175 Millionen Kinder ohne Vorschulbildung | Aktuell Welt | DW | 09.04.2019
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Weltweite Bildung

175 Millionen Kinder ohne Vorschulbildung

Die Hälfte aller Drei- bis Sechsjährigen wird nicht vor dem Schulbeginn gefördert. In den ärmsten Ländern sieht es noch viel schlimmer aus. Für das UN-Kinderhilfswerk ist der Zustand untragbar, aus mehreren Gründen.

Kamerun Muttersprachenunterricht (DW/H. Fischer)

Grundschulkinder im zentralafrikanischen Kamerun

UNICEF hat Regierungen weltweit dazu aufgerufen, mehr Geld in die Vorschulbildung von Kindern zu investieren. Aktuell hätten 175 Millionen Kinder keinen Zugang zu dieser Form der Frühförderung, heißt es in einer Studie des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen. In Deutschland nehmen laut dem Bericht mit dem Titel "A World ready to Learn" (Eine Welt, die bereit ist zu lernen) mehr als 95 Prozent der Kinder vorschulische Bildungsangebote wahr. In dem von Gewalt und Anschlägen geprägten westafrikanischen Staat Burkina Faso sind es dagegen nur vier Prozent.

Neben Armut sind Konflikte und Katastrophen häufig die Ursache, dass Drei- bis Sechsjährige nicht ausreichend gefördert werden können. Aber auch die Bildung der Mutter spielt laut der UN-Studie eine entscheidende Rolle: Kinder, deren Mütter eine weiterführende Schule abgeschlossen haben, nutzen fünfmal so häufig vorschulische Angebote wie Mädchen und Jungen, deren Mütter nur die Grundschule oder gar keine Schule besucht haben.

Asien einfache Dorfschule (picture-alliance/imageBROKER/S. Auth)

Eine einfache Dorfschule in der Provinz Phongsali im südostasiatischen Laos

Zehn Prozent des Bildungsetats für die Vorschulkinder

UNICEF fordert alle Regierungen auf, künftig mindestens zehn Prozent ihrer nationalen Bildungsetats in frühkindliche Förderung zu investieren. Weltweit werden demnach 9,3 Millionen neue Vorschul-Lehrkräfte benötigt, um die Kinder entsprechend auf die Schule vorzubereiten.      

Wer im Vorschulalter adäquat gefördert werde, müsse seltener eine Klasse wiederholen oder die Schule abbrechen, erklärte UNICEF-Exekutivdirektorin Henrietta Fore. Früh geförderte Jungen und Mädchen haben laut der Studie eine deutlich bessere Chance, ein höheres Bildungsniveau zu erreichen und Fähigkeiten wie kritisches Denken und Kreativität zu entwickeln.

Schule in Balutschistan (DW/A. G. Kakar)

Schüler im westpakistanischen Quetta

Auf dem Arbeitsmarkt wettbewerbsfähiger

Im Vorschulalter geförderte Kinder sind nach UN-Angaben auch später auf dem Arbeitsmarkt wettbewerbsfähiger und könnten einen wertvolleren Beitrag zur Wirtschaft und Entwicklung ihres Landes leisten. Die Eltern von Vorschulkindern hätten zudem mehr Zeit, selbst arbeiten zu gehen und mehr Geld zu verdienen.

"Wenn wir unseren Kindern das Beste im Leben ermöglichen wollen, müssen Staats- und Regierungschefs Vorschulbildung zu einer Priorität erklären und entsprechende Ressourcen bereitstellen", betonte Fore.

se/wa (kna, dpa, epd, afp)