Über 15.000 Polizisten jagen Raser bundesweit | Aktuell Deutschland | DW | 10.10.2013
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Aktuell Deutschland

Über 15.000 Polizisten jagen Raser bundesweit

24 Stunden lang führt ein Heer an Polizisten in ganz Deutschland Tempokontrollen durch. Trotz vorheriger Veröffentlichung der Standorte gingen zahlreiche Fahrer in die Falle. Aber auch Tiere wurden geblitzt.

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Schlechter Tag für Raser

Bei der ersten bundesweiten Tempo-Kontrolle hat die Polizei den Autofahrern eine entspannte Fahrweise attestiert - und dennoch reihenweise Temposünder erwischt.

So melden die Behörden im Norden der Republik, dass die Fahrer mit deutlich gedrosselter Geschwindigkeit unterwegs gewesen seien. "Wir stellen fest, dass die Leute langsamer fahren", sagte ein Sprecher des Innenministeriums von Mecklenburg-Vorpommern. So sei an einem Kontrollpunkt in Schwerin kein einziger Raser erwischt worden, während an derselben Stelle sonst dutzendweise Autofahrer als zu schnell auffallen. Auch aus Hamburg und Schleswig-Holstein wurde ein auffällig ruhiger Berufsverkehr gemeldet. Im Südwesten bremste zusätzlich starker Regen den Verkehrsfluss. Entsprechend wenig Temposünder fielen auf, hieß es in Stuttgart.

Bei der bundesweiten Tempokontrolle dürfte die Geschwindigkeit von weit mehr als einer Million Autofahrer gemessen werden. Endgültige Ergebnisse wird die Polizei am Freitag bekanntgeben.

Fahrer geriet gleich zweimal in Tempokontrolle

Seit sechs Uhr Morgens kontrollieren über 15.000 Polizisten an 8700 Stellen bundesweit den Autoverkehr. In ihrem Visier sind vor allem Autofahrer, die sich nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten. Der Polizei gingen auch zahlreiche Raser ins Radarnetz. So geriet im Ruhrgebiet ein Autofahrer gleich zweimal mit zu hoher Geschwindigkeit vor die Messgeräte. Der Raser in Dortmund dürfte nun insgesamt 230 Euro Geldbuße zahlen. Er bekommt vier Punkte in Flensburg - und einen Monat Fahrverbot. Glückloser verhielt es sich für einen Autofahrer in Köln. Er wurde mit Tempo 91 in einer Tempo-50-Zone erwischt. Sein Flensburger Konto hat bereits 16 Punkte - auch sein Führerschein ist nun weg.

Die erste bundesweite Blitz-Marathon-Aktion wurde im Mai von der Innenministerkonferenz beschlossen. Finnland, Portugal und Polen haben die Idee bereits kopiert.

Rasen Hauptursache für Unfälle

Es ist einheitliche Expertenmeinung, dass zu schnelles Fahren die erste Ursache für schwere Verkehrsunfälle ist. "Rund 37 Prozent der bundesweit 3600 Verkehrstoten im Straßenverkehr im Jahr 2012 gehen auf das Rasen zurück", sagte der Unfallforscher und Unfallchirurg Denis Gümbel der Nachrichtenagentur dpa. "Auf den Autobahnen ist jeder zweite Tote auf zu schnelles Fahren zurückzuführen. Auch rund 30 bis 40 Prozent der 70.000 Schwerverletzten im Straßenverkehr waren zu schnell unterwegs."

Auch die Deutsche Polizeigewerkschaft ist überzeugt davon, dass hohe Ge schwindigkeit zu der Hauptursache von Verkehrsunfällen gehört. Die Gewerkschaft kritisiert die niedrigen Strafen für Geschwindigkeitssünder. "Wir benötigen härtere Sanktionen zur Abschreckung. Unsere Buß- und Verwarngelder sind auch im EU-Vergleich unfassbar niedrig", sagte der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft, Rainer Wendt, den Dortmunder "Ruhr Nachrichten".

Ein Lama geriet ins Visier eines Radars

Rückendeckung erhält die Aktion auch von dem Allgemeinen Deutschen Automobil-Club (ADAC). Der Verein "Mobil in Deutschland" kritisiert dagegen die Aktion als Mittel um die Staatskassen zu füllen. Der aktuelle Vorsitzende der Innenministerkonferenz und niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (SPD) entgegnete in der "Bild"-Zeitung, dass der Blitz-Marathon die Sicherheit der Teilnehmer im Fokus habe. "Uns kommt es nicht auf die Anzahl der Verwarnungen an. Wir wollen sichere Straßen", sagte er der "Bild"-Zeitung. Die Verkehrsteilnehmer haben die Möglichkeit sich auf die Radarfallen einzustellen - die Standorte der Messstellen wurden vorab veröffentlicht.

Davon konnte allerdings ein entlaufenes Lama in Krefeld nichts wissen. Das Tier geriet ins Visier der Radarfalle und verhinderte zeitweise die Tempokontrollen der Polizei. Wie schnell das Lama unterwegs war, ist nicht bekannt.

mz/wl (dpa, afp)

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