0,0 Prozent: EZB lässt Leitzins auf Rekordtief | Wirtschaft | DW | 10.04.2019
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Geldpolitik

0,0 Prozent: EZB lässt Leitzins auf Rekordtief

Die Entscheidung war mit Spannung erwartet worden, nun geht alles weiter wie gehabt: Die EZB tastet ihre Leitzinsen nicht an. Allerdings nannten die Währungshüter einen Zeitplan für eine Zinswende.

Die Zinswende im Euroraum lässt weiter auf sich warten: Die Europäische Zentralbank (EZB) will diese frühestens im nächsten Jahr einleiten. Die Währungshüter bekräftigten in Frankfurt, ihre Schlüsselzinsen noch bis mindestens Ende Dezember nicht antasten zu wollen. Sparer müssen sich also noch länger als erwartet gedulden, ehe es wieder höhere Zinsen zum Beispiel auf Sparbücher und Tagesgeldkonten gibt. Wer einen Kredit aufnimmt, kann dagegen von günstigeren Konditionen profitieren. Der Leitzins zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld liegt bereits seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent.

Draghi, der Nullzins-Präsident

Durch die Entscheidung dürfte Mario Draghi der bislang erste EZB-Präsident werden, in dessen Zeit an der Spitze die Zinsen kein einziges Mal angehoben wurden. Der Italiener scheidet Ende Oktober aus dem Amt.

Pressekonferenz EZB-Chef Draghi in Riga (Getty Images/I. Znotins)

EZB-Chef Mario Draghi

Die EZB ließ auch den Einlagenzins auf dem bisherigen Niveau von minus 0,4 Prozent. Die Geschäftsbanken müssen damit weiterhin Strafzinsen zahlen, wenn sie bei der Notenbank überschüssige Gelder parken. Bei kurzfristigen Kapitalspritzen und sogenannten Übernachtkrediten werden wie bisher 0,25 Prozent Zinsen fällig. Nach Angaben des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) zahlen Banken im Euroraum derzeit jährlich rund 7,5 Milliarden Euro an Strafzinsen. 

Neuauflage bei langfristigen Geldspritzen für Geschäftsbanken

Wie mehrfach in den vergangenen Krisenjahren will die EZB Geschäftsbanken erneut längerfristige Kredite zu besonders günstigen Konditionen anbieten - im Fachjargon TLTRO genannt. Diese sollen ab September 2019 bis März 2021 zur Verfügung gestellt werden. Ziel ist, über diesen Weg die Kreditvergabe der Banken anzukurbeln und so Konjunktur und Inflation anzuschieben. 

Symbolbild: Frankreich, Dijon: Betrüger lebte als Schlossherr in Frankreich (picture-alliance/M. Dietrich)

Für eine gute Konjunktur soll Geld nicht geparkt sondern ausgegeben werden - so sieht es die EZB

Allerdings räumte Mario Draghi ein, dass man im EZB-Rat noch weit von konkreten Plänen entfernt sei. Zu den in Aussicht gestellten "lindernden Maßnahmen" für die Bankenbranche, die unter der anhaltenden Nullzins- und Strafzinspolitik der EZB leidet, sagte der EZB-Chef: "Wir sind noch nicht einmal in der ersten Stufe dieser Überlegungen und haben überhaupt noch nicht darüber nachgedacht, was das bedeuten würde."

Die Gefahr einer Rezession hält der oberste Eurobanker nach wie vor für niedrig, bekräftigte aber, dass man entschlossen sei, im Fall der Fälle gegenzusteuern: "Der EZB-Rat ist bereit, alle seine Instrumente einzusetzen, so wie das richtig und nötig wäre, falls sich eine solche Situation wirklich ergeben sollte." Welche Instrumente das sein könnten, sagte Draghi allerdings nicht.

Die EZB rechnet im laufenden Jahr mit einer Teuerungsrate im Euroraum von 1,2 Prozent, 2020 dann mit 1,5 Prozent. Sie strebt mittelfristig eine Inflationsrate von knapp unter 2,0 Prozent an. Denn dauerhaft niedrige oder gar sinkende Preise könnten Unternehmen und Verbraucher dazu bringen, Investitionen aufzuschieben. Das könnte die Konjunktur bremsen. 

Frische Milliarden in Staats- und Unternehmensanleihen will die Notenbank vorerst aber nicht stecken. Von März 2015 bis Ende 2018 hatte die EZB Wertpapiere für rund 2,6 Billionen Euro erworben, um Folgen aus der niedrigen Inflation abzumildern und die Konjunktur anzukurbeln. Allerdings kündigte die EZB an, Gelder aus auslaufenden Papieren direkt wieder zu investieren.

cw, tko/ hk (dpa, rtr)