bald Anerkennung bei der von Männern dominierten Pilotenzunft. Elly Beinhorn gehörte unter anderem mehrfach dem Team von dem damals berühmten Piloten Ernst Udet an. Für erste Schlagzeilen sorgte Elly Beinhorn im Jahr 1931. In diesem Jahr startete sie zum Alleinflug nach Afrika. In 70 Flugstunden bewältigte sie ohne jegliche technische Unterstützung die Strecke von 7. 000 Kilometer. Während dieses Fluges blieb sie vier Tage lang nach einer Havarie verschollen, tauchte dann aber nach einem 50 Kilometer langen Fußmarsch in Timbuktu wieder auf. "Der Marsch nach Timbuktu forderte das letzte, was noch an Energie aus mir herauszuholen war" – schrieb sie in ihren Memoiren. Doch der Afrika-Flug sollte erst der Anfang von einer ganzen Reihe von Rekordflügen sein, die Elly Beinhorn im Laufe der Jahre auf dem ganzen Globus absolvierte.

Rund um die Welt

Deutschland Luftfahrt Elly Beinhorn (picture-alliance / dpa)

Elly Beinhorn nimmt nach einem ihrer Flüge Glückwünsche entgegen (undatiert)

Noch im gleichen Jahr, im Dezember 1931, brach Elly Beinhorn zu einem Flug rund um die Welt auf. In acht Monaten legte sie mit ihrem Flugzeug rund 31.000 Kilometer zurück. Für diese Leistung wurde sie vom damaligen Reichspräsidenten Paul vom Hindenburg mit dem Hindenburg-Pokal ausgezeichnet. Es folgten weitere Rekordflüge, die Elly Beinhorn noch berühmter machten. Legendär wurde ihr Flug auf der Strecke Berlin - Damaskus - Kairo - Athen - Budapest – Berlin, also de facto über drei Kontinente,  den sie nur an einem Tag absolvierte. Mit 29 Jahren heiratete die Fliegerin den damals berühmten Rennfahrer Bernd Rosemeyer. Das Glück währte jedoch nicht lang: im Januar 1938 kam Rosemeyer bei einem Weltrekordversuch ums Leben. Dies hielt Elly Beinhorn jedoch nicht davon ab, weitere sensationelle Flüge zu unternehmen. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sie ihre Karriere erfolgreich fort. Dabei machte sie sich auch einen Namen als Buchautorin. Nebenbei moderierte sie eine Zeitlang für die DW zusammen mit dem späteren DW-Intendanten Hans Otto Wesemann die Sendung "Der Zebrastreifen". Die berühmte Fliegerin wurde auch mehrfach ausgezeichnet. So wurde sie unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Elly Beinhorn starb im Alter von 100 Jahren am 28.11.2007 in Ottobrunn.

 

Im Juli 1972 sprach DW-Redakteurin Elisabeth Bachtler mit Elly Beinhorn über ihr bewegtes Leben.

Autor: Andreas Zemke

Redaktion: Uta Hardes-Schmmeißer

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